nach oben
Nachdem am Samstagmorgen Anhänger der Rockergruppen "Hells Angels" und "United Tribuns" aufeinander losgegangen waren, haben Polizei und Staatsanwaltschaft noch keine neuen Erkenntnisse dazu, wieso es zu der Eskalation kam. © Bechtle
Bei einer Auseinandersetzung zwischen den "Hells Angels" und den "United Tribuns" kam es am Samstagmorgen zu Verletzten. Einer von ihnen wurde mit Messerstichen lebensgefährlich verletzt, schwebt mittlerweile aber nicht mehr in Lebensgefahr. © Reinhardt
Am frühen Samstagmorgen kam es auf dem Netto-Parkplatz in der Güterstraße zu einer Auseinandersetzung zwischen zwei Rockergruppen. Dabei sind offenbar auch Schüsse gefallen. © Bechtle
27.11.2010

Keine heiße Spur nach Rocker-Schlägerei auf Parkplatz

PFORZHEIM. Keine neuen Erkenntnisse liegen nach Angaben des Oberstaatsanwaltes Christoph Reichert im Fall der Rocker-Schlägerei in der Nordstadt vor. "Wir wissen nicht, was tatsächlich passiert ist", sagte Reichert am Sonntag. Am Samstagmorgen waren zwei verfeindete Rockergruppen auf einem Parkplatz an der Güterstraße brutal aufeinander los gegangen.

Bildergalerie: Schlägerei zwischen Rockern fordert mehrere Verletzte Teil 1

Die Spuren auf dem Netto-Parkplatz an der Güterstraße sprechen eine brutale Sprache: Ein zersplitterter Baseball-Schläger, zerschlagene Scheiben an BMWs, und ein Einschussloch einer großkalibrigen Waffe an einem geparkten Lastwagen. Was am Samstag frühmorgens tatsächlich zwischen den insgesamt rund 40 Mitgliedern der Rockerbanden „Hells Angels“ und „United Tribuns“ passiert ist, das ermittelt die Pforzheimer Polizei noch. Doch für einen Ermittler der Kriminaltechnik ist klar: „Hier muss es zugegangen sein wie im Wilden Westen.“

Bildergalerie: Rockergruppen gehen mit Waffen aufeinander los

Nach derzeitigem Ermittlungsstand haben sich über 40 Männer der beiden Gruppierungen in die Haare bekommen. Und zur Unterstützung ihrer Argumente laut Polizei Macheten, Baseballschläger, Reizgas und Schusswaffen eingesetzt.

Kurz nachdem die Polizei um 6.07 Uhr von einem Anwohner benachrichtigt worden ist, fährt drei Minuten später der erste Polizeiwagen auf das Gelände. Die Beamten sehen drei Männer fliehen. Am Tatort finden die Beamten drei Verletzte: Einen 25-Jährigen, auf dessen Hinterkopf mit einer Machete geschlagen worden ist, einen Mann mit einer Kopfverletzung und einen 31-jährigen, der durch Messerstiche in den Bauch in Lebensgefahr schwebt. Die Polizei nimmt daraufhin an der Güterstraße 14 Männer fest. Gleichzeitig fordert die Pforzheimer Polizei Spezialeinheiten und Verstärkung aus Karlsruhe an. Wenig später werden die Räume des Clubhauses der Hells Angels an der Karolingerstraße durchsucht und weitere 13 Hells Angels in die Polizeidirektion gebracht. An dem Einsatz waren 100 Polizisten beteiligt.

Bildergalerie: Schlägerei zwischen Rockern fordert mehrere Verletzte Teil 2

„Es wurden alle Personalien aufgenommen und Spuren an der Person gesichert“, erklärte Polizeichef Burkhard Metzger am Samstagmittag bei einer Pressekonferenz. Allerdings musste die Polizei die Personen im Laufe des Nachmittags wieder auf freien Fuß setzen. „Das Problem ist, dass sowohl Opfer als auch Täter nicht sehr gesprächsbereit sind“, sagte Oberstaatsanwalt Dr. Christoph Reichert. Wenn allerdings Tatverdächtige angeklagt würden, müssten sie sich wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstößen gegen das Waffengesetz verantworten. Allerdings hat die Polizei bislang keine Schusswaffe gefunden.

Bildergalerie: Provokation gegen Hells Angels? Sternfahrt von MC Gremium gestoppt

Oberstaatsanwalt Reichert geht aufgrund der Uhrzeit des Geschehens nicht davon aus, dass eine Gefahr für die Bevölkerung bestand. „Wenngleich eine Schusswaffe immer gefährlich ist“, so der Oberstaatsanwalt. Ob es sich um eine persönliche Auseinandersetzung einzelner Mitglieder handelte oder eine Banden-Rivalität konnte Reichert am Samstagmittag nicht sagen.

Allerdings deute das Zahlenverhältnis der Festgenommenen darauf hin, dass es ein geplanter Angriff der Hells Angels gewesen sei, so Reichert. Denn von den 27 Rockern gehören sieben den United Tribuns an, der Rest gehört mehr oder weniger zu den Hells Angels. Auch sei in der Rockerszene bekannt, dass die United, die häufig in der Türsteher-Szene arbeiten, sich nach Feierabend auf dem Netto-Parkplatz am Güterbahnhof treffen. Nach Angaben von Burkhard Metzger war das die erste Auseinandersetzung zwischen den Banden. „Mit den United Tribuns gab es in Pforzheim noch keinen Vorfall dieser Art“, so der Polizeichef.

Der 31-jährige Angehörige der United Tribuns, der mit Messerstichen verletzt wurde, ist mittlerweile außer Lebensgefahr.

Leserkommentare (0)