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Gastronomen, darunter der Vize-Chef der regionalen Dehoga, Frank Daudert (Zweiter von links), aber auch lokale Brauer beklagen die Schließung der Betriebe. Als Zeichen des Protests haben Wirte leere Stühle vors CCP gestellt.  Foto: Meyer 

Leere Stühle, leere Kassen: Protestaktion vor CCP soll auf Notlage der Gastronomie-Branche hinweisen

Pforzheim/Enzkreis. „Das ist purer Aktionismus“, sagt Frank Daudert, zweiter Vorsitzender der regionalen Dehoga (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) und selbst ein „Big Player“ in der örtlichen Gastronomie, vom Enzauenbiergarten (derzeit geschlossen) übers Oechsle Fest (die Entscheidung darüber, ob es stattfindet, fällt im Juni) bis zu „Goldi’s Stadl“ bei “City on Ice“ auf dem Marktplatz. „Die Gastronomie bräuchte einen Rettungsschirm wie die Banken in der Krise 2009.“ Andere Wirte stehen dabei, hinter sich der Verkehr auf der Zerrennerstraße, vor sich das CCP - und dazwischen die Stühle aus den Lokalen von rund drei Dutzend Wirtsleuten. „Leere Stühle“ ist eine bundesweite Aktion, 76 Städte machen mit.

Verstrickt in das Schamassel auch die Brauereien - die, die Lokale verpachten und mit frischen Bier beliefern, in Pforzheim das Brauhaus (mit Chef Wolfgang Scheidtweiler) und Michael Ketterer. Das Brauhaus hätte das „Happiness“-Festival mit Gerstensaft versorgt, Ketterer das Festzelt auf der Mess - vergiss‘ es „dank“ Corona.

Immerhin: Die Regierung hat sich durchgerungen, das Kurzarbeitergeld von 60 auf 80 Prozent aufzustocken, eine Mindestforderung der Dehoga. „Aber das legt bloß den Basislohn zugrunde“, sagt Daudert, „was ist mit dem erheblich zu Buche schlagenden Trinkgeld und dem Steuerfreibetrag am Sonntag?“

Dann wäre da die vorübergehende Reduzierung des Mehrwertsteuersatzes auf sieben Prozent. „Aber nur auf Speisen“, sagt „Parkhotel“-Mitgesellschafter Scheidtweiler, „wenn das Frühstücksbuffet zehn Euro kostet, muss ich rausrechnen, dass aufs Ei und das Brötchen sieben Prozent kommen und auf den Kaffee und den Orangensaft der bisherige Steuersatz.“

Die Gastronomen treibt die große Sorge um, dass viele über die Klinge springen könnten, wenn sie nicht bald (auch hier fehle bisher eine klare und einheitliche Vorgabe der Politik) mit einer Wiedereröffnung kalkulieren können. Denn was nütze ein erst in zwei Jahren abzuzahlender Kredit, wenn nicht schnellstmöglich etwas erwirtschaftet werde?

Olaf Lorch-Gerstenmaier

Olaf Lorch-Gerstenmaier

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