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Ein komplizierter Fall: links Max Müller, rechts Max Ritter, über allem der Pforzheimer Wahl-Berliner Jens Greule.
Ein komplizierter Fall: links Max Müller, rechts Max Ritter, über allem der Pforzheimer Wahl-Berliner Jens Greule.
Längst nicht nur Techno-Sounds brachte Jens Greule als DJ „Mad Max“ über Jahrzehnte unters Volk.  Privat
Längst nicht nur Techno-Sounds brachte Jens Greule als DJ „Mad Max“ über Jahrzehnte unters Volk. Privat
13.09.2018

Legendärer Pforzheimer Techno-DJ geht jetzt als Autor auf Mörderjagd

Pforzheim. Über den Autor selbst ließe sich ein Buch schreiben – ein ziemlich spannendes sogar. Doch der Mann, der eigentlich Jens Greule heißt, aber als „Mad Max“ international Furore machte und sich nun für sein erstes Buchprojekt das Pseudonym Max Müller gegeben hat, wollte eben keine Autobiografie schreiben über das aufregende, getaktete Leben eines Techno-DJs. Er lässt lieber ermitteln.

Und zwar „Ritter vom BKA“. Die Lektüre dieses im Kelterner Verlag Pinguletta erschienenen Erstlings ist spannend, aber zugleich entspannend.

Wilde Nächte mit schnellen Beats mit Tausenden Partyjüngern vor den kreisenden Platten: „Nach 35 Jahren hab’ ich da keinen Bock mehr drauf“, sagt Greule alias Max Müller, Jahrgang 1964, im PZ-Gespräch.

Dabei war das bislang sein Leben. Die Ausbildung nach der Mittleren Reife an der Pforzheimer Konrad-Adenauer-Schule zum Verwaltungsfachangestellten im Ispringer Rathaus hat er einst abgebrochen, um in Clubs durchzustarten. Schon mit 19 Jahren legte er im „370“ auf – die Feten dort mit Magnetwirkung bis nach Stuttgart, Karlsruhe und Heidelberg sind bis heute legendär. „Jules Verne“ oder „Café Kairo“ heißen weitere solcher längst erkalteter regionaler Hotspots; und natürlich „Opera“ auf der Wilferdinger Höhe. Clubmanager wurde Jens Greule da und buchte sie mit glücklichem Händchen alle: Sven Väth, Paul van Dyk, Marusha.

„Mad Max“ holte die Größen der Techno-Welt nach Pforzheim, um dann selbst durch diese Welt zu reisen. Ende der 1980er-Jahre arbeitete er in einem Club in Barcelona, hatte später über längere Zeit eine eigene Sendung bei einem Leipziger Radiosender, stieg 1997 in Berlin bei „Tresor Records“ in leitender Funktion für Produktionen ein. Die Platten ließ er immer weiter kreiseln – in ganz Europa, aber auch in Japan oder den USA. 4000 Shows hat er nach eigener Schätzung bis heute wohl hingelegt.

Dann der Schicksalsschlag: Vor vier Jahren ereilte ihn eine schwere Erkrankung, die bis heute nachwirkt. „Ich habe gemerkt: Das mit dem Auflegen geht nicht mehr.“ Und nun?

Erinnerte er sich daran, dass seine Großtante einst seine Aufsätze so gelobt hatte, für die er als Schüler beste Noten einheimste. „Was machst du mit deinem Leben? Schreib’ mal ein Buch!“

Max Ritter kam also ins Spiel, und es ist kein Zufall, dass der BKA-Ermittler denselben Vornamen wie der Autor trägt. Auch Ritter kehrt nach längerer, durch eine persönliche Krise erzwungener Pause zurück. Auch Ritter arbeitet seinen komplizierten Auftrag beharrlich, aber entschleunigt ab. Das tut gut in Zeiten, da Thriller gern den Stempel „Pageturner“ tragen, also den Leser hektisch blätternd von Verfolgungsjagd zu Verfolgungsjagd treiben. Die Hauptpersonen sind echte Sympathieträger – der erfahrene Ritter ebenso wie der blutjunge IT-Spezialist Kevin Wagner und die lesbische Spezial-Agentin Mandy Probst. „Ich lasse es heute ruhiger angehen und stresse mich überhaupt nicht mehr“, bestätigt der Autor, dass eine gehörige Prise Max Müller in Max Ritter steckt.

„Ritter vom BKA – # 1“ von Max Müller ist im Pinguletta -Verlag mit Sitz in Keltern erschienen. Das Taschenbuch hat 305 Seiten, kostet 13,90 Euro und ist im Buchhandel – also auh in Pforzheimer Buchhandlungen – sowie bei Amazon oder per E-Mail an bestellung@pinguletta.de (zuzüglich zwei Euro Versandkosten) zu haben.

Eine Buchpräsentation mit einer Lesung Max Müllers und anschließender DJ-Party beginnt am Donnerstag, 20. September, um 19 Uhr im „Café Roland“, ehemaliger Alfons-Kern-Turm. Wer DJ „Mad Max“ in Aktion erleben will, kommt am Samstag, 29. September, ab 23 Uhr ins „Salt & Pepper“ an der Östlichen. Dort legt er an der Seite von Dominik Bodmer, Manuel Terneros und Jandee auf.

Mehr lesen Sie am Freitag in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.