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04.02.2010

Leerer Leo, volle Autos: Busse stehen still

PFORZHEIM. Der Ver.di-Streik hat am Donnerstag die Stadtbusse lahmgelegt. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Viele Pforzheimer bildeten Fahrgemeinschaften, um zur Arbeit zu kommen. Eltern brachten ihre Kinder zur Schule.

Bildergalerie: Warnstreik im Öffentlichen Dienst

„Nichts geht mehr“, sagt Martin Metzner, Pressesprecher des Stadtverkehr-Betriebsrats, am Donnerstag morgen telefonisch am Rand einer Kundgebung von Ver.di in Karlsruhe. Für den Gewerkschafter ein Erfolg. Rund 150 Kollegen seien mit Bussen nach Karlsruhe gefahren. „Dem Aufruf wurde in allen Bereichen gefolgt“, freut er sich. Für Fahrgäste wie Schüler und Senioren, die auf Busse angewiesen seien, tue es ihm leid. „Wir wollen den Streik auch nicht, sehen uns aber dazu gezwungen.“ Der Betriebsratsvorsitzende Erich Haaf bekräftigt: „Wir wollen auch ein bisschen Sicherheit haben.“

An den Bushaltestellen am Leopoldplatz hängen Plakate mit der Aufschrift „Warnstreik“. Die elektronischen Anzeigentafeln zeigen Uhrzeit und Datum, sonst nichts. Es gibt keine nächsten Busfahrten, die sie vermelden könnten. Lediglich einige der Überlandbusse privater Busunternehmen steuern den großen Platz an, den sonst täglich über tausend Busse auf der Route haben.

Verloren steht ein Schüler am Eck vor dem „Goldenen Adler“. Nein, er habe nichts vom Streik gewusst, sagt er. Er müsse weiter, hinauf zur Heinrich-Wieland-Schule. „Ich weiß auch nicht, was ich jetzt machen soll“, sagt er. Aber die meisten Schüler haben wie ihre Eltern am Vortag bereits vom Streik erfahren.

Beobachter berichten von einem leicht erhöhten Verkehrsaufkommen. Mancher ist aufs Auto umgestiegen. Zum Beispiel, um die Kinder zur Schule zu bringen. „Ich habe mitbekommen, dass vereinzelt Kinder zu spät kamen, die sonst pünktlich sind“, sagt Thomas Paeffgen, Direktor des Hebel-Gymnasiums und geschäftsführender Leiter aller Pforzheimer Gymnasien. Dem Unterricht ferngeblieben ist am Hebel-Gymnasium so gut wie keiner. „Das wäre mit Sicherheit bei mir angekommen“, sagt Paeffgen. Stärker betroffen sind Schulen außerhalb der Kernstadt liegen. „Es gibt Klassen, die vollzählig sind“, sagt Elmar Ohmberger, Rektor der Konrad-Adenauer-Schule, die wie Heinrich-Wieland- und Johanna-Wittum-Schule auf dem Buckenberg liegt. „Ich habe aber auch von einer Klasse gehört, wo 14 von 29 Schülern fehlen“, berichtet er. „Ich denke, dass im Schnitt ein Drittel fehlt“.

Bei größeren Arbeitgebern wie der Sparkasse, der Stadtverwaltung oder Firmen wie La Biosthetique sind nach einer PZ-Umfrage nur auch dank Gleitzeit wenige Verspätungen registriert worden. Viele Mitarbeiter haben Fahrgemeinschaften gebildet. „Unsere Parkplätze sind voller als sonst“, sagt Sparkassen-Pressesprecherin Uta Thomas. Bei La Biosthetique setzten sich zudem die Leiter von Produktion und Lager ins Auto und holten Mitarbeiter zuhause sowie in der Stadtmitte ab, berichtet Pressereferentin Carola Pigisch.

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