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Marion Schick wirbt bei THG-Konflikt um Verständnis für Behörden.
Marion Schick wirbt bei THG-Konflikt um Verständnis für Behörden © Ketterl
01.10.2010

Kultusministerin wirbt bei THG-Konflikt um Verständnis

Es ist eine verfahrene Situation: Das Gespräch zwischen Elternvertretern und der Schulbehörde hat keine Ergebnisse gebracht. Kultusministerin Professorin Marion Schick wirbt im Interview mit PZ-Redakteurin Dorothee Messmer für Verständnis für die Behörden.

Pforzheimer Zeitung: Die Situation zwischen den Pforzheimer THG-Eltern und der Schulbehörde ist ziemlich verhärtet. Wie kann diese Situation aufgelöst werden?
Marion Schick: Diese Situation ist wahrlich nicht einfach. Die Eltern
haben bei dem Gespräch ganz viel Emotionen gezeigt und verdeutlicht, dass sie denjenigen, den sie kennen, deutlich bevorzugen. Dafür habe ich großes Verständnis. Genauso wichtig ist es aber, dass sich die Beteiligten einmal in die Rolle von Bewerbern versetzen, deren Qualifikationen hier öffentlich diskutiert werden. Und ich möchte auch noch mal betonen: Hinter jeder Entscheidung steht ein geordnetes und sorgfältiges Verfahren, das sich bewährt hat, und das vor allem auch gesetzlich so geregelt ist.

PZ: Warum melden Sie sich jetzt zu Wort?
Schick: Ich möchte einfach um Verständnis für die Schulbehörden und ihr Vorgehen werben. In den vergangenen zehn Jahren gab es bei Personalentscheidungen nur in 3,9 Prozent der Fälle ein Dissens. Das zeigt doch, dass die Schulbehörden richtige Personalentscheidungen treffen. Im Pforzheimer Fall hat der unterlegene Bewerber Konkurrentenklage erhoben. Und ich gehe davon aus, dass das Verwaltungsgericht eine zeitnahe Entscheidung treffen wird. Wenn diese vorliegt, haben wir einen weiteren Baustein für ein geordnetes Verfahren. Wir sollten uns hüten, in rechtsstaatliche Verfahren einzugreifen. Damit würden wir der Willkür Tür und Tor öffnen.

PZ: Sie haben gerade schon erwähnt, dass es offenbar selten der Fall ist, dass Eltern so hinter einem Kandidaten stehen. Gibt es andere Fälle wie diesen?
Schick: Wie gesagt, den Dissens haben wir selten. Natürlich interessieren sich Eltern für die Frage einer Schulleiterstelle. Das ist verständlich. Die meisten Eltern sind aber auch sehr aufgeschlossen gegenüber unserer Argumentation. Zudem bringt ein Außenbewerber Innovationen mit, ohne die vorhandenen Ideen in Frage stellen zu müssen. Und die Erfahrung hat gezeigt, dass sich ein Außenbewerber oftmals leichter tut, eine Schule zu leiten als ein Innenbewerber, der dann eine ganz andere Rolle einnehmen muss.


PZ: Warum kann die Schulbehörde den Elternwillen nicht stärker in die Entscheidung einfließen lassen?
Schick: Der Elternwille ist doch im Entscheidungsprozess mit dem Anhörungsrecht beteiligt. Aber es handelt sich um die Besetzung einer Führungsposition, und damit um einen komplexen Vorgang, den nur die Schulbehörde professionell durchführen kann. Ziehen Sie den Vergleich zu einem Unternehmen: Da wird die Stellenbesetzung auch von der Personalabteilung übernommen. Würden wir einen Teil der Eltern entscheiden lassen, bestünde doch die Gefahr, dass es sich um eine Momentaufnahme handelt, die im nächsten Jahr vielleicht von anderen Eltern anders gesehen wird. Und dann? Wir brauchen eine professionelle Kontinuität, die nur die Schulbehörde gewährleisten kann.