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PZ-Redakteur Thomas Kurtz
PZ-Redakteur Thomas Kurtz
19.06.2019

Kommentar: Je mehr Events die City verliert, desto lebloser wird sie

Die neue Fußgängerzone wird am 22. Juni mit einem Eröffnungsfest eingeweiht. Andere Feste und Großevents finden hier dagegen nicht mehr statt, sondern müssen außerhalb der City für Unterhaltung sorgen. Ein Kommentar beleuchtet diese Entwicklung.

Ein Kommentar von PZ-Redakteur Thomas Kurtz

Wo steppt der Bär in Pforzheim? Logisch: Im Herzen der Stadt. So sollte es ja wohl auch sein. Das sagt mir mein Bauchgefühl als Marketing-Laie. Früher war es zumindest so: Das Marktplatzfest war einst das größte Open-Air-Festival in Süddeutschland, es gab ein traditionsreiches Stadtfest und ein leider nur kurzlebiges Stand-up-Festival – alles mitten in der City. Früher halt.

Jetzt ist auch noch der Gruschtelmarkt, mit dem mich viel Zeit und Spaß verbindet, zum Siechtum in den Enzauenpark verbannt worden. Der CityLauf müsste eigentlich seinen Namen ändern, denn gerannt wird weit außerhalb der Innenstadt.

Fast sieht es so aus, als würde eine Allianz aus diversen Verwaltungsebenen und Institutionen den Bär lieber nicht in der City steppen lassen wollen. Warum? Keine Ahnung, ich bin ja nur Marketing-Laie und habe deshalb auch kein vernünftiges Argument für eine City ohne Action, ohne Entertainment im Repertoire.

Immerhin: An diesem Samstag, 22. Juni, gibt es noch einmal eine Portion Unterhaltung mit Mitmachangeboten in der City. Sehr gediegen, sehr überschaubar, so wie es eben zur neuen Fußgängerzone passt. Die wurde mit dem Ziel der Schaffung einer neuen Aufenthaltsqualität geplant und feiert jetzt die  Einweihungsparty. Ob da noch einmal etwas Vergleichbares in schöner Regelmäßigkeit folgen wird? Viele Bürger wünschen es sich, allein der Glaube daran fällt manchem Pforzheimer schwer.

Noch, so hat es wenigstens den Anschein, traut sich niemand aus dieser Allianz der Big-Events-Verbanner ans OechsleFest heran. Die Bierbörse findet ja bereits im Enzauenpark statt. Und der Weihnachtsmarkt? Für City on Ice sind schon mal Umzugswünsche artikuliert – und zum Glück nicht gehört – worden. Aber das sieht ja wohl ein Blinder, dass diese Events in der Winterzeit auf den Marktplatz direkt zu den Menschen gehören und nicht hinter der Zer(t)rennerstraße versteckt werden dürfen, so schön einsam es auf dem Waisenhausplatz-Areal auch ist.

Und was passiert am Rande von Pforzheim? Auf der Wilferdinger Höhe gibt es keine verkaufsoffenen Sonntage mehr. Wirtschaftsförderung geht anders. Selbst der Messplatz, der traditionsreiche Hort für Jahrmarkt, Automarkt, Zirkus und Parksuchverkehr von Nachbarschaft und Pendlern war schon als Baugelände im Gespräch.

Irre. Man muss die Pforzemer Mess nicht unbedingt mögen, aber hier haben pro Saison 250.000 bis 300.000 Menschen ihren Spaß. Die Mess ist ein Muss. An diesem Platz. Mein Bauchgefühl sagt mir: Je mehr Events wir aus der Stadt abziehen, desto lebloser wird sie.

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