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16.07.2009

Kommt die Kehrtwende fürs Kreativzentrum?

PFORZHEIM. Der designierte Oberbürgermeister Gert Hager hat sich am Donnerstag eindeutig und nachdrücklich für die Einrichtung eines EFRE-Kreativzentrums in Pforzheim ausgesprochen. Die Kreativwirtschaft mit rund 1500 Betrieben in Pforzheim sei ein bedeutender Standortfaktor, der vernetzt und ausgebaut werden müsse. Allerdings setzt er angesichts der finanziellen Lage der Stadt ein Fragezeichen hinter den bisher favorisierten Standort Kollmar & Jourdan.

„Die Stadt kann es sich angesichts des jüngsten Kassensturzes offensichtlich kaum leisten, hier über 25 Millionen Euro in die Hand zu nehmen, während wir bei einem Neubau an der Kallhardtstraße nur rund fünf Millionen Euro eigene Mittel beisteuern müssen“, sagt Hager. Er sehe aber die herausragende Bedeutung des Gebäudes: „Ich möchte die Rathaus-Verwaltung nach möglichen Einsparpotenzialen und günstigeren Realisierungsvarianten suchen lassen, um die hohen Kosten des K&J- Gebäudes deutlich zu reduzieren“.

Erst wenn das nicht zum Erfolg führe, soll der Weg für einen Neubau an anderer Stelle weiter verfolgt werden. Die Planungen dazu würden parallel verfeinert.

Die Kämmerin hatte angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise und der Steuerentwicklung der Kommunen einen weiteren Anstieg der Bankschulden über die geplanten 134 Millionen Euro für Ende 2012 hinaus prognostiziert. Allein die Einnahmeausfälle im Jahr 2010 summieren sich dabei auf 26,5 Millionen Euro. Daneben würden aufgrund bereits beschlossener oder fest projektierter Maßnahmen nach heutigem Stand rund 50 Millionen Euro zusätzlicher Kreditaufnahmen notwendig. Auch dürfe die Förderung dieses Projektes nicht zu Lasten des Sozialen oder der Bildung und Kultur gehen. Eine neue Priorität ändere nichts an der vorgesehenen EFRE-Förderung in Höhe von bis zu 4,8 Millionen Euro.

Mit den ermittelten Investitionskosten von netto 34,25 Millionen Euro für den Kauf und die Sanierung des K+J-Gebäudes und der Einrichtung der Kreativmeile für 0,5 Millionen Euro erhöht sich daher unter Berücksichtigung der zugesicherten Fördermittel der städtische Netto-Mittelbedarf auf über 26 Millionen Euro netto - laufende Betriebskosten nicht mitgerechnet. „Ein ordentlicher Happen, an dem sich die Stadt Pforzheim verschlucken könnte“, so Gert Hager. Grundlage für die Aussage sind die neuesten Zahlen über die finanzielle Situation der Stadt, die erst seit Dienstagnachmittag bekannt sind.

Abgespeckte Version könnte K&J-Pläne retten

Erst wenn sich die K&J-Pläne zerstreuen, sollte die Option Kallhardtstraße gezogen werden. Hier könnte eine Alternative entstehen, die bereits grob untersucht ist. Die Gesamtkosten lägen bei 11,5 Millionen Euro. Abzüglich der Förderungen in Höhe von 6,2 Millionen Euro verbliebe ein Eigenanteil in Höhe von 5,3 Millionen Euro netto. Die eingeplante Fläche könnte dabei – genau wie im K&J-Gebäude - sämtliche Funktionen beherbergen. Auch würde sich diese Variante mit dem im Frühjahr durchgeführten Werkstattverfahren Kallhardtstraße ergänzen: Der Auftaktbereich im Norden, der ein Kunsthaus umfasst, eine punktuelle Bebauung mit Sondernutzungen entlang der Kallhardtstraße, die Gestaltung von Freiflächen als Stadtgarten-Erweiterung und die Verbesserung der Verknüpfung mit dem Stadtgarten.