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Handballer aus Leidenschaft: Ernst Gattner (rechts), bisheriger Vorsitzender der TG 88, übergibt sein Amt in jüngere Hände. Sein Nachfolger ist Karl-Heinz Joos.
Karl-Heinz Joos wird Vorstand bei der TG 88 © Bechtle
18.02.2011

Karl-Heinz Joos wird Vorstand bei der TG 88

PFORZHEIM. Nach 44 Jahren in der Vorstandschaft übergibt ein Urgestein der TG 88, Ernst Gattner (64), das Ruder des Vereinsschiffs in jüngere Hände. Der Polizeibeamte Karl-Heinz Joos (54) ist zum Nachfolger gewählt worden. Freude und Ärger liegen oft dicht beieinander.

Einerseits freut sich der bisherige Vereinsvorsitzende Ernst Gattner, „über die tollen sportlichen Erfolge, ohne im Verein bezahlte Spieler zu haben.“ Das glaube zwar keiner, sei aber wahr. Andererseits ärgert er sich darüber, dass die Stadt Pforzheim eine Hallenkosten-Erhöhung um das Doppelte der bisherigen Gebühren beschlossen habe, was den Verein in Existenznot bringen könnte. „Wie sehr die Stadt die Vereine im Regen stehen lässt, zeigt sich schon daran, dass im Masterplan nicht ein einziges Wort über die Vereinsarbeit verloren wird, die doch eine so wichtige soziale Funktion erfüllt“, sagt Steuerberater Gattner. Er erinnere sich noch gut daran, dass er lange Zeit mit der Stadt verhandelt habe, weil sie 130 000 Euro Erschließungskosten für ein Vereinsgelände haben wollte – ein Vorgang, der in Deutschland einmalig sei, weil sonst überall Vereine besonders gefördert würden. Schließlich sei man dann doch noch zu einer einigermaßen vernünftigen Übereinkunft gekommen. Aber erst nach zwei Jahren Verhandlungsdauer.

Der neue Vorsitzende, der in den 70er-Jahren beim TV Neuenbürg Handball gespielt und vor etwa vier Jahren bei der TG 88 Jugendleiter war, gibt Gattner recht. „Wir wollen unser Breitensport-Angebot noch mehr an die heutigen Verhältnisse anpassen und versuchen Fitness und den Gesundheits-Wohlfühl-Faktor auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Auch für Frauen will unser Verein attraktiv sein“, sagt Karl-Heinz Joos.

Der eine blickt in die Zukunft, und der andere, der zum Ehrenvorsitzenden gewählt wurde, hält beim Redaktionsgespräch in der PZ Rückschau. „Unseren größten sportlichen Erfolg hatten wir im Jahr 2007, als unsere vier Mannschaften in ihre jeweiligen höheren Ligen aufgestiegen sind“, sagt Gattner. Das sei so erfreulich gewesen wie der große Erfolg im Jahr 1977, als die Damen- und Herren-Mannschaft in die höchste badische Spielklasse gekommen sei.

Überhaupt werde viel gefeiert, und das nicht nur beim 100-jährigen Vereinsbestehen wie im Jahr 1988, als der deutsche Meister Vfl Gummersbach in Pforzheim zu Gast gewesen sei und die Gummersbacher ihre Meisterfeier zusammen mit den Pforzheimern genossen hätten. Da sei sogar der heutige Handball-Nationaltrainer Heiner Brand dabei gewesen.

Seit 55 Jahren gebe es das jährliche Feldhandball-Turnier auf dem Vereinsgelände beim früheren Tannhoferweg, heute Heidenheimer Straße.

Seit 1974 sei das Vereinsheim an die Kanalisation angeschlossen. Das neue Vereinsheim sei im Juni 1975 dank tatkräftiger Mithilfe der Mitglieder entstanden, die mehr als 3000 Arbeitsstunden geleistet hätten. Zum 50-jährigen Bestehen des Frauen-Handballturniers habe die Göppinger Handball-Legende Bernhard Kampa in Pforzheim mitgefeiert. Von alten Legenden zur heutigen Jugend: Karl-Heinz Joos will weiter den Schwerpunkt setzen, allen interessierten Jugendlichen ein Angebot zu unterbreiten, damit sie sich im Handball profilieren können. In Kooperation zwischen Turnerbund und TG 88 sei dies hervorragend möglich. Seit drei Jahren bestehe diese Spielgemeinschaft beider Vereine.

Gattner übergibt seinem Nachfolger einen schuldenfreien Verein, in dem alle Abteilungen vollständige Teams zusammenbringen, was in der heutigen Zeit nicht bei jedem Verein der Fall ist. Und die gemeinsamen Reisen, zum Beispiel in die befreundete kroatische Stadt Osijek, verbinden Geselligkeit mit grenzenlosen Freundschaften. Die Vereinsführung sieht Handball als „ein Team-Spiel, bei dem einer dem anderen im Fair Play den Ball zuspielt“. Diesen Teamgeist wünschen sich Gattner und Joos auch in der Zusammenarbeit mit der Stadt.