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Der Geschäftsführende Verleger Thomas Satinsky (rechts) verspricht den Lesern Haltung – und eine Zeitung, an der sie sich reiben können. Gemeinsam mit Nachrichtenchef Alexander Huberth (Zweiter von rechts) und Chefredakteur Magnus Schlecht stand Satinsky den Lesern Rede und Antwort. Foto: Seibel
Der Geschäftsführende Verleger Thomas Satinsky (rechts) verspricht den Lesern Haltung – und eine Zeitung, an der sie sich reiben können. Gemeinsam mit Nachrichtenchef Alexander Huberth (Zweiter von rechts) und Chefredakteur Magnus Schlecht stand Satinsky den Lesern Rede und Antwort. Foto: Seibel
09.12.2016

Lassen Sie uns über die PZ reden: Kritik und Lob der Leser

Was nervt die Leser an der PZ? Was würden sie ganz anders machen? Und wo machen die Zeitungsleute ihrer Ansicht nach einen guten Job? Das wollten der Geschäftsführende Verleger Thomas Satinsky, Chefredakteur Magnus Schlecht und Alexander Huberth, Leiter des Nachrichtenressorts, diese Woche im PZ-Forum wissen. Ganz ehrlich und schonungslos. „Wir vertragen extrem viel. Also scheuen sie sich nicht, Kritik zu üben. Wir teilen ja auch aus in unseren Kommentaren“, erklärte Thomas Satinsky. Soviel vorab: Es ging kritisch zur Sache, aber es wurde nicht nur gescholten.

Neutrale Berichterstattung: „In den vergangenen beiden Jahren habe ich so oft das Wort ,Hass‘ im Politik-Teil der PZ gelesen! Und ich kann das Wort ,Populismus‘ nicht mehr hören. Eine Zeitung sollte die Stimmungen nicht befördern, sondern dämpfen“, forderte PZ-Leser Roland Kimmig und plädierte für eine neutrale und objektive Berichterstattung. Nachrichtenressortchef Alexander Huberth mochte dem nur in Teilen zustimmen. „Auch im Medienbetrieb entstehen gewisse Hysterien“, räumte er ein. Allerdings versuche die Redaktion durchaus, immer beide Seiten zu beleuchten, um möglichst große Neutralität zu erreichen. „Die Frage ist doch: Was ist objektiv? Ist es dann objektiv, wenn es Ihrer Meinung entspricht?“, lautete die provokante Gegenfrage von Chefredakteur Magnus Schlecht. Fest steht: Man kann es nie allen recht machen – und das soll die Zeitung nach Ansicht des Geschäftsführenden Verlegers auch nicht: „Sie können von Ihrer Zeitung erwarten, dass sie eine Haltung hat – und daran können Sie sich auch reiben“, versprach Thomas Satinsky.

Berichterstattung über die AfD: Eigentlich sollte Parteipolitik an diesem Abend nicht Gegenstand der Diskussion im PZ-Forum sein, aber die Alternative für Deutschland beschäftigt offenbar etliche Leser. Warum diese als „rechtspopulistisch“ diffamiert werde, wollte einer wissen. „Das finde ich übergriffig, da sagt mir einer, was ich zu denken habe.“ Tatsächlich findet sich das Adjektiv längst nicht bei jeder Erwähnung der Partei in der PZ, aber dann, wenn dies angemessen erscheint. „Wir wollen die AfD und ihre Anhänger nicht pauschal in die rechte Ecke drängen“, stellte Chefredakteur Schlecht klar. „Wir müssen die Tatsache einfach hinnehmen, dass in Pforzheim die AfD bei der Landtagswahl das Direktmandat geholt hat.“ Schließlich habe man mit AfD-Politikern durchaus Interviews geführt – und dafür von anderer Seite auch Prügel einstecken müssen. Fest steht: Das Verhältnis der Presse zur AfD bleibt schwierig – und umgekehrt auch: Der Geschäftsführende Verleger Thomas Satinsky erinnerte daran, dass die AfD ihrerseits Journalisten ausschließt – wie erst kürzlich beim Landesparteitag. „Das halte ich für demokratisch bedenklich“, so Satinsky.

