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Der Einbau der 90 Tonnen schweren und 50 Meter langen Rad- und Gehwegbrücke bei Pforzheim-West hat 35 Experten in der Nacht zum Sonntag einiges abverlangt.  Foto: Meyer 

(K)eine Hängepartie: So sieht die neue Brücke über die A8 aus

Pforzheim. „Ein bisschen Herzklopfen gehört schon dazu“, gibt Bauleiterin Stephanie Horstmann vom Regierungspräsidium Karlsruhe zu, während sie gebannt auf die rund 90 Tonnen Stahl blickt, die wie in Zeitlupe an zwei Seilen durch den klaren Nachthimmel schweben. Jeder Handgriff muss sitzen, um die knapp 50 Meter lange Geh- und Radwegbrücke millimetergenau und an einem Stück auf die vorbereiteten Widerlager am Autobahnrand zu heben. Dabei sind Fingerspitzengefühl, starke Nerven und Geduld gefragt, denn der Spielraum beträgt weniger als zwei Zentimeter.

Gegen 3.15 Uhr ist die Hängepartie beendet und es kann aufgeatmet werden: Die Brücke liegt passgenau auf den vier Lagern auf. „Bei der Feinjustierung ging es gegen Ende um Millimeter, da hatten wir nicht viel Luft. Doch es ist alles gut gegangen, ich bin sehr zufrieden mit dem Ablauf“, resümiert Horstmann.

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Vormontage am Rande der Autobahn bei Mutschelbach. Foto: Meyer

Bereits zwei Stunden früher als geplant konnte die Autobahn gegen kurz vor sechs Uhr am Sonntagmorgen wieder freigegeben werden. „Ich bin stolz auf das Team, das sehr gut zusammengearbeitet und ausgezeichnete Arbeit geleistet hat.“

Zuschauer betrachten Spektakel

Während die neue, rund zwei Millionen Euro teure Brücke in der Nacht von Samstag auf Sonntag eingehoben wurde, musste die A8 zwischen Karlsbad und Pforzheim West voll gesperrt werden. Der Zeitplan für den Drahtseilakt war eng getaktet, um die Störung für die Verkehrsteilnehmer so gering wie möglich zu halten. Etwa 35 Ingenieure, Stahlbauer und Experten arbeiteten mit voller Konzentration die Nacht durch. Auch zahlreiche Zuschauer haben sich rund um die Baustelle eingefunden, um das Spektakel aus nächster Nähe zu beobachten. Bereits um acht Uhr am Samstagmorgen wurde die vormontierte Stahlbrücke, die auf einem Montageplatz bei Darmsbach zusammengebaut wurde und dort auf ihren Einsatz wartete, auf den Schwerlastentransporter geladen.

Pforzheim

"Ausgezeichnete Arbeit": Neue Brücke über A8 bei Pforzheim eingehoben

Über eine Behelfsauffahrt wurde die Brücke dann gegen 22 Uhr nach der Sperrung der Autobahn vom Vormontageplatz in Richtung Montageort gefahren, wo die beiden Autokräne bereits in Stellung gebracht und für den Einhub aufgelastet wurden. Die zwei Kräne werden von den Arbeitern liebevoll Jacqueline (350 Tonnen Tragkraft) und Bolle (500 Tonnen Tragkraft) genannt.

"Die Brücke wurde über den Winter gebaut und sollte ursprünglich bereits im Frühjahr dieses Jahres fertiggestellt werden. Durch coronabedingte Schließungen im Stahlwerk verzögerte sich der Ablauf allerdings."

Udo Tummescheit, Projektleiter des Generalunternehmens Peter Gross Bau

Nachdem die Brücke angeschlagen, also an beiden Enden an die riesigen Haken der Autokräne gehängt worden ist, wird sie im Zeitlupentempo hochgehoben, eingedreht und Stück für Stück in Position gebracht. Per Funk sprechen sich dabei die zwei Kranführer und die Bauleiter ab.

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Millimetergenau: Die Profis passen die Brücke gegen 3.15 Uhr nachts ohne Probleme ein. Foto: Meyer

Udo Tummescheit ist Projektleiter des Generalunternehmens Peter Gross Bau. Er erhielt im Sommer vergangenen Jahres den Auftrag des Regierungspräsidiums Karlsruhe für den Neubau der Brücke und koordiniert die zahlreichen Subunternehmen, die am Brückenbau und der Montage beteiligt sind. „Die Brücke wurde über den Winter gebaut und sollte ursprünglich bereits im Frühjahr dieses Jahres fertiggestellt werden. Durch coronabedingte Schließungen im Stahlwerk verzögerte sich der Ablauf allerdings“, so Tummescheit.

Insgesamt ist er dennoch zufrieden, der geplante Kostenrahmen konnte eingehalten werden.

Neue Brücke A8 Nachtschicht 59
Bildergalerie

Nachtschicht: Neue Brücke über die A8

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