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Im Gemeindehaus St. Elisabeth lernen Hayder Yousuf, Bewohnersprecher der Unterkunft im Hagenschieß (Zweiter von links), und seine Begleiter von Polizist Wolfgang Schick, Dolmetscher Isaak Karkoush, Sozialbürgermeisterin Monika Müller (vorne von rechts) sowie Polizistin Melanie Jänsch (Mitte), welche Werte und Gesetze in Deutschland gelten.
Im Gemeindehaus St. Elisabeth lernen Hayder Yousuf, Bewohnersprecher der Unterkunft im Hagenschieß (Zweiter von links), und seine Begleiter von Polizist Wolfgang Schick, Dolmetscher Isaak Karkoush, Sozialbürgermeisterin Monika Müller (vorne von rechts) sowie Polizistin Melanie Jänsch (Mitte), welche Werte und Gesetze in Deutschland gelten.
18.02.2016

Lehre von Recht und Unrecht: Polizei kümmert sich um Vermittlung von Werten

Alle sagen, die Flüchtlinge sollen sich an unsere Gesetze halten – und wir sagen ihnen nicht, was überhaupt geht und was nicht“, begründete Sozialbürgermeisterin Monika Müller die Notwendigkeit von Kursen zur Wertevermittlung für die Neuankömmlinge in der Stadt. Auf ihre Initiative hin hat das Referat Prävention des Polizeipräsidiums Karlsruhe theoretische Inhalte für einen Lehrgang zusammengefasst. Dieser soll Flüchtlinge in Pforzheim fortan darüber in Kenntnis setzen, wie Gesetze entstehen, welche es zu beachten gilt – und was passiert, wenn man sich über sie hinwegsetzt.

Acht Iraker aus der Unterkunft an der Hagenschießstraße waren am Mittwoch die erste Gruppe, der Wolfgang Schick und Melanie Jänsch vom Präventionsreferat die Präsentation vorführten. 14 weitere Termine sind vorerst angesetzt. Als nächste Anlaufstelle wollen sich die Verantwortlichen dem Thales-Gebäude zuwenden. Auch dort sollen die Teilnehmer unter anderem erfahren, dass es sie Bußgeld kosten kann, über rote Ampeln zu gehen oder Müll illegal zu entsorgen. Und dass sie ausgewiesen werden können, sollten sie mehr als einmal ihren zugewiesenen Aufenthaltsbereich verlassen. Auch über die Folgen von Diebstählen, Schwarzfahren oder sexueller Belästigung wurde aufgeklärt.

Erklärung des Grundgesetzes

Besonderes Augenmerk legte Jänsch bei der Präsentation auf die Grundrechte. „Dass die Würde des Menschen unantastbar ist, bedeutet: Wir respektieren einander und wollen in Frieden und Freiheit leben.“ Auch Religionsfreiheit, die körperliche Unversehrtheit – und die Gleichberechtigung waren Thema. „Niemand ist dem anderen Geschlecht unterwürfig“, erklärte sie den acht Männern, die durch Kopfnicken ihr Wissen und ihre Zustimmung signalisierten. „Frauen dürfen hier so leben wie Männer. Sie haben freie Wahl bei Beruf, Kleidung und Ehepartner und werden hier sehr geachtet und respektiert“, so die Polizistin.

Zur Vermittlung der Werte gehöre auch das Wissen über den Stand der Polizei, erklärte Müller. „Nicht in allen Ländern ist die Polizei eine Einrichtung, mit der man immer gute Erfahrungen macht“, sagte die Sozialbürgermeisterin. „Sie sollen die Polizei in Deutschland kennenlernen als eine Einrichtung, die für Sie da ist – aber auch für die Sicherheit in unserem Land sorgt.“

Das Workshop-Angebot werde von den Flüchtlingen gerne angenommen, so Müller: „Sie haben großes Interesse daran, sich zu integrieren.“ Dass das Projekt noch in den Kinderschuhen stecke und durch die Erfahrungen in der kommenden Zeit angepasst werden könne, unterstrich Schick, der hofft, dass die geschulten Flüchtlinge auch als Multiplikatoren in ihrem Umfeld das neue Wissen weitergeben werden. Dass auch Ehrenamtliche irgendwann die Lehrgänge anleiten können, haben Polizei und Verwaltung ebenso ins Auge gefasst wie einen Workshop speziell für Frauen.