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Katrin Lechler steht am Beginn eines anstrengenden Wahlkampfs.   Foto: Ketterl
Katrin Lechler steht am Beginn eines anstrengenden Wahlkampfs. Foto: Ketterl
02.12.2015

Katrin Lechler (Grüne): Mit einem Lächeln in den schweren Kampf

Früher war vielleicht nicht alles besser, aber manches einfacher. Vor allem für Pforzheimer Landtagskandidaten der großen Regierungspartei in Baden-Württemberg. Die hießen Stefan Mappus und zuvor Hugo Leicht, und abgesehen vom eigenen Bekanntheitsgrad brachten sie das örtliche Gewicht ihrer Partei, der CDU, mit auf die Waage. Seit 2011 sind die Grünen die große, zumindest die größere Regierungspartei in Stuttgart. Ein Gewicht, das die Sache vor Ort eher erschwert. Wie alle Pforzheimer Landstagskandidaten der Grünen vor ihr weiß auch Katrin Lechler: Je stärker die Partei auf Landesebene abschneidet, desto schwieriger wird es, in einem nicht als Grünen-Hochburg bekannten Wahlkreis den Einzug ins Stuttgarter Parlament zu schaffen.

Denn die 42-Jährige müsste das Direktmandat oder zumindest ein Ergebnis über dem Landesschnitt ihrer Partei holen. Davon war ihre Vorgängerin Sibylle Schüssler weit entfernt, trotz hohen Bekanntheitsgrads und Ansehens als Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat.

Hoffen auf die heiße Phase

Dass sie selbst, obwohl geschäftsführende Kreisvorsitzende der Grünen, nicht mit vergleichbarer Prominenz dienen kann, weiß Katrin Lechler, beruflich im Management des Theaters Pforzheim tätig. Und setzt darauf, den Bekanntheitsgrad in der heißen Phase des Wahlkampfs zu erhöhen, zum Beispiel durch Crossmedia-Kampagnen und durch Plakate. „Wir haben viele Großflächen gebucht.“ Überzeugen will sie auch mit Veranstaltungen und im direkten Gespräch. „Infostände müssen sein“, sagt sie. Zu einem Haustür-Wahlkampf habe sie noch keine endgültige Meinung. „Was die Art meines Wahlkampfs und meine Sichtbarkeit betrifft, habe ich das Problem, anders als andere Kandidaten keinen Urlaub dafür nehmen zu können.“ Bei einer Wochenarbeitszeit von 48 Stunden plus Sonn- und Feiertagen werde es erst recht „ein ambitioniertes Unterfangen, hier und da und dort zu sein und das am besten auch noch gleichzeitig.“

Dabei mache ihr Wahlkampf durchaus Freude, auch und gerade, wenn sie ihn nun in eigener Sache führe. Unterstützung wird sie von höchster Stelle erhalten: Der Ministerpräsident und Spitzenkandidat Winfried Kretsch-mann ist für einen Termin im Wahlkampf angekündigt. „Er überstrahlt alles, mit ihm steht und fällt alles, und wer Kretschmann will, muss Grün wählen.“ So, wie sie ihn auch gewählt hat beim Landesparteitag. „Ich habe mich auch mit ihm fotografieren lassen.“ Was keine Selbstverständlichkeit ist für jemanden, der sich wie Katrin Lechler zum linken Parteiflügel bekennt. Aber der Realo Kretschmann habe natürlich, bei allem Blick aufs wirtschaftliche Wohlergehen des Landes, grüne Politik verwirklicht, zum Beispiel den Nationalpark Nordschwarzwald.

„Ich werde aber eine eigene Note einbringen, zum Beispiel mit dem Thema Kultur.“

„Ein bisschen unbequem“

Inhaltlich kann sie sich klar positionieren: Für einen neunjährigen Weg zum Abitur brauche es nicht unbedingt ein Gymnasium, das gehe auch und für viele Kinder besser über die Gemeinschaftsschule.

Inhaltlich steht sie ebenfalls hinter der Polizeireform, die Pforzheim den Verlust der Polizeidirektion und die Zuordnung zum Präsidium Karlsruhe bescherte. „Es braucht kein Präsidium in Pforzheim. Polizeipräsidenten jagen keine Verbrecher.“ Und was das Großthema Asyl angeht, teilt sie bei allem Blick auf die Schwierigkeiten den Satz von Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Ich denke, wir schaffen das.“ Es könne natürlich ein bisschen unbequem werden, aber zum Beispiel die gute und vorausschauende Arbeit der Stadt Pforzheim auf diesem Gebiet zeige, was man leisten könne. „Es wird vielleicht ein bisschen unbequem.“ Sie wünscht sich, dass das Thema sachlich behandelt wird. „Ich hoffe, dass der Wahlkampf nicht unsauber wird und nicht ausgetragen auf dem Rücken von Menschen, die gar nicht wählen dürfen.“

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