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Im Gespräch: Kunsthistorikerin Krisztina Jütten und Christoph Mährlein, Obermeister der Löblichen Singergesellschaft von 1501 Pforzheim. Foto: Frommer
Im Gespräch: Kunsthistorikerin Krisztina Jütten und Christoph Mährlein, Obermeister der Löblichen Singergesellschaft von 1501 Pforzheim. Foto: Frommer
07.03.2017

Krisztina Jütten spricht in der „Woche der Brüderlichkeit“ über Sakralbauten

Sakralbauten sind zentrale Versammlungsorte, architektonische Räume für Gottesdienst und Gebet und Gemeindezentren. Manche sind auch zum Mahnmal geworden. Synagogen, Kirchen und Moscheen würdigte die Kunsthistorikerin Krisztina Jütten im Rahmen der „Woche der Brüderlichkeit“ als die „faszinierendste architektonische Leistung der Menschheit“.

Spannende Details

Bei ihrer sowohl historischen als auch zeitgenössischen Betrachtung beschrieb sie die Sakralbauten aller drei großen monotheistischen Religionen, nach einführender Begrüßung durch Christoph Mährlein, dem Obermeister der Löblichen Singergesellschaft von 1501 Pforzheim, als „Orte der inneren Einkehr, der Begegnung mit Menschen und Gott“.

Mit der Projektion ausgewählter Architekturfotografie zeigte die Referentin sowohl charakteristische Unterschiede als auch erstaunliche Parallelen und Gemeinsamkeiten der Kulträume eindrucksvoll auf. Insbesondere die präsentierten Beispiele der modernen Sakralarchitektur vermittelten den Zuhörern in der evangelischen Stadtkirche Pforzheim spannende Details.

Neben Le Corbusiers weltweit bekannter Kapelle „Notre Dame de Haut“ wurden von Krisztina Jütten auch weniger prominente, aber keineswegs weniger faszinierende Sakralbauten angeführt. Beispielsweise die 2011 nach Plänen der Architekten Ilse und Ulrich Königs fertiggestellte „Kirche am Meer“ im friesischen Schillig – ein spektakulärer Neubau, dem der Volksmund die despektierlichen Beinamen „Gottes Halfpipe“ und „Seelenabschussrampe“ bescherte. Die von der Kölner Lichtplanerin Anette Hartung ersonnene Glasdach- und Lichtdeckenkonstruktion ist im Bundesgebiet bislang einzigartig: Sie überträgt das einfallende Tageslicht wellenförmig auf die Innenflächen des Kirchenschiffs – mit spannenden optischen Veränderungen im Laufe der Tages- und Jahreszeiten.

Ähnlich ausführlich beschrieb Krisztina Jütten auch die 2006 geweihte neue Münchner Hauptsynagoge „Ohel Jakob“ und die 2005 nach Plänen des aus Bosnien stammenden Architekten Alen Jasarevic aus Kalksandstein erbaute Moschee des mit europäischen Wertmaßstäben kompatiblen „Islamisches Forums“ in Penzberg.

Als übergreifendes Fazit der von ihr geschilderten architektonischen Formen- und Bildersprache hielt die Kunsthistorikerin in der Pforzheimer Stadtkirche fest: Die modernen Sakralbauten verbindet weit mehr Gemeinsames, als sie althergebrachte Unterschiede zementieren. Ihre Architektur leistet einen über die Konfessionsgrenzen hinweg sichtbaren Beitrag zur Integration.