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Huchenfelds Maibaum wird es trotz Corona wieder geben.  Foto: Meyer, PZ-Archiv 

Kein Fest, kein Maibaum? So ist die Situation in den Pforzheimer Stadtteilen

Pforzheim. Gelebte Tradition und auch ein Stückchen Normalität – das sollte der Maibaum den Eutingern in diesen Krisenzeiten laut Ortsvorsteher Andreas Renner vermitteln. Doch noch bis vor wenigen Tagen schien es so, als ob in diesem Jahr darauf verzichtet werden müsste. „Wir bekommen den Baum in der Regel von der Stadt zur Verfügung gestellt“, erklärt Renner. Dort machte man den Eutingern aufgrund personeller Engpässe im Forst wenig Hoffnung.

Aber als Renner das dem Ortschaftsrat verkündete, regte sich Andreas Vollmer. „Er ist Forstwirt und hat sich spontan bereit erklärt, den Baum für uns aus dem Eutinger Wald zu holen“, freut sich Renner über die überraschende Wende. Die Stadt selbst suche den zum Fällen freigegebenen Baum aus, Vollmer bringe ihn dann zur Inselstraße. Wann genau das sein wird, bleibt aber geheim. „Wegen des Infektionsschutzes ist es uns wichtig, das Ganze unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu machen“, betont Renner. Das Maifest, das sonst mehrere Hundert Eutinger lockt, muss also entfallen. Ganz auf das Spektakel verzichten sollen sie aber nicht müssen. „Wir arbeiten gerade an einer alternativen Zugänglichkeit“, verrät Renner. Und auch selbst anpacken sollen die Eutinger: Denn zeitgleich zum Maibaum soll eine Aktion zur Bepflanzung der Baumscheiben, also dem offenen Bereich rund um die Stämme, starten. „Ursprünglich wollten wir das anstelle des Maibaums machen“, erzählt Renner, „doch jetzt fahren wir einfach zweigleisig!“

Weniger Glück haben da die Würmer. Wie Eutingen bekommt der Ortsteil normalerweise einen Maibaum vom städtischen Forst gestellt. Das klappt dieses Mal nicht – und das ausgerechnet zu einem doppelten Jubiläum. „Wir hätten dieses Jahr 40 Jahre Maibaum und 25 Jahre Maibaumfest gefeiert“, erklärt Ortsvorsteherin Katja Theurer. Als Ortsverwaltung sei es – allein finanziell – für Würm nicht möglich, auf eigene Faust eine Firma mit dem Schlagen des Baums zu beauftragen. Doch das Fest, das stets am letzten Freitag im April gefeiert wird und neben dem Neujahrsempfang zu den größten Publikumsereignissen im Ortsteil zählt, hätte coronabedingt ja ohnehin nicht stattfinden können. „Wir trauern dem wirklich nach“, sagt Theurer. Dafür solle der Maibaum inklusive Fest im nächsten Jahr dann doppelt schön werden – wo dann auch gleichzeitig 50 Jahre Eingemeindung gefeiert werden kann.

Auch die Hohenwarter müssen dieses Jahr ohne Maibaum auskommen. Dazu habe man sich in Absprache mit Würm entschlossen, so Siegbert Morlock. Denn der Baum müsste von der Feuerwehr mit dem Kran aufgestellt werden. Ein Spektakel, das laut dem Ortsvorsteher automatisch Leute anlocken würde. „Und wir möchten zufällige Versammlungen unbedingt verhindern“, betont er. Hinzu komme, dass es für den Forst ohnehin schon schwierig sei. „Man bekommt derzeit ja keine Firma, die den Baum schlägt.“ Das Maifest hatte die beteiligten Vereine bereits nach der letzten Verordnung abgesagt.

Ebenfalls eine Absage gibt es in Brötzingen. „Seit Jahren organisiert der Weststadt-Bürgerverein 1906 mit Hilfe von zwei Brötzinger Unternehmen, der Firma Eberle und Gasthaus „Amalienstube“, sowohl das Aufstellen des Maibaums als auch das anschließende gemeinsame Beisammensein“, schreibt der Verein. Doch aufgrund der Kontaktsperre müssten das für Donnerstag, 30. April, vorgesehene Aufstellen des Baums sowie die Feier ausfallen.

Anders in Huchenfeld: Hier wird die Ortsverwaltung traditionsgemäß einen Maibaum vor der Hochfeldhalle stellen. Die Vorbereitungen laufen laut Ortsvorsteherin Sabine Wagner derzeit auf Hochtouren. Allerdings muss hier nur die Spitze geschlagen werden. Die offizielle Absage der dazugehörigen Veranstaltung sollte noch vor dem Wochenende an alle Beteiligten rausgehen. Der Termin für die Aufstellung wird in diesem Jahr extra nicht vorher bekannt gegeben. Hinterher sollen sich die Bürger dann aber „bei ihren Spaziergängen durch den Ort an dem Baum erfreuen können.“

Ähnlich verhält es sich in Büchenbronn. „Wir haben einen Stamm eingelagert, für den nur noch die Spitze geschlagen werden muss“, erklärt Verwaltungsmitarbeiterin Anette Kieselmann. Der Baum werde vom Bauhof vor der Kirche aufgestellt - ebenfalls unter Ausschluss der Öffentlichkeit und ohne das traditionelle Maibaumfest.

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Anke Baumgärtel

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Jeanne Lutz

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