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Eindrucksvolles Zeugnis der minoischen Kultur: Der Palast von Knossos. Die Kreishandwerkerschaft war beeindruckt. Foto: Esslinger-Kiefer
Eindrucksvolles Zeugnis der minoischen Kultur: Der Palast von Knossos. Die Kreishandwerkerschaft war beeindruckt. Foto: Esslinger-Kiefer
Rast in felsiger Küstenlandschaft. Foto: Esslinger-Kiefer
Rast in felsiger Küstenlandschaft. Foto: Esslinger-Kiefer
In hügelreicher Landschaft auf Wanderschaft zwischen Weinbergen und Olivenhainen. Foto: Esslinger-Kiefer
In hügelreicher Landschaft auf Wanderschaft zwischen Weinbergen und Olivenhainen. Foto: Esslinger-Kiefer
13.10.2017

Kreishandwerkerschaft Pforzheim/Enzkreis auf Exkursion in Kreta

Pforzheim. Kreta ist anders. Griechenlands südlichste Insel ist kein Symbol mediterraner Leichtigkeit. Nicht das Bühnenbild aus weiß getünchten Häusern mit blauen Kuppeldächern. Kein Ort des „dolce far niente“, des süßen Nichtstuns. Kreta mit seinen 620 000 Einwohnern ist rau und herzlich. In den Bergdörfern geht das bescheidene Leben nach den Regeln einer solidarischen Gesellschaft, die sich weitgehend der Kultivierung von Wein und Oliven widmet. In einer hügelreichen Landschaft wandert das Auge weit über Rebhänge und Olivenhaine, Gewächse aus Jahrtausenden. An den schönen Stränden des Mittelmeers aber ist der Tourismus zu Hause. Er hat auch Kreta gerade wieder eine Rekordsaison beschert. Kreta ist wahrlich eine Insel der Kontraste. Mit ihrem herben Charme und ihrer warmherzigen Bevölkerung ist sie jede Reise wert. So auch für eine welterfahrene Gruppe aus der Kreishandwerkerschaft Pforzheim/Enzkreis, die sich auch in diesem Jahr mit Beate Eberhardt auf den Weg machte, um in die Heimat des Göttervaters Zeus, Oberhäuptling der griechischen Mythologie, einzutauchen.

An der Wiege europäischer Kultur

Heraus aus dem schönen Ambiente des Creta Beach Hotels galt ein erster Besuch deshalb der Palastanlage in Knossos. Die größte Ausgrabungsstätte der Insel ließ erahnen, dass hier die erste Hochkultur auf europäischem Boden stand. Denn vor 3600 Jahren war Kreta eine Insel mit potenten Herrschern und prosperierenden Städten. Knossos selbst mit seinem weitläufigen Palast hatte wohl 10 000 Einwohner. Hier stand die Wiege Europas. Nun konnten auch die Kreishandwerker an der Ausgrabungsstätte einen Blick auf die eindrucksvolle Architektur und Kunst der Minoer werfen. Auf welchem Stand diese frühe Hochkultur war, wurde an vielen Exponaten im Archäologischen Museum in Heraklion deutlich. Dort ist – hervorragend in Szene gesetzt - die größte Sammlung minoischer Kunst zu sehen. Ein Erlebnis der besonderen Art!

Man muss eine lokale Reiseleiterin wie Eleni im Bus haben, um tief in die griechische Seele eintauchen zu können. Und vom harten Leben im östlichen Ausläufer des Euro-Reiches zu erfahren. Dann wird rasch deutlich, dass die Vorstellung vom faulen Griechen eine falsche ist. Die Kreter – seit Jahrtausenden im Kontakt mit Orient und Okzident - haben sich immer schon bewähren müssen. Aber die Einführung des Euro hat sie vollends in die Knie gezwungen: „Das war für uns eine Katastrophe“, sagt Eleni. „Ein Laib Brot, der bislang 100 Drachmen – 30 Cent – kostete, war nun ein Euro teuer“. Das Geld aber war billig: Ein Häuslebauer, der im Monat gerade mal 800 Euro verdiente, bekam von der Bank problemlos einen Kredit von 200 000 Euro. Für die Landeskennerin Eleni ist klar: „Die EU-Mittel haben nicht funktioniert. Eigentlich hätten wir kein Euroland werden dürfen, weil wir nicht reif dafür waren“.

Sagt auch der knorrige Vize-Premier Giannis Dragasakis im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung: „War es nötig, dem Land eine solche Prüfung aufzuerlegen, ihm solche Opfer abzuverlangen?“. Und fügt hinzu: „Wir waren nicht vorbereitet auf die Euro-Zone, Griechenland wurde zu einem Experiment, zur Laborratte“. Dragasakis verbreitet aber auch Zuversicht: „Wir kommen voran, etwa im Kampf gegen Korruption und gegen Steuerhinterziehung. Aber es wird noch lange dauern, die strukturellen Probleme zu überwinden. Es ist ein riesiger Fortschritt, dass die Arbeitslosigkeit von 27 auf 21 Prozent gesunken ist“. Aber Athen ist weit und die Kreter sind es ohnehin gewohnt, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Ganz wie Eleni sagt: „Natürlich gibt es Gesetze in Griechenland, aber wir sagen: Die Regierung macht uns Vorschläge!“.

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