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10.03.2009

Kepler-Schüler fliegen raus

PFORZHEIM/ENZKREIS. Die Schulkonferenz des Pforzheimer Kepler-Gymnasiums hat am Dienstag zwei 17-Jährige der Schule verwiesen. In der Nacht des 26. Dezember hatte eine Gruppe von Elftklässlern vor dem Haus in Niefern-Öschelbronn, in dem ein jüdischer Mitschüler wohnt, Randale gemacht. Aus ihren Reihen fielen antisemitische Äußerungen; es wurde an die Hauswand uriniert, und es flog ein Feuerwerkskörper.

Nach SWR-Informationen, die Schulleiter Siegbert Sonnenberg jedoch gegenüber der Deutschen Presseagentur nicht kommentieren wollte, waren die drei haupttatverdächtigen 17-Jährigen bereits zuvor vorübergehend von der Schule verwiesen worden. Einer von ihnen erlitt am Wochenende bei einer Veranstaltung nach PZ-Informationen einen Kreislauf-Zusammenbruch. Er soll sich den Sanitätern als einer der von der Schule Ausgeschlossenen offenbart und zur Erklärung des Schwächeanfalls gesagt haben, er sei „nervlich am Ende“.

Täter und Opfer schon weg

Der Klassenkamerad, der Staatsanwaltschaft und Polizei als mutmaßlicher Haupttäter gilt und gegen den der Volksverhetzung beschuldigt wird, hat das Gymnasium bereits verlassen, ebenso der jüdische Schüler (die PZ berichtete).

Unterdessen haben die Fraktionen von CDU, FW/FDP und FWV bei Niefern-Öschelbronns Bürgermeister Jürgen Kurz einen Eilantrag gestellt. Man fordert eine Resolution, in der der Gemeinderat jede Form von Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit sowie jede politisch motivierte Gewalt verurteilen solle. „Beleidigungen, Belästigungen und Diskriminierung Andersdenkender und Minderheiten“ würden in der Gemeinde nicht geduldet. Mit Abscheu und Verärgerung habe man von den Vorfällen Kenntnis genommen. Mitgefühl und Solidarität gelte „den Opfern dieser Entgleisungen“. Das Ansehen der Gemeinde sei beschädigt worden.

Schulung von Ehrenamtlichen

Als Reaktion auf die Vorfälle planen der Bezirksverein für soziale Rechtspflege und der Stadtjugendring in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung eine Schulung in Sachen Umgang mit Jugendlichen, die zu rechtsextremistischen Haltungen neigen. Angesprochen sind ehrenamtliche Jugendarbeiter, Erzieher, Sozialarbeiter und Lehrer, aber auch Eltern, Erzieher und Jugendleiter.