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Lust auf Schmuck: „QuerBeet“ nennt Nora Rochel ihre Diplomarbeit. Die am Finger getragenen Blüten machen den Körper zu einem Garten.
Lust auf Schmuck: „QuerBeet“ nennt Nora Rochel ihre Diplomarbeit. Die am Finger getragenen Blüten machen den Körper zu einem Garten. © Ketterl
04.02.2009

Klamotten, Ketten, Kleinwagen: Werkschau der Designstudenten

PFORZHEIM. Noch nie waren so viele Studenten an der Fakultät für Gestaltung der Hochschule eingeschrieben wie im zu Ende gehenden Semester: 556. Ausgewählte Arbeiten sind heute und morgen bei der Werkschau zu sehen.

Wer den Fuß über die Schwelle zu den Transportation Designern an der B 10 setzt, kommt ins Grübeln, ob Professor James Kelly – er leitet den Masterstudiengang – Recht hat, wenn er sagt: „Es ist schwierig, die Studierenden zu überzeugen, etwas Mutiges zu machen. Die haben einen Arbeitsplatz im Hinterkopf.“ Aber es klappt dann doch – und das hat der Studiengang gemein mit allen anderen, die an der Fakultät für Gestaltung angeboten werden. Man wäre auch überrascht und enttäuscht, wenn alles so präsentiert würde, als könne man sofort und problemlos mit einer Serienproduktion beginnen. Man ahnt auch, dass der eine oder andere Studierende, der bei der Werkschau vertreten ist – manche selbstbewusst, andere noch scheu und zurückhaltend –, einmal groß rauskommen wird. Als Schrift-Designerin beispielsweise oder als Schmuckschaffender. Als Modeschöpferin oder Leiter der Design-Abteilung bei einem Automobilhersteller.

Vielleicht bei Hyundai? Die Europa-Abteilung des koreanischen Konzerns unterstützte ein Projekt des fünften und siebten Semesters: die Suche nach dem Kleinwagen der Zukunft.

Partner aus der Wirtschaft sind auch höchst willkommen im Industriedesign, zum Beispiel bei Paulina Deptulas „Sports Mobility“ – einem Fortbewegungsmittel, das sowohl zum Sportgerät taugt als auch eine Hilfe für Behinderte darstellt.

Das Innere der Dinge

Zum Nachdenken anregen über das Innere der Dinge, nachahmen, variieren, provozieren, neue Wege beschreiten – so wie die australische Gaststudentin Lisa Hazelton mit ihrem Sitzmöbel aus Kabeln: Das muss den Studenten von Schmuck und Objekten der Alltagskultur im Blut liegen. So wie den Kommilitonen der Mode, die Stil-Sprachen entwickeln und das schiere Anziehen weit hinter sich gelassen haben – wer bei Ferran Adrià isst, weiß von vorne herein, dass er dort keinen Wurstsalat bekommt. Was für Konservative „typische Hochschul-Spinnerei“ ist, ist für andere Kult: Die fünf Modenschauen heute und morgen sind restlos ausgebucht.

Ein Tisch, der es in sich hat

Bei der Visuellen Kommunikation geht es um Emotionen, um Corporate Design, den experimentellen Umgang mit Flächen, Linien, Punkten, Material, Fotografie und Grafik. Am meisten Furore dürfte der Blickfang im Foyer des ersten Stocks machen: Zwar gibt es schon Multitouchtables – aber keinen wie den Prototyp, den Professor Wolfgang Henseler mit seinen Studierenden entworfen hat: einen Tisch, der es in sich hat. Man legt einen Datenträger auf die Oberfläche, und prompt erscheint alles, was darauf gespeichert ist, ob Film, Bild, Musikdatei oder Adressenliste. Einfach antippen – es ist eine neue Mensch-Computer-Interaktion. Zumindest in dieser Größe sei es weltweit einzigartig, sagt Henseler. Der Multitouchtable und seine Nachfolger würden den Umgang mit dem Computer genauso revolutionieren wie das iPhone den Handymarkt und das Internet unseren Alltag.