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Geschenk in der Vorweihnachtszeit:  Konfirmandin Stefanie überreicht Inge Solmaz (rechts) ein Päckchen.
Geschenk in der Vorweihnachtszeit: Konfirmandin Stefanie überreicht Inge Solmaz (rechts) ein Päckchen. © Bechtle
09.12.2009

Konfirmanden verteilen Pakete im Unteren Enztal

Upps. Es sieht aus wie im Krieg.“ Das war die erste Reaktion von Rafael, 13, als er und seine Mutter mit dem Auto in die kleine Straße zum Gemeinschaftshaus der Siedlung Unteres Enztal einbogen. 35 von 45 Konfirmanden der Johannesgemeinde hatten Päckchen für Bedürftige im Eutinger Tal gepackt, um sie in kleinen Gruppen mit einem Gruß der Gemeinde zu überreichen.

In der grauen Siedlung aus den 50er-Jahren, die zwischen Kläranlage und B10 liegt, leben rund 150 Menschen, meist in Armut.

Eine andere Lebenswelt

Pfarrerin Dorothea Patberg ging es bei der Aktion vor allem um die älteren Menschen in der Siedlung und um einen Lerneffekt. „Die Konfirmanden sollen eine andere Lebenswelt kennenlernen als ihre eigene.“ Päckchen für 36 Senioren – die meisten wechselten im Hauseingang den Besitzer.

Die kleinen Gruppen liefen an teilweise leeren Wohnblöcken vorbei. Denn von den 178 Wohneinheiten stehen 40 Prozent laut Amt für öffentliche Ordnung leer. Die meisten Menschen hat die Stadt dort eingewiesen. Wie die 67-jährige Inge Solmaz. Sie lebt seit einem Jahr in der Siedlung, wurde im Arlinger aus ihrer Wohnung zwangsgeräumt. Jetzt hofft sie auf eine neue Bleibe im Hause eines Verwandten in Stuttgart. Ihr und 35 anderen Menschen überreichten gestern die Jungen und Mädchen ihre Päckchen. „Mit einem mulmigen Gefühl“, wie Konfirmandin Tamara verriet. Der Unterschied zu ihrem Zuhause sei sehr groß. Sie lebt mit ihrer Familie in einem Haus mit Garten.

Neue Beratungsstelle

Aufgrund der PZ-Berichterstattung vom Oktober ist einiges in Gang gekommen. Seit vergangener Woche hat ein Sozialarbeiter des Wichernhauses den Auftrag von der Stadt, dreimal in der Woche in den Wohnungen der Siedlung unterwegs zu sein und Beratung anzubieten. Das gab es schon viele Jahre nicht mehr. Ansonsten engagieren sich Privatpersonen wie ein Eutinger, der vor einigen Wochen einer älteren Frau einen neuen Ofen besorgt hatte. Der alte war kaputt gegangen.

Ehrenamtliche Hilfe

Günter Michael Meinzer vom christlichen Büro „Hoffung für alle“ bietet seit Oktober ehrenamtlich eine regelmäßige Sprechstunde vor dem Gemeindehaus an, besucht Betroffene zu Hause und kämpft gegen Stromsperren, fehlendes Brennholz für den Ofen, Verwahrlosung und fehlenden Lebensmittel. Die Altstädter Kirchengemeinde als zuständige Gemeinde für das Quartier veranstaltet mit den Sozialen Diensten der Stadt seit längerem einmal im Monat ein Frühstück im Gemeindehaus.

Die Päckchen mit Lebensmitteln und Süßigkeiten hatten die Jugendlichen schnell in der Siedlung verteilt. Sie helfen zumindest in den nächsten Tagen gegen den Hunger. Martina Schaefer