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Nur 85 Patronen haben Beamte 2011 bundesweit verfeuert. Davon waren 49 Warnschüsse. 36 Mal gaben die Polizisten gezielte Schüsse ab. Aber: 8812 Mal auf Tiere geschossen.
Nur 85 Patronen haben Beamte 2011 bundesweit verfeuert. Davon waren 49 Warnschüsse. 36 Mal gaben die Polizisten gezielte Schüsse ab. Aber: 8812 Mal auf Tiere geschossen. © dpa
09.05.2012

Kaum Schusswechsel bei der Verbrecherjagd

Ein Schusswechsel gehört zu fast jedem Krimi. Im Alltag der Polizei kommt die Pistole hingegen eher selten zum Einsatz. Einer neuen Statistik zufolge gaben Deutschlands Beamte im Vorjahr 85 Schüsse ab. Dabei starben sechs Menschen. In der Polizeidirektion Pforzheim fiel dieses Jahr bislang ein viel beachteter Schuss - allerdings nicht gezielt und unfreiwillig bei einem Gerangel am Rande einer Faschingsveranstaltung in Tiefenbronn.

Von den 85 Patronen, die Beamte 2011 bundesweit verfeuerten, waren 49 Warnschüsse. 36 Mal gaben die Polizisten gezielte Schüsse ab. Dabei wurden 15 Personen verletzt und sechs getötet, wie aus einer Statistik der Deutschen Hochschule der Polizei im westfälischen Münster hervorgeht.

Der letzte gezielte Schuss auf einen Menschen liegt in Pforzheim schon weit über vier Jahre zurück. Im Oktober 2007 wurde ein Supermarkt im Altgefäll überfallen. Bei der Tätersuche benahm sich ein Mann, der von Polizisten im Hagenschießwald entdeckt wurde, sehr verdächtig. Der, wie sich später herausstellte, Unschuldige bekam einen Schuss in die rechte Lunge, überlebte aber die Verletzung.

Im Januar 2005 schoss ein Polizist einen maskierten Räuber in der Jägerpassage nieder und verletzte den Mann schwer. Der hatte zuvor ein Juweliergeschäft überfallen. Tödlich ging eine Schießerei im Juni 1998 in Enzberg aus. Ein 26-Jähriger hatte mit einem Komplizen ein Auto gestohlen und war, verfolgt von der Polizei, von Hockenheim nach Pforzheim gerast. An der Autobahn-Ausfahrt Pforzheim-Ost hatte er eine Geisel genommen, die bei der Schießerei leicht verletzt wurde. Der 26-Jährige starb bei dem Schusswechsel.

Außer zwei versehentlich bei Rangeleien abgegebenen Schüssen in Tiefenbronn (2012) und 2007 im Klinikum gibt es sonst keine bekannten Schusswechsel mit der Polizei in Pforzheim und im Enzkreis. Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU), Vorsitzender der Innenministerkonferenz (IMK), bestätigt diesen Trend: «Unsere Polizisten sind keine Rowdys in Uniform. Sie sind ausschließlich Recht und Gesetz verpflichtet und erfüllen die Aufgabe, die wir als Gesellschaft ihnen stellen, auf rechtsstaatlicher Grundlage.»

Er äußerte sich erfreut darüber, dass die rückläufige Tendenz beim Schusswaffengebrauch gegen Personen anhalte. Im Jahr 2002 etwa hatten Polizisten von Bund und Ländern mehr als 150 Schüsse abgefeuert, im Jahr 2010 dann noch 96. Der Statistik zufolge kamen dabei jährlich zwischen zwei und zehn Menschen ums Leben.

Nach Jahren kontinuierlichen Anstiegs hat laut Caffier erstmals auch der Schusswaffeneinsatz gegen gefährliche, kranke oder verletzte Tiere wieder abgenommen. So hätten Polizisten im Vorjahr 8812 Mal auf Tiere geschossen, fast 500 Mal weniger als 2010, als mit 9336 Fällen der bisherige Höchstwert erreicht wurde. In fast allen Fälle seien die Tiere von ihren Leiden erlöst worden, die sie nach Verletzungen bei Verkehrsunfällen erdulden mussten.

Bundesweit sind nach Erhebungen des Statistischen Bundesamts etwa 250.000 Polizeibeamte im Einsatz. Knapp 36.000 davon gehören Bundesbehörden an, die große Mehrzahl steht im Dienst der Länder. pol

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