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07.11.2008

Jugendliche gestehen Überfall auf Minicar-Fahrer: 15-jährige Täter wollten Geld – oder Leben

PFORZHEIM. Zwei in Pforzheim und Heilbronn festgenommene 15-Jährige haben gestanden, am vergangenen Samstag einen Minicar-Fahrer überfallen zu haben. Sie sind in geschlossenen Jugendheimen untergebracht worden. Einer der jungen Täter ist schon als Elfjähriger der Polizei aufgefallen.


Wenn Georg F. (Name geändert) in ein paar Monaten vor den Schranken der Auswärtigen Jugendkammer des Landgerichts stehen wird, erwartet ihn die härteste Strafe seines Lebens, falls er verurteilt wird – und danach sieht es aus. Der 15-Jährige hat gestanden, am Samstag vergangener Woche im Stadtteil Haidach auf einen Minicar-Fahrer eingestochen zu haben. Das wertet Staatsanwalt Christian Lorenz als Mordversuch aus Habgier. F.s Kumpel Manfred G., ebenfalls 15, wird voraussichtlich wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes angeklagt. G. drohen bis zu zehn Jahre Haft. Polizei und Staatsanwaltschaft traten gestern vor die Presse und präsentierten Einzelheiten der Tat und ihrer mutmaßlichen Aufklärung.

Erst Video, dann reale Gewalt

Demnach waren die beiden Schüler gegen 17 Uhr in eine Spielothek in der Innenstadt gegangen, hatten das Gewalt-Video „Counterstrike“ gespielt und auf der Toilette verabredet, einen Minicar-Fahrer auszurauben. Vor einem Imbiss an der Zerrennerstraße hatten sie sich abholen lassen. Im Bereich des Wendehammers der Glogauer Straße war der mutmaßliche Haupttäter ausgestiegen und hatte dem 58-jährigen Fahrer mit einem Klappmesser insgesamt sechs Stiche versetzt und das Opfer schwer verletzt.

Die Stiche gingen in die Hand, das Bein, den Bauch, einer in Richtung Herz. Anwohner, die das Gerangel mitbekommen hatten, alarmierten die Polizei. Im Zuge einer Ringalarmfahndung wurden noch am selben Abend zwei Jugendliche vorübergehend festgenommen, aber wieder auf freien Fuß gesetzt – sie waren unschuldig.

Erst nach dem Abgleichen der von der Kriminaltechnik sichergestellten Fingerabdrücke im Auto mit der Computerdatei bekannter Straftäter stieß man auf einen alten Bekannten: Georg F., der wie sein Kumpel Mittwoch Nacht festgenommen wurde (die PZ berichtete) – F. in Pforzheim und G. in Heilbronn. Georg F. ist ein Intensivtäter. Bereits mit elf Jahren fiel der Sohn russlanddeutscher Eltern als Dieb und durch Gewalttaten auf.

Weil beide Tatverdächtigen noch keine 16 Jahre alt sind, durfte der zuständige Amtsrichter keine Untersuchungshaft verhängen, sondern entschied auf eine einstweilige Unterbringung in zwei geschlossenen Heimen. „Das war keine Schnapsidee“, charakterisiert Staatsanwalt Christian Lorenz den Überfall. Die Jugendlichen hätten abgemacht, falls der Fahrer sich gegen den Raub wehren sollte, wolle man ihn „gleich abstechen“. Bei der Vernehmung durch die Polizei hatte der Fahrer angegeben, der Haupttäter habe ihm gedroht: „Gib Dein Geld – sonst bist Du tot.“