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Interview im Hindutempel Sri Nagapoosani Amman Alayam: Kamerafrau Britt Abrecht filmt Julia (13), Dhushara (14) und Lene (12, von links).  Frommer
Interview im Hindutempel Sri Nagapoosani Amman Alayam: Kamerafrau Britt Abrecht filmt Julia (13), Dhushara (14) und Lene (12, von links). Frommer
22.05.2016

Kidsfilm-Drehtag: Inselrealschüler vor und hinter der Kamera

Ihre gewachsene Selbstsicherheit ist unübersehbar: Julia, Lene, Özgül, Tabea, Dhushara, Jacqueline, Gabi und Saad strahlen im Hindutempel Sri Nagapoosani Amman Alayam geradezu um die Wette. Sie besuchen gemeinsam die Inselrealschule, sind gerade einmal zwischen zwölf und 15 Jahren alt, haben ihre Wurzeln in mindestens sieben Ländern und sind das diesjährige Kidsfilm-Team, das im Rahmen einer Kooperation von Kommunalem Kino, Medienzentrum Pforzheim-Enzkreis, Stadtjugendring und Theater Pforzheim gefördert wird.

Betreut und geleitet wird die junge Gruppe von der umsichtigen Schauspielerin Hannah Jasna Hess.

Die acht Jugendlichen setzen sich im Rahmen eines filmischen Puzzles mit ihrem ganz individuellen Verständnis von Heimat auseinander. Spontan angesetzte Interviews vor laufender Kamera bringen sie schon längst nicht mehr aus der Fassung. Eine Sequenz ihres Filmprojekts drehte die Gruppe am Freitagabend im Pforzheimer Hindutempel Sri Nagapoosani Amman Alayam.

Heimat im Templel gefunden

„Heimat“, sagt Dhushara, „das ist für mich der Tempel“. Hier fühlt sich die 14-Jährige wohl. Immer freitags kommt sie hierher, gemeinsam mit ihren Eltern, die Sri Lanka im Jahr 2000, während des Bürgerkriegs zwischen Tamilen und Singhalesen, verlassen haben. „Die Idee, unseren Tempel im Rahmen des Kidsfilm-Projekts zu zeigen, stammt von meinen Eltern“. Wie umfassend in Dhusharas „Heimat“ die sinnliche Wahrnehmung jedes Besuchers angesprochen wird, ist den Filmkids sofort klar. Nur einen Tisch weiter reihen einige Frauen Blütenkelche auf Schnüren zu farbenfrohen Blumen-Girlanden. Aus der Küche dringt der würzige Duft frisch zubereiteter Curry-Gerichte. An einer Tafel auf der gegenüberliegenden Seite des Raums unterrichtet eine Lehrerin die Kinder der kleinen Pforzheimer Tempelgemeinde in der verschnörkelten Tamilschrift. Ein Glöckchen ruft schließlich zum Gebet ins Obergeschoss. Unzählige winzige Öllämpchen geben dort den Schreinen verschiedener Gottheiten warmen Glanz. Alle Frauen und Mädchen tragen dekorreiche Saris, auch die sieben Schülerinnen der Kidsfilm-Gruppe. Die Priester des Tempels leiten die Zeremonie mit nacktem Oberkörper. Zwei Babys beobachten alles mit großen Augen.

Premiere auf großer Leinwand

Saad (15) kam vor fünf Jahren aus dem Irak. Er ist der einzige Junge der Projekt-Gruppe „Heimat(en)“. Angesprochen auf seine sieben Mitschülerinnen sagt er betont cool: „Ist für mich nichts Ungewöhnliches: Zu Hause habe ich sogar acht Schwestern – und einen jüngeren Bruder.“ Seine Eltern, verrät Saad noch, unterstützen ihn sehr, können aber wegen ihrer Arbeitszeiten vielleicht nicht zur Premiere des Films im Kommunalen Kino, (am Freitag, dem 10. Juni, ab 17 Uhr) kommen, „aber zumindest eine meiner älteren Schwestern wird definitiv da sein“.

Weitere Infos gibt es auf www.kidsfilm.de