nach oben
Lernen trotz Ferien: Die fünfzehn Teilnehmer der Kinder-Uni setzen sich zusammen mit Dozentin Barbara Lorinser (Mitte) mit Kinderrechten auseinander. Foto: Ketterl
Lernen trotz Ferien: Die fünfzehn Teilnehmer der Kinder-Uni setzen sich zusammen mit Dozentin Barbara Lorinser (Mitte) mit Kinderrechten auseinander. Foto: Ketterl
28.07.2017

Kinder-Uni: Die Rechte der Kleinen

Pforzheim. Dass ein Kind der Besitz seiner Eltern sein oder gar eine haustierähnliche Rolle einnehmen könnte – darüber können die rund 15 Kinder, die am ersten Sommerferientag im Vorlesungssaal der Hochschule Pforzheim bei der Kinder-Uni sitzen, nur lachen. „Fakt ist aber, dass das noch gar nicht so lange her ist“, erzählt die Professorin Barbara Lorinser den Schülern. So sei erst vor 184 Jahren das erste Gesetz zum Kinderschutz verabschiedet worden, das beinhaltete, Kinder unter neun Jahren nun nicht mehr in Fabriken schuften zu lassen.

Über 60 Jahre später habe Deutschland dann im Bürgerlichen Gesetz festgelegt, dass Eltern bestraft werden können, sollten sie sich nicht ausreichend um ihre Kinder kümmern. Und erst seit 1959 gebe es überhaupt das Recht auf einen eigenen Namen und Unterricht. „Die Vereinten Nationen erkannten schließlich, dass sich daran etwas ändern muss und führten 1989 die UN-Kinderrechtskonvention ein. Dabei handelt es sich um festgelegte Rechte von allen Kindern, die sie einfordern können und sollten“, so Lorinser. Mittlerweile hätten alle Staaten der Welt diese Richtlinien zumindest unterschrieben – auch wenn die Realität in vielen Ländern bis heute leider oft anders aussehe.

Doch wie wirkt sich das internationale Übereinkommen konkret auf den Alltag von europäischen Kindern aus? Schon zum ersten Punkt, dem „Recht auf Gleichheit“, gibt es Wortmeldungen: „Wir haben eine Lehrerin, die immer die Mädchen bevorzugt“, sagt ein Junge aus der ersten Reihe. „Und später im Job haben dann oft die Frauen Nachteile, weil sie schwanger werden“, weiß ein anderer. Genau das seien Beispiele für Ungleichheit, wie sie in Deutschland täglich geschehe, bestätigt die Dozentin. Auch die Rechte auf Gesundheit, Bildung, Spiel und Freizeit werden im Detail mit den Teilnehmern diskutiert. Die Quintessenz der Vorlesung: Kinderrechte sind unverzichtbar und müssen eingehalten werden. Im Gegenzug gehören dazu aber auch Pflichten.