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Die Kübel sind weg, die Geschwindigkeitsbegrenzung bleibt: Tempo 30 gilt auf dem Abschnitt der Industriestraße. Foto: Ketterl
Die Kübel sind weg, die Geschwindigkeitsbegrenzung bleibt: Tempo 30 gilt auf dem Abschnitt der Industriestraße. Foto: Ketterl
16.09.2016

Keine Blumenkübel mehr an Huchenfelder Industriestraße: Entscheidung sorgt für Wut und Tränen

Pforzheim-Huchenfeld. Dass die Anwohner der südlichen Industriestraße nicht so schnell klein bei geben, haben sie bereits vor 20 Jahren bewiesen, als sie sich dafür verkämpften, eine Verkehrsberuhigung zu erreichen. Dutzende Artikel im PZ-Archiv zeugen von zähen Verhandlungen, Diskussionen im Ortschaftsrat und Auseinandersetzungen auf der Leserbriefseite. Sie haben es am Ende geschafft: Der südliche Abschnitt der Straße, die parallel zur Huchenfelder Hauptstraße den Stadtteil durchzieht, ist seither eine 30er-Zone. Zusätzlich wurden steinerne Blumenkübel aufgestellt – das war vor 19 Jahren.

Nun wurden die Pflanzgefäße im Zuge der Fahrbahnerneuerung entfernt und sollen das auch bleiben – ganz zum Leidwesen einiger Anwohner. Es werde zu schnell gefahren, sagen sie. Und die Pflanzgefäße werteten optisch die Straße auf. Das Thema hat die Stimmung im Zuschauerraum des Huchenfelder Ortschaftsrats am Donnerstag hochkochen lassen wie nur selten. Ortsvorsteher Gunter Raible stellte klar: Man habe monatelang die Geschwindigkeit der passierenden Autos gemessen und eine niedrige Verstoßquote von nur fünf Prozent festgestellt – exakt so hoch, wie zum Zeitpunkt, als die Kübel noch standen.

„Das ist ja ein Witz“, rief jemand aus dem Zuschauerraum. Trotz Unterbrechungen fuhr Raible fort: Nach einer Änderung der Straßenverkehrsordnung gebe es in Tempo-30-Zonen keine Verpflichtung mehr zu baulichen Begleitmaßnahmen – wie beispielsweise Pflanzkübeln. Das Amt für öffentliche Ordnung halte die Kübel für verzichtbar. Auch die polizeiliche Unfallstatistik spreche nicht dagegen. Dafür spreche eines ganz deutlich für die Abschaffung: die Gefahr für Kinder, die hinter den Kübeln auf die Fahrbahn treten. Einstimmig beschlossen die Räte schließlich, dass diese nicht wieder aufgestellt werden. Durch weitere Geschwindigkeitsmessungen soll die Entwicklung künftig im Auge behalten und nötigenfalls reagiert werden.

Inzwischen hatte ein Teil der Zuschauer unter einigem Tumult erbost den Raum verlassen, eine Frau weinte. „Wir haben Sie gewählt, weil wir dachten, Sie sind bürgernah“, sagte sie. „Davon sind Sie meilenweit entfernt.“ Die Übrigen boten an, die Kübel selbst zu bepflanzen und zu pflegen – es bleibt beschlossene Sache. Raible verwies immer wieder auf die Bürgerfragerunde am Ende – mit mäßigem Erfolg. Nur eine Handvoll Anwohner blieben. „Ich weiß, dass Sie dran hängen, aber ich kann nicht das Rad der Zeit zurückdrehen. Das ist eine Sachentscheidung“, stellte Raible – mittlerweile selbst leicht aufgebracht – klar. „Da ist vor jedem Haus ein Garten – wir können uns auch zu Tode begrünen!“ Am Ende sicherte er zu, bei der Verkehrsschau zu prüfen, ob eine Tempo-30-Beschilderung angebracht werden kann.

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