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Frank-Johannes Lemke . Foto: Seibel
Frank-Johannes Lemke . Foto: Seibel
Sabine Jost . Foto: Seibel
Sabine Jost . Foto: Seibel
17.07.2015

Kritik an islamischer Kita in Pforzheim

„Wir wollen für diese Problematik sensibel machen“, sagt Frank-Johannes Lemke. Der Vorstandsvorsitzende des Caritasverbands Pforzheim hat gemeinsam mit seiner Kollegin Sabine Jost von der Diakonie ein kritisches Positionspapier zur geplanten muslimischen Kindertagesstätte ausgearbeitet. Wie berichtet, war das Vorhaben im Juni Thema im Jugendhilfeausschuss. Es soll sich laut der Verantwortlichen am „unabhängigen Kindergarten für Muslime“ des Vereins Halima in Karlsruhe orientieren.

„Das widerspricht völlig dem Inklusionsgedanken“, sagt Jost über den Ansatz. Wie Lemke betont sie die Bedeutung des Kindergartens als Begegnungsstätte für junge Menschen unterschiedlicher religiöser und kultureller Herkunft. „Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass man nichts voneinander weiß“, so Jost. Um fehlende Plätze anzubieten, sei etwa ein interkultureller Kindergarten geeignet. Mit Blick auf Konzeption und Organisation stellen sie und Lemke Unterstützung in Aussicht.

Beide betonen, dass in ihren Einrichtungen trotz katholischen und evangelischen Hintergrunds bereits die angestrebte Begegnung stattfinde. „In unseren Kitas wird die religiöse Vielfalt respektiert und gelebt“, sagt Jost. Dort träfen christliche, muslimische oder auch andersgläubige oder atheistisch aufwachsende Kinder aufeinander. Lemke betont die Bedeutung frühen Kontakts mit Blick auf Integration und Spracherwerb. „Die Kinder sollen gemeinsam miteinander voneinander lernen.“

Ihre Kritik haben Jost und Lemke auch an Oberbürgermeister Gert Hager, Sozialbürgermeisterin Monika Müller und den Gemeinderat geschickt. Sie fordern eine öffentliche Debatte über das Thema. „Wir haben den Eindruck, dass den Entscheidungsträgern die Tragweite nicht bewusst ist“, sagt Lemke.

„Wir ermöglichen jedem, der eine Kita aufbauen möchte, sich vorzustellen“, sagt Sozialbürgermeisterin Monika Müller. Sie betont, dass die Entscheidung über die Einrichtung der Kita nicht in Pforzheim, sondern beim Landesjugendamt liege. „Wir beraten im Jugendhilfeausschuss über mögliche Zuschüsse durch die Stadt.“