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Gemeinsame Veranstatung: Frank Neubert (Vorsitzender vom Förderverein des Kommunalen Kinos, links), Karin Kaper (Regisseurin) und Fritz Philipp-Mathis (Deutsch-Polnische Gesellschaft). Foto: Eickhoff
Gemeinsame Veranstatung: Frank Neubert (Vorsitzender vom Förderverein des Kommunalen Kinos, links), Karin Kaper (Regisseurin) und Fritz Philipp-Mathis (Deutsch-Polnische Gesellschaft). Foto: Eickhoff
26.03.2017

Kalte Erinnerungen aus Breslau: Koki zeigt Film über Zeitzeugen

Pforzheim. „Breslau ist nicht meine Heimat, es ist meine Geburtsstadt“, sagt eine Zeitzeugin vor der Kamera für den Film „Wir sind Juden aus Breslau“ der Regisseure Karin Kaper und Dirk Szuszies. Sie erfuhr als Kind mit ihrer Familie in den 1930er- und 1940er-Jahren unter den Nationalsozialisten ein schweres Schicksal in der polnischen Stadt. Das Kommunale Kino zeigte den Film am Freitagabend in Kooperation mit der Deutsch-Polnischen Gesellschaft und der jüdischen Gemeinde mit anschließenden Gesprächsrunde mit der Regisseurin Karin Kaper.

Kaper und Szuszies ließen 14 Zeitzeugen, die in Breslau in den 1920er- und 1930er-Jahren geboren wurden, zu Wort kommen. Einige von ihnen reisen sogar in ihre frühere Heimat, ins heutige Wrocław, wo sie einer deutsch-polnischen Jugendgruppe begegnen. Ihre Geschichten – emotional und erschreckend. Sie wurden ihrer Heimat beraubt, retteten sich in die USA, nach England, Frankreich oder Deutschland und bauten sich ein neues Leben auf. Vor dem Zweiten Weltkrieg war in Breslau die drittgrößte jüdische Gemeinde Deutschlands beheimatet – und sie war die Stadt, die mehr Stimmen für Hitler abgegeben hat, als jede andere im Land.

Der Film beginnt im deutschen Breslau und endet im polnischen Wrocław. Er zeigt auf tragische Weise die persönliche Kindheit und Jugend der Zeitzeugen, wie aus einem stolzen Leben ein Leben in Misshandlung, Demütigung und Missachtung entsteht.

So berichtete ein Protagonist, als er 1936 acht Jahre alt war, hörte er, dass Hitler kommt. „Ich wollte ihn sehen und stellte mich an den Straßenrand, an dem der Zug vorbei kam. Ich nahm meine Kappe ab, damit man mich nicht als Jude identifizierte. Ein Mann dachte, ich sehe nichts und nahm mich auf die Schulter. Als er sah, dass ich keine Emotionen zeigte, warf er mich auf den Boden und schrie, ,Du verdammter Jude!‘“ Nicht an jedem Ort erfuhren die Zeitzeugen Entwürdigung. So berichtete eine Protagonistin: „Die Lehrer brachten uns bei, stolz auf unser Jüdischsein zu sein, und das war ich auch.“

„Die Idee zum Film kam von der Breslau-Expertin Maria Luft. Wir wussten sofort, wenn wir das anfassen, dann müssen wir uns beeilen. Die Protagonisten sind zwischen 85 und 95 Jahre alt. Wir sind sofort nach Amerika, Israel, London, Südfrankreich und Erfurt, um alles noch in dieser Zeit zu schaffen“, sagt Kaper. Bis auf einen Zeitzeugen leben alle bis heute noch. Das nächste Projekt der Regisseure: zu den Zeitzeugen reisen und ihnen ihren Film persönlich in ihrer „neuen Heimat“ zu zeigen.