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PZ-Verleger Albert Esslinger-Kiefer.
PZ-Verleger Albert Esslinger-Kiefer.
28.11.2015

Kommentar: Pforzheim muss endlich machen

Endlich machen: Dem Herzstück der Stadt fehlen Flair und Aufenthaltsqualität. Ein Kommentar von PZ-Verleger Albert Esslinger-Kiefer.

Umfrage

Ist die Pforzheimer Fußgängerzone noch zu retten?

Ja, wenn jetzt schnell investiert wird 28%
Vielleicht 13%
Nein, der Zug ist abgefahren 59%
Stimmen gesamt 1117

Unverhofft kommt selten. Zumindest wenn es um finanzielle Wohltaten geht. Nun darf sich die Stadt über eine „Zuwendung“ von sechs Millionen Euro aus Berlin freuen; dort gibt es nämlich einen Topf für „finanzschwache Kommunen“. Den hat das Stadtoberhaupt erfolgreich angebohrt. Der Gemeinderat wird ausgiebig über die Verwendung der Gelder diskutieren, denn Prioritäten gibt es in dieser Stadt mit der unverändert höchsten Arbeitslosigkeit und der ausgeprägten Migrationsrate genug.

Auch wenn sich in Pforzheim – so die Erkenntnis aus dem Masterplan – weitgehend alles ums Soziale dreht, darf der Blick auf die eigentlichen Notwendigkeiten nicht verstellt werden. Das Thema der Stunde heißt Stadtentwicklung. Unterm Schloßberg soll eine neue Mitte entstehen, und der Stadtplaner Michael Wolf hat bereits Mut machende innerstädtische Entwicklungen aufs Papier gezeichnet. Sie dürfen nicht zur Makulatur verkommen.

In zwei Jahrzehnten, so sagt man uns, werden wir eine andere Stadt haben – eine schönere.

Können wir so lange warten? Wie jedes Unternehmen stehen auch die Städte untereinander im Wettbewerb – um Kaufkraft, um Lebensqualität, um Bildung und mehr. Von Heilbronn über Ludwigsburg bis Karlsruhe wird innerstädtisch derzeit kräftig aufgerüstet.

Aber während es einige nachvollziehbare Kriterien gibt, die Pforzheim eine aufstrebende Tendenz verheißen, präsentiert sich die Goldstadt – zwei Jahre vor dem stolzen Jubiläum ihrer Traditionsindustrie – in ihrem Kern von atemberaubender Trostlosigkeit. Immer wieder beklagt und unverändert richtig: Pforzheims Fußgängerzone – dem Herzstück der Stadt – fehlt so ziemlich alles, was eine attraktive Einkaufsstadt ausmacht: urbanes Flair und Aufenthaltsqualität vor allem.

Es gleicht der Durchschlagung des gordischen Knotens, wenn Gert Hager die Gunst der Stunde nutzen will, um mit den unverhofft angeschwemmten Geldern der Fußgängerzone ein neues Gesicht zu geben.

Eile ist ohnehin geboten, denn der innerstädtische Handel steht mit dem Rücken zur Wand. Der durch den e-Commerce ausgelöste, tiefgreifende Strukturwandel hat den lokalen Handel voll im Griff; inhabergeführte Fachgeschäfte verschwinden, Arbeitsplätze sind in Gefahr. Und das gerade angestoßene Projekt zur Fassadengestaltung wird zum Rohrkrepierer, wenn „Lädler“ und Hausbesitzer keine einkömmlichen Renditen erzielen. Nach langen Jahren des Herumeierns wird der Gemeinderat auf diese Herausforderung eine klare Antwort geben müssen. Pforzheims Bürger – allzu viele haben sich innerlich bereits aus ihrer Stadt verabschiedet – tragen eine innere Sehnsucht in sich; sie wollen ihre Stadt mögen, aber man muss ihnen Gelegenheit dazu geben. Die Erwartungshaltung in der Bevölkerung ist hoch! Denn unverändert gilt: Es ist der Handel, der das Gesicht einer Stadt prägt.

Die Gelder aus Berlin sind befristet. Das bringt den Gemeinderat in Zugzwang. Nirgendwo sind die Mittel derzeit besser angelegt als in einer Neugestaltung der Fußgängerzone. Die Parole heißt deshalb: Machen! Endlich machen!

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