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KoKi vor Ort auf dem Vorplatz des Hauptfriedhofs: Sibylle Schüssler, Kulturbürgermeisterin, und Uli Kraus, Mitglied des Programms im Kommunalen Kino (von links), führen das Publikum in die Handlung der Kultkomödie „Harold und Maud“ ein.   Gredel
KoKi vor Ort auf dem Vorplatz des Hauptfriedhofs: Sibylle Schüssler, Kulturbürgermeisterin, und Uli Kraus, Mitglied des Programms im Kommunalen Kino (von links), führen das Publikum in die Handlung der Kultkomödie „Harold und Maud“ ein. Gredel
30.07.2017

KoKi vor Ort startet auf Friedhofsvorplatz mit Kultkomödie

Eine laue Sommernacht mit klarem Sternenhimmel, ein Film über eine außergewöhnliche Liebesgeschichte und ein Ausstrahlungsort der besonderen Art – das alles hat am Samstagabend das „Kommunale Kino vor Ort“ bei einem erfolgreichen Kinoabend unter freiem Himmel beim Open-Air-Kino auf dem Friedhofsvorplatz vereint.

Denn für zahlreiche Lacher und eine stimmungsvolle Atmosphäre sorgte die zeitlose, humorvolle und tiefschwarze Komödie „Harold und Maude“ – ein anarchistischer Kultfilm aus den 1970er-Jahren vom Regisseur Hal Ashby mit dem vielleicht skurrilsten Liebespaar der Filmgeschichte.

Auch die anfänglichen technischen Probleme bei der Filmausstrahlung, die Wartezeiten und einen Rückgriff auf Beamer und DVD erforderten, konnten die gute Stimmung der zahlreich erschienen Besucher nicht dämpfen, die dafür mit Freigetränken entschädigt wurden. „Der Film gilt als schwarze Komödie, beinhaltet neben komischen Elementen aber auch besinnliche, begleitet von wunderschöner Cat Stevens-Musik. Das eigentlich morbide wird paradox, denn erst zum Schluss wird der Film traurig“, führte Uli Kraus, Mitglied des Programms im Kummunalen Kino, in die Handlung des Films ein. Begleitet von der mitreißenden Filmmusik, tauchte das Publikum 91 Minuten lang in die Welt des 19-jährigen Harold, der aufgrund der fehlgeschlagenen Erziehung seiner reichen und oberflächlichen Mutter, gründlich verkorkst ist.

Verkorkst trifft unbekümmert

Seine Selbstmordrate liegt nach eigener Aussage „bei einem ungefähren Schätzwert von 15 versuchten Selbstmorden“ und er verbringt seine Zeit, statt mit den von ihr arrangierten Treffen mit heiratswilligen Mädchen, lieber auf Beerdigungen. Dort trifft er auf die morbid fröhliche, lebensbejahende, 80-jährige Maude, die ebenfalls findet, dass „Beerdigungen Spaß machen“. Sie lebt in einem ehemaligen Eisenbahnwagen, „borgt“ sich gelegentlich parkende Autos, Bäume oder was ihr sonst gefällt und lehrt Harold durch ihre unbekümmerte Art ein Individualist zu sein, denn „die die sich versuchen umzubringen, sind nicht wirklich tot, sie drücken sich nur vor dem Leben.“ Sie bringt ihm jedoch nicht nur bei zu leben, zu tanzen und zu lachen, sondern auch zu lieben: Denn die beiden entwickeln im Laufe des Films tiefste Zuneigung und Freundschaft zueinander, woraus letztlich ein Liebesverhältnis wächst.

Diskussion um den Ort

„Es ist eine besondere Stelle für einen besonderen Film, der es verdient, hier gezeigt zu werden“, bestätigte auch Kulturbürgermeisterin Sibylle Schüssler. Die Ausstrahlung, die ursprünglich im Hauptfriedhof stattfinden sollte, wurde aus Rücksicht auf Pietät auf den Vorplatz verlegt. „Im Vordergrund geht es um den Tod, eigentlich ist es jedoch ein Film fürs Leben. Der Hauptfriedhof ist auch ein Park und ein großer Schatz der Stadt, der mehr belebt werden sollte. Ich freue mich, dass das KoKi zur besonderen Kinokultur der Stadt beiträgt und dass so viele Besucher erschienen sind“, ergänzte Schüssler. „In den 70er Jahren war der Film ein Skandal, heute hat sich das verändert“, so auch Kraus. „Mit diesem Film wird der Ort hier nicht verunglimpflicht, er gehört hier her und taucht in die Atmosphäre ein. Der Ort verändert den Film und die Qualität.“ In Zukunft solle daran gearbeitet werden, dass mehr Filme an besonderen Orten gezeigt werden.