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Das Picknick auf der Zerrennerstrasse lassen sich Johannes Arnolds, Daniela Arnolds, Martin Glöckler und Günter Ströbel (von links) schmecken. Tilo Keller
Die Künstlerin Artemisia ist über die Grenzen Münchens hinaus bekannt und wurde vom Kulturamt engagiert.
Beim Kamerun-Verein serviert Christelle Yonga ihrer Kundschaft Leckeres aus ihrer Heimat.
Wenn’s legal ist, haben auch OB Gert Hager (Mitte) und Kulturamtsleiterin Isabel Greschat was zu lachen – wie hier bei der Streetart-Präsentation von Kupferdächle-Künstlern in der Unterführung unter der Zerrennerstraße.
Unter anderem die Fritz-Erler-Jazzband trat auf der Hauptbühne auf.
19.07.2015

Köstlichkeiten, Kunst und Kreide: Kulturfestival in Pforzheim

Wann, so fragt Oberbürgermeister Gert Hager, sei es schon mal möglich, auf der Zerrennerstraße zu flanieren, ohne um Leib und Leben bangen zu müssen? Am Sonntag zum Beispiel. Zumindest zeitweise war der noch nicht zurückgebaute Ost-Teil des künftigen „Stadt-Boulevards“ vom Blech des Autos befreit – dafür setzten umso mächtiger die Bläser des Pforzheimer Posaunenchors unter der Gernikabrücke ein, die Gruppen auf der Hauptbühne in Höhe des westlichen Abgangs zur Tiefgarage und auf den Stufen des Stadttheaters, wo sich das Südwestdeutsche Kammerorchester inklusive Roland Härdtner an den Mallets in nicht zu überhörendes Stelldichein mit Stücken von Bach, Anderson, Bartok und Johann Strauss gab.

„Ein Signal für die Aufwertung der Innenstadt“, so SWDKO-Geschäftsführer Andreas Hermann – ein Event, das aus der traditionsreichen Veranstaltung „Grüntöne – Begegnung im Stadtgarten“ hervorging und das aktuell im Rahmen des Kulturfestivals „Werkstadt“ (bis zum 2. August) unter „Picknick auf der Straße“ firmierte.

Graffiti-Kunst in Unterführung

Schließlich konzertieren nicht nur das SWDKO, der Motettenchor und der Posaunenchor, spielen nicht nur die Fritz-Erler-Jazz-Band, „Young Spitta“, Christian Balog und „Kakoo“ auf der Hauptbühne, tanzen nicht nur „Tango Loco“ auf dem Busparkplatz des Theaters und treten nicht nur das Figurentheater Raphael Mürle und das Jazz-Trio auf dem Platz des 23. Februar auf. Und es ist nicht nur in Kooperation des Kupferdächles mit dem Kulturamt – für die bisherige Leiterin Isabel Greschat (OB Hager wünscht ihr für ihren Weggang nach Ulm alles Gute) war es ihr letztes großes Projekt – die Ausstellung junger Graffiti- und Streetart-Künstler in der Unterführung zwischen Galeria Kaufhof und Theater-Tiefgarage zu bestaunen. Sondern es geht auch um Nahrungsaufnahme unter freiem Himmel in geselliger Runde. Picknick eben – gespeist beispielsweise von der Deutsch-Italienischen, der Deutsch-Finnischen oder der Deutsch-Ungarischen Gesellschaft sowie dem Kamerun-Verein und der Bewirtung durch den „Goldnen Adler“.

Dreidimensionale Wirkung

Aus München ist eine ganz andere Spezialität angefragt worden: die Straßenmal-Künstlerin „Artemisia“. Sie ist am späten Vormittag angekommen und wird über Stunden dreidimensional anmutend das Logo „Werkstadt“ mit Kreide auf den Asphalt der Zerrennerstraße malen. Also dort, wo heute schon Reifenabrieb das vergängliche Element der Kunst unterstreichen – und dazu auffordern, es immer wieder zu tun.