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Hildalehrer informieren sich über Technik.
Hildalehrer informieren sich über Technik. © Seibel
18.04.2011

Lehrer lernen handwerkliches Arbeiten

PFORZHEIM. „Als ehemaliger Lehrerschreck freue ich mich, dass ich jetzt auch einmal Lehrkräften etwas beibringen kann", sagt Patrick Stöber, Chef der Pforzheimer Firma Stöber Antriebstechnik an der Kieselbronner Straße. 13 Pädagogen des Hilda-Gymnasiums stellen hier Tesa-Abroller aus Metall her, um das Interesse am Ingenieurberuf ihren Schülern besser vermitteln zu können.

Sie packen mit an, bedienen Bohrmaschinen und hoffen, dass ihre Tesa-Roller aus Metalr, die sie dann in der Schule verwenden können. Bestand haben. „Mindestens mit einer Haltbarkeitsdauer für die nächsten 40 Jahre, denn die Dinger sind ja nicht aus Plastik, und man ist stolz darauf, die Teile selber gefertigt zu haben“, sagt Referendarin Sarah König. Ihre Chefin, Schulleiterin Edith Drescher, spricht davon, betriebswirtschaftlich denken zu lernen, neue Projektideen für den Unterricht zu entwickeln und in Kontakt mit den Ingenieursberufen zu kommen, damit man auch seinen Schülern fundiert Auskunft geben könne und bei den Gymnasiasten Interesse für die technischen Berufe zu wecken. Nach den Osterferien werden die Schüler selber Bekanntschaft mit den Bohrmaschinen der Firma Stöber machen. „Beim Rundgang über unsere Hilda-Baustelle mit Baustellenstiefeln und Helm kommt man auf manche praktische Idee“, sagt die Schulleiterin, und ihr Stellvertreter Reiner Raub gibt ihr Recht. „Vor drei Wochen hab e ich eine Lampe aufgehängt, aber nach dem Kurzlehrgang in der Firma Stöber werde ich sie wieder ab- und neu aufhängen –mit perfekt gebohrten Löchern“, scherzt er und lacht. Wer jetzt aber glaubt, dass nur Männer handwerklich begabt sind, der täuscht sich. NwT-Lehrerin (Naturwissenschaft und Technik) Hanna Scherer sagt: „Zum Geburtstag habe ich mir eine Bohrmaschine gewünscht und kann damit auch umgehen.“

Jutta Mpock, die bei der Firma Stöber das Programm ausgearbeitet hat, sagt: „Beim ersten Kooperationstreffen zwischen dem Gymnasium und unserer Firma stand fest, dass zuerst einmal die Lehrer selbst in die Lehre gehen müssen, bevor die Schüler in den Betrieb gehen.“ So sei der Praktikumstag für Lehrer entstanden. Das zentrale Anliegen der Partner aus Schule und Wirtschaft in der Landesarbeitsgemeinschaft „SchuleWirtschaft Baden-Württemberg“ lautet: Alle Schüler in Baden-Württemberg optimal in das Berufsleben vorbereiten. Deshalb haben die Landesregierung, der baden-württembergische Industrie- und Handelskammertag, der Handwerkstag und die Landesvereinigung der Arbeitgeberverbände vereinbart, die Bildungspartnerschaften zwischen Schule und Unternehmen zu intensivieren. Zehn eigene Servicestellen verstärken seit Januar 2010 das „SchuleWirtschaft“-Netzwerk in Baden-Württemberg. Finanziert aus der Südwestmetall-Initiative „Start 2000 Plus“ werden die regionalen Arbeitskreise in ihrem ehrenamtlichen Engagement unterstützt.