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Azis Kuyatheh (Kora) und Sire Doumbouya bringen den Winterabend afrikanisch zum Klingen. Foto: Frommer
Azis Kuyatheh (Kora) und Sire Doumbouya bringen den Winterabend afrikanisch zum Klingen. Foto: Frommer
Beleuchten auf dem Podium im Hohenwart-Forum das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher kultureller Prägung: Ulms Oberbürgermeister Gunter Czisch (CDU), Martin Ngnoubamdjum und OB Gert Hager (SPD, von links). Foto: Frommer
Beleuchten auf dem Podium im Hohenwart-Forum das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher kultureller Prägung: Ulms Oberbürgermeister Gunter Czisch (CDU), Martin Ngnoubamdjum und OB Gert Hager (SPD, von links). Foto: Frommer
08.01.2017

Kulturen kommen sich nahe bei „Afrika an einem Winterabend“

Lächelnd bringt der inzwischen 71-jährige Seelsorger Martin Ngnoubamdjum aus Kamerun immer wieder Menschen aus Afrika und Europa einander näher. Eine Veranstaltung wie „Afrika an einem Winterabend“ hätte es ohne die Erfahrung und die tragfähigen Kontakte „Bruder“ Martins wohl nicht gegeben: An seiner langjährigen Wirkungsstätte, dem Hohenwart Forum, scharte der passionierte „Brückenbauer“ aus dem Bamilekeland diesmal fünf afrikanische Musiker und den Pforzheimer Liedermacher Dieter Huthmacher mit der gleichen ihm eigenen Selbstverständlichkeit um sich, wie die Oberbürgermeister Gert Hager (SPD) und Gunter Czisch (CDU) aus Pforzheim und Ulm.

Die beiden Stadtoberhäupter bat Ngnoubamdjum gleich zu Beginn seines „Winterabends“ zu einem Meinungsaustausch aus erster Hand – einem Gespräch über das Zusammenleben von Menschen mit verschiedenen kulturellen Prägungen. Die zwei „Häuptlinge“, so drückte es Bruder Martin aus, seien näher bei der Bevölkerung, als beispielsweise Bundestagsabgeordnete.

Ulms Oberbürgermeister Gunter Czisch (53) betonte, „die Bürger wollen, dass wir für sie arbeiten“, und berief sich dabei auf die aus dem 14. Jahrhundert stammende Ulmer Stadtverfassung: „Der OB schwört, ein Diener seiner Stadt zu sein“ und: „Parteipolitik ist bei uns nicht wirklich angesagt“. Als Errungenschaft seiner Stadt nannte der Ulmer Schultes die Wiedereröffnung der Synagoge vor fünf Jahren. Das Ehrenamt bezeichnete er als Nährboden der Teilhabe, Europa als „Friedens-, Freiheits- und Wertegemeinschaft“.

Wider den Fremdenhass

OB Gert Hager (54) lobte die Bürger der Goldstadt für die überragende Art und Weise, „wie die Menschen hier auf Flüchtlinge eingegangen sind“. Kein Verständnis zeigte das Pforzheimer Stadtoberhaupt für Menschen mit Fremdenhass, insbesondere, wenn anhand ihrer Familiennamen erkennbar sei, dass „sie selbst vor zehn bis 15 Jahren als Flüchtlinge zu uns gekommen sind“.

Ebenfalls „aus erster Hand“ steuerte der aus Kamerun stammende Schriftsteller Andre Ekama seine Sicht der Dinge mit dem Gedicht „Am Ufer der Freiheit“ aus seinem Buch „Im Wandel der Blicke“ bei. Den Verlauf der weiteren Diskussionsrunden lockerte Bruder Martins stimmgewaltige Tochter Siyou Isabelle Ngnoubamdjum mit zwei – a cappella – eingestreuten Gospel-Songs auf. Für das leibliche Wohl der Gäste sorgte seine Gattin Berthe mit afrikanischen Gerichten wie Couscous, Hähnchen und Erdnuss-Spinat-Soße.

Den finalen musikalischen, teils tanzbaren Rahmen steuerten Aziz Kouyateh und Abdoulaye Kouyathe (beide spielen die afrikanische Stegharfe „Kora“), Mammoudou Doumbouya (E-Gitarre), Sire Doumbouya (Doundoun-Trommel) und Baye Matala (Djembe und Fulani-Flöte) sowie – zu vorgerückter Stunde – Dieter Huthmacher bei. Mehr Vielfalt geht wirklich nicht.