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Heckklappe auf und mitten in der Fußgängerzone auf der Museumstraße mal Party feiern. Niemand scheint sich darum zu kümmern, und das nächste Auto ist schon da. Foto: Frei
Heckklappe auf und mitten in der Fußgängerzone auf der Museumstraße mal Party feiern. Niemand scheint sich darum zu kümmern, und das nächste Auto ist schon da. Foto: Frei
Auch wenn viele falsch parken, wie hier am Alten Rathaus: Die Citystreife hat Sonderrechte, darf aber ansonsten keine Verkehrssünder aufschreiben. Foto: Frei
Auch wenn viele falsch parken, wie hier am Alten Rathaus: Die Citystreife hat Sonderrechte, darf aber ansonsten keine Verkehrssünder aufschreiben. Foto: Frei
Als ein Brennpunkt hat sich der Bereich des Schloßbergs erwiesen. Foto: Frei
Als ein Brennpunkt hat sich der Bereich des Schloßbergs erwiesen. Foto: Frei
17.05.2018

Kolumne: Abends in der City - Wer schaut in Pforzheim nach dem Rechten?

Kolumne von PZ-Mitarbeiter Thomas Frei "ef-te geht durch die Stadt":

Nach 20 Uhr, als früher in der Pforzheimer Innenstadt die Bürgersteige hochgeklappt worden waren, wenn nach Geschäftsschluss der wenigen Einzelhändler, die so lange durchgehalten hatten, die City bald auch an den Bushaltestellen weitgehend leergefegt war. Aber das hat sich geändert. Heute wuselt und wimmelt es rund um den Leo, um Schloßberg, Marktplatz und Hauptbahnhof fast wie in südländischen Gefilden.

Denn: Das Zentrum der Goldstadt ist zum Treffpunkt, zum Aufenthaltsort von Mitbewohnern aus dem Balkan, aus Afrika, dem Vorderen Orient und anderen asiatischen Ländern geworden. Ob Säugling oder Greis, mit Kind und Kegel, ob junge Leute mit Kapuze oder Baseballmütze, Frauen in Kopftüchern oder noch mehr verschleiert. . . sie bringen mittlerweile Leben und etwas Farbe in das Grau der Straßen- und Gehwegbeläge.

Aufmerksamen Passanten ist aber so Manches ein Dorn im Auge. Und es sind nicht nur die möglichen jungen Rauschgiftkonsumenten, die sich in einem Hauseingang oder einer Sackgasse zusammenfinden, viele fragen sich auch mit Blick auf so manche minderjährige Gruppen mit Begleiterinnen im Mädchenalter: Wo sind denn die Sozialarbeiter, wo sind die städtischen Vollzugsbeamten, wo ist die Polizei, die hier mal nach dem Rechten schaut?

Die City ist längst zur abendlichen Party-Zone geworden. Es hat sich eine Szene gebildet, die sich zudem wenig um eine Straßenverkehrsordnung schert. Die Fahrer von aufgemotzten, meist dunklen Limousinen stellen ihre Autos da ab, wo Platz ist. Verkehrsschilder werden nicht beachtet, Gehwege zugeparkt, mit geöffneter Heckklappe auf einem Fahrstreifen stehend so getan, als ob man kurz etwas ein- oder ausladen wolle. Dies wird in der Fußgängerzone auch dazu genutzt, um sich – im Heck sitzend – einen Schluck aus der Dose zu gönnen. Doch wozu gibt es eine Citystreife, deren Einsatzfahrzeuge mal einem Polizeiwagen ähneln, mal eher als Zivilwagen patrouillieren. Der Gemeinderat hat dazu alleine für 2018 insgesamt 80.000 Euro bewilligt. Aber diese „Polizisten“, die keine sind, haben kaum Befugnisse.

„Private Dienstleister bestreifen im Auftrag der Kommunen die Innenstädte, Brennpunkte oder Gebäude und nehmen Kontakt mit störenden oder verdächtigen Personen auf. Sie versuchen, die Situation vor Ort zu klären oder rufen im Bedarfsfall, zum Beispiel bei festgestellten erheblichen Ordnungsverstößen, die Polizei hinzu. Sie können mahnend auf alkoholisierte und lärmende Gruppen einwirken und dienen bei nächtlichen Streifengängen als Ansprechpartner für Bürgerinnen und Bürger“, lautet die Antwort auf Anfrage im Rathaus. Wobei noch darauf hingewiesen wird, „dass sie keine originären hoheitlichen Befugnisse haben, sondern im Rahmen der ,Jedermannsrechte‘ tätig sind.“ Das heißt: Mögliche Straftäter könnten festgehalten werden, bis die „richtige“ Polizei eintrifft. Für das erste Halbjahr 2018 hat der Gemeinderat 20.000 Euro für „Citystreifen“ zur Verfügung gestellt, für das zweite zunächst ebenfalls 20.000, später dann aber noch einmal zusätzliche 40.000 Euro. Übrigens: Ende März hat ein Wechsel bei dem für die Citystreife beauftragten Unternehmen stattgefunden. Dies hatte eine Ausschreibung ergeben. Eine solche für das zweite Halbjahr mit einem dreifach so hohen zur Verfügung stehenden Betrag laufe derzeit, verlautet aus dem Rathaus. Offensichtlich ein für Wachdienste lukratives Zusatzgeschäft. Deren Mitarbeiter müssen „neben der persönlichen Zuverlässigkeit eine spezielle Sachkundeprüfung vor der Industrie- und Handelskammer ablegen“, so der städtische Sprecher. „Und wir haben weitere Kriterien für die eingesetzten Personen in der Ausschreibung gefordert und haben beim Einsatz des Personals ein Mitspracherecht.“ So kann es vom 1. Juli an eigentlich nur besser werden...oder?

echolot
17.05.2018
Kolumne: Abends in der City - Wer schaut in Pforzheim nach dem Rechten?

den Grill könnten sie auch noch anwerfen. mehr...