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Stark gegen Telefonbetrüger und auf der Suche nach couragierten Bürgern: Der Erste Polizeihauptkommissar Wolfgang Schick, Fred Theurer vom Präventionsverein Sicheres Pforzheim/Sicherer Enzkreis, Polizeihauptkommissarin Yvonne Schwarz-Tron, Staatsanwalt Bernhard Ebinger und Erster Kriminalhauptkommissar Fred Krause (von links). Foto: Ketterl
Stark gegen Telefonbetrüger und auf der Suche nach couragierten Bürgern: Der Erste Polizeihauptkommissar Wolfgang Schick, Fred Theurer vom Präventionsverein Sicheres Pforzheim/Sicherer Enzkreis, Polizeihauptkommissarin Yvonne Schwarz-Tron, Staatsanwalt Bernhard Ebinger und Erster Kriminalhauptkommissar Fred Krause (von links). Foto: Ketterl
20.06.2018

Kampf gegen lukrative Betrugsmasche der Telefonbetrüger

Pforzheim. Das Telefon klingelt. Das Display zeigt die Nummer 110. Ein Mann ist am Hörer. Er erklärt der alten Dame am Telefon, dass in ihrer Nachbarschaft eingebrochen wurde. Am Tatort habe man einen Zettel gefunden, auf dem ihr Name gestanden habe. „Sie sind die Nächste“, so der Anrufer. Seine Empfehlung an die Frau: „Packen Sie alle Wertgegenstände und Geld zusammen, wir holen es ab, um es zu sichern.“ Die Frau befolgt den Rat, händigt das Geld kurz darauf einem angeblichen Polizeibeamten aus. Sie wird es nie mehr wiedersehen.

Solche und ähnliche Anrufe finden täglich statt. Die Opfer sind in aller Regel Senioren, vornehmlich Frauen. Und es werden immer mehr. „Früher waren es Einzelfälle. Inzwischen handelt es sich um ein Massenphänomen“, erklärt Bernhard Ebinger, Erster Staatsanwalt der Pforzheimer Staatsanwaltschaft. Während in Pforzheim und dem Enzkreis 2015 ein Fall gemeldet wurde, waren es im vergangenen Jahr 138.

„Heute braucht niemand mehr eine Bank zu überfallen“, sagt der Erste Kriminalhauptkommissar Fred Krause vom Kriminalkommissariat Pforzheim, Dezernat Betrug. Dank der modernen Technik sei es für Täter ein Leichtes, unter falscher Nummer, unter anderem der der Polizei, bei den Senioren anzurufen. Mithilfe von Telefonbüchern werden die Opfer ausgesucht. Wer einen alten Vornamen trägt, sei potenzieller Kandidat auf der Liste der Betrüger.

Nur in wenigen Fällen gelinge es der Polizei, die Täter dingfest zu machen, wie Krause erklärt. Denn die säßen in aller Regel im Ausland. Die Zusammenarbeit mit den ausländischen Behörden gestalte sich oft schwierig.

Umso wichtiger sei es daher, über die Betrugsmaschen der Täter aufzuklären. Denn die würden immer raffinierter. „Es handelt sich hier um erwerbsmäßige, organisierte Bandenkriminalität“, erklärt Ebinger. Wer von einem unbekannten Anrufer dazu aufgeordert werde, Geld zu überweisen oder zu übergeben, sollte hellhörig werden, sich nicht unter Druck setzen lassen, sich unverzüglich an die Polizei wenden und unter keinen Umständen Geld oder Wertgegenstände herausgeben.

Kein Grund zur Scham

Viele Opfer würden sich schämen, auf die Betrüger hereingefallen zu sein, weshalb Krause und seine Kollegin Yvonne Schwarz-Tron vom Referat Prävention des Polizeireviers Pforzheim die Zahl der nicht gemeldeten Betrugsfälle noch deutlich höher schätzt. „Das sind Profis. Es gibt keinen Grund sich für irgendwas zu schämen“, erklärt Schwarz-Tron, die auch für die Koordination des alle zwei Jahre verliehenen Zivilcouragepreises zuständig ist.

Dieser wird im kommenden Jahr zum fünften Mal vergeben, der Schwerpunkt der Kampagne 2017/18 liegt auf Kriminalität gegenüber Senioren. Dotiert ist er mit insgesamt 2000 Euro, die an zehn Gewinner verteilt werden. Infrage kommen Personen, die durch ihren Einsatz auf eine Straftat hingewiesen oder sie sogar vereitelt haben. Gestiftet wird er vom Präventionsverein Sicheres Pforzheim/Enzkreis, der seit zehn Jahren Präventionsarbeit verschiedenester Art fördert. Etwa 25.000 Euro jährlich würden in Projekte wie die Bolzplatzliga, die Jugendkampagne Schutzengel oder den Zivilcouragepreis fließen, wie Schatzmeister Fred Theurer erklärt.

Tipps zum Schutz gegen Betrüger gibt es unter www.polizei-beratung.de. Details für die Bewerbung für den Zivilcouragepreis auf www.zivilcouragepreis.de