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PZ-Verleger Albert Esslinger-Kiefer 

Kommentar: Brauchen wir Autos in der Fußgängerzone?

Ist die Pforzheimer Innenstadt schwer zu erreichen? Das Pforzheimer Apotheker-Ehepaar Isensee fordert eine Öffnung der Innenstadt mit Autos. Ein Kommentar von PZ-Verleger Albert Esslinger-Kiefer.

Im Querdenken sind sie geübt. Als engagierte Pforzheimer Bürger stellt das Apotheker-Ehepaar immer wieder bewegende Fragen. Stephanie und Holger Isensee orientieren sich dabei am Pragmatischen. Von ihrer Apotheke am Leopoldplatz haben sie das innerstädtische Geschehen fest im Blick.

Funktioniert es? Ist es zukunftsfähig? Es sind Fragen dieser Art, die sie umtreiben. Dabei kommen sie zu Erkenntnissen, die nachdenklich machen. Seit einem Vierteljahrhundert beobachten sie die Entwicklung vor ihrer Haustür und stellen fest: „Unsere Innenstadt ist verkehrstechnisch verriegelt, wir haben große Straßen ohne Autos.“ Mit der Infrastruktur, so wie sie sich heute in Pforzheim-City präsentiere, sei einiges „aus dem Ruder gelaufen“. Mit der verkehrstechnischen Verriegelung der Innenstadt – so die Isensees – beobachten sie auch einen Niedergang der Immobilien: „Viele Hausbesitzer finden selbst in 1a-Lage keine Mieter mehr.“

Schon die totberuhigte Bahnhofstraße – einst mit breiten Gehwegen als Flaniermeile konzipiert – funktioniere nicht. Kurzzeitige Parkmöglichkeiten seien überall eine Notwendigkeit. Ohnehin dürfe man die Frage stellen: Wie groß ist eigentlich unsere Fußgängerzone? Von Pforzheims Neuer Mitte am Schloßberg bis zur Schlössle-Galerie? Braucht es in Zeiten des E-Commerce derart weitläufige, autofreie Areale?

Holger und Stephanie Isensee erinnern sich dabei an Christian Klotz. Der Einzelhändler aus Bad Reichenhall hatte bundesweit mit der Forderung Aufsehen erregt, dem mobilen Verkehr wieder Zugang in die Innenstadt zu verschaffen. Sein Motto „Flanieren kann man im Stadtgarten.“ Auch in Pforzheim war der Handelsexperte 2011 unterwegs und redete Klartext: „Wieso machen Sie eine Fußgängerzone in einer Straße, in die keiner will?“ Er empfahl, einstündiges Parken zu ermöglichen, damit die Menschen kurze Einkaufswege hätten. Das würde auch als Signal an das Umland verstanden, seine Kaufkraft in Pforzheim zu lassen.

Albert Esslinger-Kiefer

Albert Esslinger-Kiefer

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