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Die Zahl der Einbrüche liegt in Pforzheim und dem Enzkreis deutlich höher als im Kreis Calw und dem Landkreis Freudenstadt zusammen. Foto: dpa
Die Zahl der Einbrüche liegt in Pforzheim und dem Enzkreis deutlich höher als im Kreis Calw und dem Landkreis Freudenstadt zusammen. Foto: dpa
22.09.2017

Kriminaldirektion kommt nach Calw, aber krimineller ist Pforzheim

Pforzheim/Enzkreis/Calw. Der Sitz der künftigen Kriminaldirektion eines Polizeipräsidiums Nordschwarzwald – Calw – werde nicht dort sein, wo die Mehrzahl der Straftaten begangen wird, also Pforzheim und der Enzkreis. Der Vorwurf, den die beiden FDP-Landtagsabgeordneten Hans-Ulrich Rülke (Pforzheim) und Erik Schweickert (Enzkreis) an die Adresse der grün-schwarzen Landesregierung richten, ist nicht neu. Doch was ihnen das Innenministerium auf ihre Anfrage an Zahlen liefert, aufgelistet nach Delikten über die Jahre 2014, 2015 und 2016, ist für die beiden Liberalen Futter für ihre Argumentation.

Bei den zahlenmäßig meisten Straftatbeständen liegen Pforzheim und der Enzkreis auf der einen Seite deutlich über den Zahlen für den Kreis Calw zusammen mit dem Landkreis Freudenstadt: bei Wohnungseinbrüchen dreimal so viel; bei gefährlicher Körperverletzung stehen 356 angezeigte Fälle 270 gegenüber und bei Rauschgiftdelikten 1045 Fällen in Pforzheim und dem Enzkreis 741 Fällen in den Kreisen Calw und Freudenstadt.

Die Etablierung eines Kriminaldauerdiensts am Hauptsitz des Präsidiums sei zwar besser als nichts, sagt Schweickert, würde aber die Problematik „nur etwas abpuffern“. Er und Rülke bleiben dabei: Die Entscheidung, Calw die Kriminaldirektion zuzuschlagen, sei nicht etwa fachlich begründet, sondern ein Kompensations-Deal zwischen Innenminister Thomas Strobel und seinem CDU-Parteifreund, dem Calwer Landtagsabgeordneten Thomas Blenke. Schweickert: „Das wird zu einer regen Reisetätigkeit der in Calw stationierten Kripo-Beamten führen.“

Im Ministerium sieht man das anders, verweist auf „fachliche Gründe“, auf die „zentrale geografische Lage der Kriminaldirektion in Calw“ für die „persönliche Zusammenarbeit“ der Kripo-Beamten mit den Staatsanwaltschaften Tübingen (für Calw) und Rottweil (für Freudenstadt) bei „gleichzeitiger Nähe zur Staatsanwaltschaft Karlsruhe in Pforzheim“. Die Anfahrtswege seien dementsprechend „ausgeglichen“ und die zeitliche Erreichbarkeit möglicher Einsatzorte „relativ ausgewogen“.

Offen bleibt bis zur Regelung der Details der Umsetzung, welche Inspektion – außer der Kriminaltechnik – an den Präsidiumssitz Pforzheim kommt. Naheliegend wäre, dass beispielsweise die Abteilungen Organisierte Kriminalität (Mafia, Rocker) oder Staatsschutz (Rechts- und Linksextremisten, Salafisten) nach Pforzheim kommen.

Dass Calw Sitz der Kripo-Direktion wird – „das ändern wir nicht mehr“, sagt Rülke. Umso wichtiger ist für ihn, dass Pforzheim die Verkehrsdirektion erhält. Rülke: „Hier muss die Region zusammenstehen.“ Die Unterstützung von Oberbürgermeister Peter Boch (CDU) hat er.