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Eltern richten Brief an Rektoren: Mann belästigt Jungen.
Eltern richten Brief an Rektoren: Mann belästigt Jungen © dpa
19.05.2011

Jungs bedroht und belästigt? Eltern haben Angst um Kinder

PFORZHEIM/ENZKREIS. Hysterie, Hexenjagd oder reale Bedrohung? Tatsachen oder Gerüchte vom Hörensagen? Unbestritten ist das Auftreten eines Mannes, der an Jungen Interesse zeigt. Eltern und Kinder sind verängstigt.

An vielen Pforzheimer Schulen kursiert ein Schreiben an die Eltern, in dem vor einem Mann gewarnt wird, der ihre Kinder belästige und sogar bedrohe. Der Rundbrief ging unter anderem an der Dillweißensteinschule an die Eltern, unterschrieben von Rektor Rainer Veith – der gleichwohl vor Panikmache warnt. Es gebe „keinen Grund, Angst zu haben“, sagt er. Er habe auch eine entsprechende Durchsage gemacht.

Die Vorlage, so Veith, stamme von seinem Kollegen Thomas Paeffgen, Direktor des Hebel-Gymnasiums und Geschäftsführender Schulleiter der Gymnasien. Vorgestern, so Paeffgen gegenüber der „Pforzheimer Zeitung“ soll Sven G. (Name geändert) an der Ecke Emilienstraße/Habermehlstraße beim Benckiser Park Hebel-Jungs fotografiert und ihnen gedroht haben, sie umzubringen, wenn sie zu Hause etwas erzählten. So berichteten sie es ihren Eltern und die wiederum Paeffgen. Der Schulleiter informierte seine Kollegen und instruierte Lehrer und Hausmeister, nun regelmäßig auf den Toiletten nachzusehen, ob sich ein Fremder eingeschmuggelt habe. Auch dürften die Fünftklässler in diesen Tagen aus Sicherheitsgründen nur zu zweit auf die Toilette.

Udo Kromer, Direktor des Theodor-Heuss-Gymnasiums, erinnert sich an einen Fall, der sich im März ereignete: Ein Sechstklässler sei von besagtem Mann im Bus nach Angaben der Mutter des Schülers belästigt worden. Sven G. sei sogar im Vorgarten des elterlichen Hauses gestanden. Kromer informierte sofort das Polizeirevier Pforzheim-Süd. Die Jugendsachbearbeiter seien in die Klasse gegangen und hätten darüber aufgeklärt, wie Kinder reagieren sollten, wenn sie angesprochen würden. Sven G., das ergaben Recherchen des Rektors, besuchte vor rund 20 Jahren das Theodor-Heuss-Gymnasium. Kromer: „Der Mann ist krank.“

Gleichwohl weigern sich einige Rektoren wie Kromer oder sein Kollege von der Weiherbergschule, Jürgen Hecht, den Brief in ihrem Namen an die Eltern zu verschicken. Gerade bei den Jüngeren wirke das kontraproduktiv und extrem belastend. „Das regt die Fantasie an, deren Wahrheitsgehalt fraglich und nicht überprüfbar ist“, sagt Kromer, „und sie können nachts nicht schlafen“. Hecht spricht von einer „Gratwanderung“ und einer Abwägung. Er habe sich gegen den Rundbrief entschieden, weil es zwar jede Menge Gerüchte, aber keine einzige ihm bekannte Elternbeschwerde gegeben habe. Und der Mann, der in der Nähe der Schule wohnt, habe bisher keine strafbare Handlung begangen.

Auch Jochen Kleppel, Direktor des Reuchlin-Gymnasiums, weiß um die schwierige Rechtslage und die Unschuldsvermutung – aber auch um die räumliche Nähe des Mannes, um den sich alles dreht und sagt: „Wir sind es den Kindern schuldig, dass wir wachsam sind.“

Am Kepler-Gymnasium, sagt Direktor Siegbert Sonnenberg, habe es „kräftige Rückmeldungen von Schülern an die Lehrer“ gegeben.

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