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Kunsthistorikerin Krisztina Jütten zitiert auch aus dem Schriftwechsel Rosa Luxemburgs. Foto: Frommer
Kunsthistorikerin Krisztina Jütten zitiert auch aus dem Schriftwechsel Rosa Luxemburgs. Foto: Frommer
12.03.2019

Kunsthistorikerin erinnert im Gemeindehaus der Stadtkirche an das Wirken Rosa Luxemburgs

Pforzheim. Vor 100 Jahren wurde Rosa Luxemburg in Berlin ermordet: Im Rahmen der „Woche der Brüderlichkeit“ erinnerte die Kunsthistorikerin Krisztina Jütten im Gemeindehaus der evangelischen Stadtkirche an das Leben und Wirken der klugen Revolutionärin, Pazifistin, Jüdin und kompromisslose Humanistin, die Lenin 1922 als „Adler unter Hühnern“ würdigte. Jüttens detailreicher Vortrag fand auf Einladung der Löblichen Singergesellschaft von 1501 statt; deren Vorstandsmitglied Hans Mann die Anfangs- und Endmoderation übernahm.

Jüttens Würdigung folgte exakt dem Lebenslauf Rosa Luxemburgs, von ihrer Geburt am 5. März 1871 in Zamość, im damaligen Russisch-Polen, über ihr erstes politisches Engagement am Zweiten Warschauer Mädchengymnasium und über ihr Studium und ihre Promotion im Züricher Exil bis zur Gründung der Kommunistischen Partei Deutschlands und dem Fund ihrer Leiche im Berliner Landwehrkanal am 31. Mai 1919.

Sarkastisches Gedicht

Die Kunsthistorikerin zitierte immer wieder aus dem erhalten gebliebenen Schriftwechsel Rosa(lie) Luxemburgs mit Lehrern, Zeitgenossen und politischen Weggefährten wie beispielsweise mit Wirtschaftswissenschaftler Julius Wolf, mit den Sozialdemokraten Karl Kautsky und August Bebel, mit Wilhelm und später Karl Liebknecht, mit Publizist Franz Mehring, mit Anwalt Paul Levi und mit ihrem langjährigen Lebenspartner Leo Jogiches sowie mit Clara Zetkin (USPD). Rosa Luxemburg sorgte, trotz eines falsch behandelten Hüftleidens, schon früh für Aufsehen: Auch aus einem sarkastischen Gedicht der seinerzeit gerade einmal 13-jährigen Luxemburg las Krisztina Jütten vor, das im Vorfeld eines Warschau-Besuchs von Kaiser Wilhelm I. entstand. Jeden Blick aufs aktuelle Zeitgeschehen, an dieser Stelle beispielsweise auf die schwedische Klima-Aktivistin Greta Thunberg (16), die am Asperger-Syndrom leidet, verwehrte sie sich aber. Rosa Luxemburg nahm 1907 am Sozialisten-Kongress in Stuttgart teil, rief 1913 zu Kriegsdienstverweigerung und Generalstreik auf, wurde immer wieder verhaftet und publizierte zeitlebens, selbst aus den Strafanstalten in Posen und Breslau. Gesundheitlich gebrochen und sichtlich gealtert, kam sie am 9. November 1918 aus der Haft frei und fuhr nach Berlin, wo sie ihre Arbeit als Redakteurin der „Roten Fahne“, der Zeitung des Spartakusbunds, aufnahm.

Die letzte Reichskonferenz des Spartakusbundes mündete vom 31. Dezember 1918 bis zum 1. Januar 1919 in den Gründungsparteitag der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Am 15. Januar 1918 wird Rosa Luxemburg gemeinsam mit Karl Liebknecht verschleppt und im „Eden-Hotel“ von Soldaten der Garde-Kavallerie-Schützen-Division verhört, schwer misshandelt und schließlich ermordet.