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Kroatischer Abend im PZ-Forum.
Kroatischer Abend im PZ-Forum.
30.09.2010

Kroatischer Abend im PZ-Forum mit deutschem Botschafter Bernd Fischer

PFORZHEIM. Die Brücken der Freundschaft zwischen Kroatien und Deutschland, die mit Pforzheimer Hilfe mitgebaut wurden, hat der Deutsche Botschafter in Kroatien, Bernd Fischer, gewürdigt. Er hielt einen Vortrag im „PZ-Forum“.

PZ-Chefredakteur Magnus Schlecht stellte in seiner Begrüßung die freundschaftliche Verbundenheit zwischen Pforzheim und Osijek heraus – vereint im Schicksal zweier im Krieg geschundenen Städte. Er hob aber auch auf die leichten Dinge des Lebens ab und stellte fest, dass es bei den großen Fußballturnieren der vergangenen Jahre 2:1 für Kroatien stehe. Am Schluss des kroatischen Abends im PZ-Forum stand es aber 1:0 für den Botschafter, der mit seiner diplomatisch-charmanten Art die richtige Mischung zwischen lockeren Schilderungen über das schon immer westlich orientierte Kroatien und interessanten politischen Informationen aus erster Hand fand. Der Botschafter teilte die Meinung von Oberbürgermeister Gert Hager (SPD), dass es nur eine Frage der Zeit sei, wann Kroatien in die EU aufgenommen werde. Nicht wer woher komme, sondern wer wo lebe sei die heutige zeitgemäße Frage, sagte Hager. „Kroatien auf dem Weg zu Europa ist eine Win-Win-Situation, die allen hilft“, so der OB.

„Deutschland will ein demokratisches, nach Europa und zu seinen Nachbarn hin offenes Kroatien auf seinem nicht immer einfachen Weg unterstützen“, schrieb der damalige Außenminister Klaus Kinkel anlässlich der Unterzeichnung des Freundschaftsvertrages zwischen Osijek und Pforzheim 1994. Daran erinnerte Thomas Schinkel von der Landeszentrale für politische Bildung, die neben der Pforzheimer Abteilung Städtepartnerschaften, der Europa-Union und drei internationalen Gesellschaften (Kroatien, Polen und Russland) als Mitveranstater auftrat. Die Landeszentrale habe das Ziel, Politik lebensnah zu vermitteln und dabei leiste die PZ ebenso wie beim Freundschafts-Prozess mit Kroatien eine wichtige Unterstützung.

Dieser Ansicht schloss sich der Botschafter an, der die deutsch-kroatischen Beziehungen auf Bürger-Ebene zwischen Pforzheim und Osijek als beispielhaft und beispiellos einstufte und der Stadt Pforzheim seine tiefe Bewunderung für diese Leistung aussprach. Seit Oktober 1991 gebe es das Hilfskomitee für Osijek und Umgebung in Pforzheim und seit 1977 bestünden Verbindungen zwischen den Hochschulen in beiden Städten.

>Der Botschafter machte an aktuellen Beispielen deutlich, dass Kroatien mit der Bekämpfung der Korruption ernst mache, was ermutigend für die Verhandlungen zum EU-Beitritt sei. Weitere Voraussetzungen für den Beitritt seien Rechtssicherheit und ein Ende der Subventionspolitik, um mehr Wettbewerb zuzulassen. Eine Richter-Akademie, die mit deutscher Unterstützung aufgebaut werde, nehme bald ihre Arbeit auf. Wenn alles optimal laufe, könne Ende des Jahres 2012 der EU-Beitritt Wirklichkeit werden.

„Die Zukunft gehört der Zusammenarbeit“. Mit diesen Worten fasste der Botschafter die Wort-Beiträge der anschließenden Diskussion zusammen und meinte, es gebe nichts Schöneres, als ein Land zum Partner zu haben, mit dem man auch emotional verbunden sei. Was das Feindbild zwischen Serben und Kroaten angehe, so mache die deutsch-französische Freundschaft Mut, dass sich auch Serben und Kroaten als friedliche Nachbarn in die Augen sehen könnten. Man werde schließlich nur Mitglied der EU, wenn man sich mit seinen Nachbarn verstehe, denn der Friedensprozess sei die großartigste Leistung der EU.

Das Thema „Kroatien: Partner in Osteuropa“ wurde nicht nur in Worten beschrieben, sondern auch optisch in Szene gesetzt, wobei die kroatische Tanzgruppe „Zagreb“ die Veranstaltung kulturell um.