Die Leserbriefe: Warum werden manche gekürzt? Und warum gibt es nicht mehr davon? „Da sehen Sie doch am besten, was die Leute bewegt“, meinte Walter Hilber, selbst eifriger Leserbriefschreiber. Stimmt. Das Leserforum im Magazin-Teil der PZ gehört regelmäßig zu den lebhaftesten Seiten der Samstagsausgabe. Und die Themen, die dort ausdiskutiert werden, werden von der Redaktion wahrgenommen. Nicht umsonst stellt die PZ dafür zwei bis drei Seiten zur Verfügung. „Solche Umfänge finden Sie in keiner anderen Tageszeitung“, sagte Magnus Schlecht, der die Seiten redigiert – denn Leserbriefe sind Chefsache. Gekürzt werden muss dennoch, weil der Platz in einem gedruckten Produkt beschränkt ist. Und manchmal geht dabei wohl ausgerechnet die Formulierung flöten, die dem Schreiber am Herzen lag. Allerdings achtet Schlecht darauf, dass der Sinn nie entstellt wird. Merke: Wer kürzer schreibt, wird vollständiger abgedruckt.

Die Werbung in der Zeitung, besonders die vielen Beilagen in der dicken Samstagsausgabe, stößt manchem sauer auf. Doch diese sei unvermeidlich, betonte Satinsky. „Wir sind gottfroh, dass wir die Anzeigen und die Beilagen haben. Nur so können wir Ihnen Journalismus bieten.“ Apropos Geschäftsmodell – mancher Leser macht sich Sorgen über die Zukunft der Zeitung: „Gibt es in zehn Jahren tatsächlich keine gedruckte Zeitung mehr?“, wollte Leserin Uta Volz wissen. De facto verlieren die Printmedien seit Jahren an Auflage. Das Schreckensszenario des Aussterbens bezeichnete Satinsky aber ziemlich deutlich als „Quatsch“. Die zunehmende Digitalisierung werde von der PZ als Chance begriffen. Die Verlage müssten sich breiter aufstellen, aber die gedruckte Zeitung werde auch in Zukunft noch genügend Abnehmer finden.

Die Fehler in der PZ: „Gibt es bei Ihnen eigentlich ein Qualitätsmanagement?“, wollte ein Leser wissen. Ja, täglich wird in mehreren Konferenzen die aktuelle Zeitung besprochen und die kommende Ausgabe kritisch beleuchtet. Beim Schreiben gilt das Vier-Augen-Prinzip, anschließend lesen Korrektoren über die Artikel und zusätzlich macht allabendlich jedes Ressort die Seitenabnahme, bei der alles noch einmal gegengelesen wird. Trotz dieser dreifachen Sicherung werden täglich Fehler übersehen. „Wir tun unser Bestes“, versicherte der Chefredakteur. „Aber bei 300 Artikeln am Tag sind Fehler unvermeidlich.“

Auf dem Wunschzettel der Leser obenauf steht mehr Kritisches im Lokalteil: „Es wird zu schmeichelhaft mit der Stadtverwaltung umgegangen“, sagte ein Leser. Und war damit nicht allein: Mehr Hintergründe zum Zerrenner-Boulevard, den Kürzungen bei den Sportvereinen, die Bauvorhaben neben der Otterstein-Schule oder die „unsäglichen“ Innenstadt-Ost-Pläne wurden genannt. Ein anderer wünschte sich mehr Reportagen, mehr Porträts, mehr Kolumnen von Alexander Huberth, mehr über Baden-Württemberg und dafür weniger Vereinsberichterstattung. Wieder andere wollen die Vereinsberichte nicht missen, dafür erscheint ihnen manche süffisante Glosse überflüssig.

Das macht deutlich: Es gibt nicht den Leser schlechthin. Jeder hat unterschiedliche Ansprüche, unterschiedliche Sichtweisen auf seine Zeitung. Chefredakteur Magnus Schlecht stellte fest: „Wir sagen uns immer, wenn wir von allen Seiten Kritik erfahren, machen wir’s eigentlich gar nicht so schlecht.“ Kritische Leser sind jedenfalls immer willkommen.