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Eigene Erfahrungen verarbeitet: Ameen Dyab in der ersten Reihe (links) im Kommunalen Kino. Foto: Frommer
Eigene Erfahrungen verarbeitet: Ameen Dyab in der ersten Reihe (links) im Kommunalen Kino. Foto: Frommer
28.02.2017

„Kino verbindet“ im KoKi: Heimat aus unterschiedlichen Blickwinkeln

Pforzheim. Die Nachfrage übertraf das Kartenangebot im Kommunalen Kino: Gleich zwei Filme, die unterschiedlicher kaum sein konnten, standen am Sonntagabend im Rahmen der Reihe „Kino verbindet“ auf dem Programm: In Spielfilmlänge beleuchtete die Komödie „Almanya – Willkommen in Deutschland“ mit einer Vielzahl retrospektiv und liebevoll angelegter Details das von Widersprüchen durchzogene Leben der ersten als Gastarbeiter nach Deutschland gelangten Türken. Das humorvolle Familienporträt der Regisseurin Yasemin Şamdereli stammt aus dem Jahr 2010; es wurde im Kommunalen Kino auf Wunsch von Flüchtlingen und mit Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gezeigt.

„Almanya“ war mit gut 1,5 Millionen Besuchern der vierterfolgreichste deutsche Kinofilm 2011. Die Handlung des mehrfach preisgekrönten Streifens spielt in Anatolien und im Ruhrgebiet. Der Regisseurin gelingt es, auf wohltuend versöhnliche Weise, Begriffe wie Herkunft und Heimat für gut integrierter Einwanderer aktuell und passend zu definieren.

Das leicht zu akzeptierende Fazit des unterhaltenden Familienfilms wird im Abspann mit dem Satz „Wir sind die Summe all dessen, was vor uns geschah“ eingeleitet. Deutlich rauer und alles andere als stromlinienförmig präsentierte sich hingegen das Vorprogramm im Koki: Der aus Syrien geflüchtete Regisseur Ameen Dyab (27) hat in seinem – wie im Zeitraffer – auf zweieinhalb Minuten verdichteten Kurzfilm eine Vielzahl berührender Momentaufnahmen von Armut, Mangel oder Kinderarbeit gepackt.

Gedreht hat er die von Rap untermalten Sequenzen in seiner Heimatstadt Aleppo – vor dem finalen Bombardement und vor seiner eigenen Flucht Ende 2015, die ihn über den Libanon, die Türkei und über Griechenland bis nach Pforzheim geführt hat. Die von ihm im Straßenbild Syriens mit der Kamera dokumentierten Szenen, so machte Dyab im PZ-Gespräch deutlich, könnten sich im Grunde überall auf der Welt ähnlich abspielen. Er hat in Aleppo Mediengestaltung studiert und hoffe nun, eine zeitlich unbefristete Tätigkeit an einem deutschen Theater zu finden. Im bis auf den letzten Platz besetzten Auditorium des Kommunalen Kinos ergriff er nach kompakter Anmoderation von Projektleiterin Misetta Haug leider nur sehr kurz und eher allgemein das Wort. Erst im Rahmen des orientalischen Fingerfood-Büfetts (nach Schluss beider Filmvorführungen) bestand für das Pforzheimer Publikum eine angesichts der räumlichen Enge eher theoretische Möglichkeit zum Gedankenaustausch mit dem jungen Regisseur.

Weitere Informationen gibt es im Internet auf www.koki-pf.de.