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Hotpants und bauchfrei – derart freizügige Kleidung ist in Schulen mindestens grenzwertig. Fotolia
Hotpants und bauchfrei – derart freizügige Kleidung ist in Schulen mindestens grenzwertig. Fotolia
08.07.2015

Knappe Bekleidung an Schulen entfacht bundesweite Debatte

An einer Pforzheimer Realschule werden fünf Schülerinnen wegen freizügiger Kleidung nach Hause geschickt, eine Werkrealschule in Horb erlässt ein Verbot für sogenannte Hotpants („heiße Hosen“): Diese beiden Vorfälle haben bundesweit eine hitzige Sexismus-Debatte ausgelöst, insbesondere in den sozialen Netzwerken. Nach bösen Mails und Internet-Schmähungen bedauerte die Direktorin der Horber Schule gestern zwar „unglückliche Formulierungen“ in einem Elternbrief, bleibt aber bei ihrer Linie, dass angemessene Kleidung getragen werden müsse.

Das sieht auch Philipp Dörflinger, Vorsitzender des Gesamtschülerrrats Pforzheim so: „Jeder kann tragen, was er möchte – sofern es dem Ort angemessen ist. Sind die Hotpants zu kurz, ist es in Ordnung, Schülerinnen zum Umziehen nach Hause zu schicken.“

Es sei eine schwierige Sache mit der Kleidung und den damit ausgesendeten Signalen, findet Martina Klöpfer, Gleichbestellungsbeauftragte beim Enzkreis. Egal, wie viel oder wie wenig jemand anhabe: Der Mensch, der drin stecke, dürfe nie zum Objekt herabgewürdigt werden. Sie plädiert dafür, dass Lehrer mit den betroffenen Schülern direkt sprechen sollten. Diese Meinung vertritt auch Pforzheims Sozialbürgermeisterin Monika Müller. Statt Verbote oder Verweise auszusprechen, sieht sie ein Gespräch als zielführender an. Die Mutter dreier Kinder spricht sich für einen toleranten Umgang auch bei knapper Kleidung aus: „Das ist nun mal Geschmackssache. Kleidung ist als ein Mittel der Selbstdarstellung in einer Gesellschaft, die freie Meinungsäußerung schätzt und schützt, grundsätzlich nichts, was zensiert werden sollte.“

Eine, die beruflich auf die weiblichen Reize setzt, ist die Pforzheimer Dirndl-Designerin Wibke Eberlein. Und doch findet sie, dass Freizügigkeit in der Schule nichts verloren hat: „Schließlich soll die Schule auf das Berufsleben vorbereiten. Und da gilt es, sich an gewisse Regeln zu halten.“ Eberleins Vorschlag: „Mit einer Schuluniform gäbe es keine Diskussionen.“ Die Entscheidung darüber, was Schülerinnen in ihrer Freizeit tragen, bleibe wiederum dem Elternhaus überlassen.

Und was sagen die Eltern? Susanne Kalytta vom Pforzheimer Gesamtelternbeirat hält ein Hotpants-Verbot für übertrieben. „Es ist völlig in Ordnung, wenn Mädchen kurze Hosen tragen“, sagt sie. „Ich selbst ziehe mich im Sommer ja auch möglichst luftig an.“ Grenzwertig werde es dann, wenn Pobacken sichtbar werden oder der Ausschnitt zu tiefe Einblicke gewährt.

Von der Frauenministerin im Land war gestern keine Stellungnahme zu erhalten. Man gebe kein Statement zu diesem Thema ab, so die Pressestelle des Ministeriums für Arbeit- und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren Baden-Württemberg auf Anfrage.

Mehr lesen Sie am Donnerstag in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.

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