nach oben
18.01.2010

Kinder mit und ohne Handicap lernen gemeinsam

PFORZHEIM. Eine neue Form der Kooperation zwischen der Gustav-Heinemann-Schule und der Schanzschule existiert seit diesem Schuljahr. Behinderte und Nicht-Behinderte lernen in der ersten Klasse gemeinsam. Der designierte baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus hat sich ein Bild davon gemacht und sich über die Zukunft der Hauptschule informiert.

Kooperationsklassen, in denen Schüler mit einem Handicap mit anderen lernen, sind mittlerweile in der Schullandschaft eingeführt. Doch eine erste Klasse der Schanzschule geht seit diesem Schuljahr zum Unterrichten in die Gustav-Heinemann-Schule, um dort mit behinderten Schülern zu lernen. „Angedacht ist, dass wir in der ersten Grundstufe die ersten fünf Jahre diese Kooperation einrichten“, sagt Schulleiter Klaus-Peter Böhringer.

Sein Kollege von der Schanzschule, Günter Wicker, hat am Montag den designierten Ministerpräsident, Stefan Mappus, über diese Zusammenarbeit informiert. Der Landespolitiker wollte aber auch wissen, wie es künftig mit der bislang einzügigen Hauptschule weitergehen wird. Angedacht sei, so Rektor Wicker, eine Kooperation mit der Ispringer Hauptschule. Erste Gespräche mit Bürgermeister Volker Winkel seien bereits geführt worden, bestätigt Bürgermeister Alexander Uhlig, der derzeit kommissarisch das Schuldezernat führt.

Geplant, so Wicker sei, dass die Klassen 5 bis 7 jeweils in der neuen Werkrealschule jeweils an ihrer örtlichen Bildungseinrichtung lernen. Die Klassen 8 bis 10 sollen „bei uns laufen“, so Wicker, der seit zehn Jahren Rektor der Schanzschule ist. Zudem sei geplant in dieser neuen Werkrealschule auch körperbehinderte Jugendliche der Gustav-Heinemann-Schule aufzunehmen.

Und auch Lehrerin Elisabeth Eser, die bei der Diskussionsrunde mit dem Vorsitzenden der CDU-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg, beteiligt war, sprach sich für eine Einrichtung einer Werkrealschule an der Schanzschule aus: „Wir möchten die Schüler in den Beruf reinbekommen“, erklärte die Pädagogin, die derzeit etwa ein Drittel ihrer Schützlinge in eine Lehrstelle vermitteln kann.

Um das Sozialverhalten der Kinder weiterhin zu prägen, müsse die Schulsozialarbeit weiter ausgebaut werden. „Wir hoffen, das wir das in der Grundschule ausbauen können“, so Eser. Und auch Rektor Wicker betonte, dass es sinnvoller sei, mit der Schulsozialarbeit „früher anzufangen“. Deshalb habe die Schanzschule auch die Kooperation mit der Gustav-Heinemann-Schule eingegangen, um die soziale Kompetenz zu stärken.

Doch an der Schanzschule werden Kinder gefördert, die noch gar nicht die Schulbank drücken: Seit dem Schuljahr 2007/2008 läuft an der Bildungseinrichtung das Pilotprojekt „Schulreifes Kind“. Bei diesem Modell gehen nach Angaben von Konrektorin Petra Falk zwei Kolleginnen in die Kindertageseinrichtung an der Habsburger Straße, um sich dort um die Kinder zu kümmern, die Probleme im sprachlichen Bereich haben. „Wir hätten gerne zusätzliche Stunden, um auch in andere Einrichtungen in der Nordstadt zu gehen“, erklärte Wicker.

Um die Förderung der sprachlichen Entwicklung kümmern sich auch die so genannten „Lesepaten“, die nach Angaben des Schulleiters seit diesem Jahr an die Schule kommen. Aber auch um die Hochbegabten kümmern sich die Pädagogen der Schanzschule durch ein Projekt mit dem Lions-Club. Allerdings sei dies aus finanziellen Gründe auf die zweite Klasse beschränkt worden, sagt Wicker.