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22.09.2010

Jungen vergewaltigt: Vier Jahre Haft für Pforzheimer

PFORZHEIM. Was sich im März 2003 in einer Pforzheimer Wohnung ereignet hat, ließ einen traumatisierten Jungen zurück, der jetzt 18 Jahre alt ist. Der Täter, ein heute 33-jähriger Holzfachwerker, erhält keine Bewährung mehr.

Im zweiten Verhandlungstag hat gestern die Auswärtige Große Strafkammer des Landgerichts Karlsruhe in Pforzheim den Angeklagten mit zwei Einzelstrafen zu vier Jahren und einen Monat verurteilt. Wegen Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs eines damals elfjährigen Jungen verhängte das Gericht unter Vorsitz von Richter Hermann Meyer eine Strafe in Höhe von drei Jahren und neun Monaten.

In einer zweiten Anklage wurde der geständige Täter wegen Besit-zes von kinderpornografischen Materials zu vier Monaten Haft verurteilt. Der Angeklagte, der am ersten Verhandlungstag ein Teilgeständnis abgelegt hatte, ließ zu Beginn des zweiten Prozesstages über seinen Verteidiger Thorsten Dehm eine Erklärung abgeben. Dabei räumte er weitere Anklagevorwürfe ein, die er bisher abgestritten hatte. Das ersparte dem Gericht und den Prozessbeteiligten eine umfangreiche Zeugenvernehmung und die Betrachtung von acht Stunden kinderpornografischen Filmen und Bildern.

„Eine vollendete Tat“

Oberstaatsanwältin Gabriele Gugau ging von einer Vergewaltigung des Elfjährigen aus – nicht zuletzt wegen seiner erheblichen Schmerzen. „Das war eine vollendete Tat und kein Versuch“, sagte sie. Der Angeklagte habe dem Jungen Wodka zu trinken gegeben, damit sich das verängstigte Kind beruhigen solle. Nach der Vergewaltigung, bei der das Opfer geweint und geschrieen habe, habe der Angeklagte dem Elfjährigen ein Messer an den Hals gesetzt und gedroht, durchzuziehen, falls er seiner Mutter etwas erzähle. Durch diesen drastischen sexuellen Missbrauch sei das erheblich traumatisierte Opfer in seiner Entwicklung massiv beeinträchtigt worden. Sie forderte zwei Einzelstrafen, die sich auf vier Jahre und acht Monate summierten.

Verteidiger Thorsten Dehm äußerte Zweifel an der vollendeten Vergewaltigung. Schmerzen des Opfers seinen kein eindeutiger Beweis. Es könne sich auch um einen vehementen, aber nicht gelungenen Versuch des Täters gehandelt haben. Dass das Kind lieber ins Heim gegangen sei, als bei der Mutter zu bleiben, sei nicht allein durch die Tat des Angeklagten verursacht worden. Die zu verhängende Strafe solle vier Jahre nicht überschreiten, forderte der Verteidiger.

„Kein minder schwerer Fall“

Richter Hermann Meyer sah bei dieser schweren Straftat mit anschließender Bedrohung keine Gründe für einen „minder schweren Fall“ im juristischen Sinn. Man müsse auch sehen, dass der Angeklagte nach seiner erstinstanzlichen Verurteilung in seiner Bewährungszeit sofort rückfällig geworden sei.
Dennoch habe sich sein Geständnis strafmildernd ausgewirkt und biete jetzt einen Ansatzpunkt für die wichtige sozial-therapeutische Arbeit mit dem Angeklagten während seiner Haftzeit.

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