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Kriminologe spricht im PZ-Forum über Hells Angels © dpa
22.02.2011

Kriminologe im PZ-Forum: Hells Angels "keine Bande"

PFORZHEIM. Nach Einschätzung von Professor Hans-Jürgen Kerner, Leiter des Kriminologischen Instituts und Lehrstuhlinhaber an der Uni Tübingen, sind die Rocker der „Hells Angels“ weder eine „Bande“ noch eine „kriminelle Vereinigung“ und auch nicht der Organisierten Kriminalität zuzuordnen. Kerner war Referent im PZ-Forum. Er beschäftigt sich beruflich hauptsächlich mit Jugendgruppen und -banden, gilt aber auch als Experte, was die älteren Semester angeht.

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„Ich kenn’ ihn schon lange – guter Mann“, sagt Wolfgang Klotz, der ehemalige Leiter der Pforzheimer Vollzugsanstalt. Da tritt besagter Mann durch die Tür des PZ-Forums: Professor Hans-Jürgen Kerner, 67, Leiter des Kriminologischen Instituts der Uni Tübingen, ein Experte für Banden. Die beiden Männer arbeiteten vor mehr als drei Jahrzehnten zusammen am Thema Erfassung und Behandlung von jugendlichen Strafgefangenen.

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Kerner soll insbesondere über die „Hells Angels“ referieren – ein Thema, das die Pforzheimer seit jener Massenschlägerei mit den „United Tribuns“ im November 2010 und der Großrazzia im Dezember vergangenen Jahres umtreibt. Kerners Kernaussage wird sein: Es ist in Pforzheim wahrscheinlicher, von zwei heranwachsenden Typen zusammengeschlagen zu werden, als unter die Räder der „Hells Angels“ zu kommen. Kollerateralschaden nicht ausgeschlossen – wer zur falschen Zeit am falschen Ort sei, könne durchaus in eine bedrohliche Situation geraten. Generell regelten die Gruppierungen die Dinge unter sich selbst.

Definition und Umgangssprache

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Womit wir bei der Wortwahl und der Einstufung wären. Natürlich hatte sich Kerner die PZ-Berichte mailen lassen, um wenigstens etwas abseits der allgemeinen Pfade in speziellen Pforzheimer Untiefen zu waten und sich vorzubereiten. Nicht selten fällt hier das Wort – griffig und verkürzt – „Banden-Kampf“, wenn nicht gar „Banden-Krieg“. Letzteres halten die Ermittler ohnehin für überzogen. Also wenigstens „Bande“? „Ich glaube nein“, sagt der ausgebildete Jurist und Professor. Denn Banden lösten sich auf, wenn sie zerschlagen seien. Nicht so „Lebensvereinigungen“ – wie die Mafia. Oder die „Hells Angels“. Er hätte auch „Bandidos“, „Tribuns“ oder „Mongols“ sagen können.

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Wie steht es mit „krimineller Vereinigung“? Immer wieder wird seitens der Politik daran gearbeitet, die „Hells“ so einzustufen und zu verbieten. Bisher klappte das nur beim Hamburger Ableger (seit 1999). Kerner, ganz klar: „Nein.“

„Kein Organisiertes Verbrechen“

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Auch verneint er die Zuordnung zum Organisierten Verbrechen – obwohl die Zuständigkeit bei der Polizei klar geregelt ist: Überall sind die „Hells“ und andere beim Dezernat Organisierte Kriminalität in festen Händen. „Es fehlt aber die untrennbare Verbindung zu Politik und Wirtschaft“, sagt Kerner, „der Unterschied zwischen Wirtschaftskriminalität und Organisiertem Verbrechen ist dünner, als viele glauben.“ Da schluckt mancher, „Hells“ hin oder her. Denn das ist eine andere Dimension.

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