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Die Weiherbergschule ist besonders drastisch von Unterrichtsausfällen betroffen. / Caroline Seidel

Lehrermangel: Wieviel Unterricht fällt an Pforzheimer Schulen aus?

Mit 850 Jungen und Mädchen – 30 Kinder mehr als jetzt – rechnet die Nordstadtschule zum neuen Schuljahr. Dann wird es auch im Grundschulbereich, der sich im Ausbau zur Ganztagsschule befindet, eine Klasse mehr geben. Räumlich gerate die vor einigen Jahren kernsanierte denkmalgeschützte Gemeinschaftsschule ans Limit. Aber auch personell muss die wachsende Einrichtung jonglieren.

Rektor Oliver Hesselschwerdt reagiert auf fehlendens Personal beispielsweise wegen Krankheit so, wie andere seiner Kollegen auch: Nur ein sehr kleiner Teil des Unterrichts von etwa 1,5 Prozent falle tatsächlich für die Eltern sichtbar aus, schätzt er. Denn im Ganztagsbereich hätten die Eltern ja ein Anrecht auf die pädagogische Betreuung ihrer Kinder innerhalb der Regelzeit. Deshalb, so erklärt er, finden etwa fünf bis sechs Prozent des Unterrichts für seine 220 Grundschüler anders als geplant statt – werden über Betreuung, Klassenzusammenlegung; Handschlagvertretungen oder auch Mehrarbeit der Lehrer kompensiert.

Aufnahmestopp am Weiherberg

Entsprechende Daten zur Unterrichtsversorgung einzelner Schulen hatte das Kultusministerium in einer Februarwoche von allen Schulen landesweit erhoben. Besonders drastisch war die Weiherbergschule von Ausfällen betroffen, so dass sie Grundschüler stundenweise zu Hause lassen musste und ein Aufnahmestopp für die VKL-Klassen erging. Die nicht regulär gehaltenen Sprachförderstunden beziffert Hesselschwerdt in seiner Schule auf etwa zehn Prozent. Sprachunterricht, der nicht wie vorgesehen gehalten werde. Das könne etwa dazu führen, dass Sprachförderkinder in der besagten Zeit einfach in eine normale Klasse gesetzt würden. Auch an anderen Schulen ist das gängige Praxis (die PZ berichtete).

Wie stark die Sprachförderung und damit die Kinder in Pforzheim insgesamt unter dem System des Löcherstopfens leiden, beantworten weder das staatliche Schulamt noch das Regierungspräsidium Karlsruhe.

Die Stadt Pforzheim und speziell das Sozialdezernat schreiben sich das Thema offensichtlich ebenfalls nicht auf die Fahnen. Entsprechende Fragen der „Pforzheimer Zeitung“ an die Stadtverwaltung blieben unbeantwortet. Auch die Frage nach der Anzahl an regulären Lehrerwochenstunden, die an allen Schultypen ausfallen. Da aber manches Zuwandererkind mangels Kitaplatz schon nicht genügend Deutsch gelernt hat, bis es in die Schule kommt, hat es vermutlich in Pforzheimer Schulen auch nicht die besten Chancen auf Spracherwerb. Gerade erst hat Pforzheim Notkitagruppen für solche Fünfjährigen eingerichtet, die durchs Raster zu fallen drohen.

Zahlenmaterial fehlt

Das RP erhebt keinerlei Zahlen, verweist aufs Kultusministerium des Landes und sieht lediglich an der Weiherberg- und der Osterfeldschule eine „eingeschränkte Sprachförderung“. Wie viele Kinder tatsächlich betroffenen seien, werde gar nicht erhoben, erklärt die RP-Pressestelle. Auch wieviel reguläre Lehrerwochenstunden an Grundschulen grundsätzlich ausfallen, kann das RP nicht beantworten.

Angebote fallen aus

Laut Rektor Andreas Renner von der Inselgrundschule steht zumindest seine Einrichtung gut da. Doch auch er müsse bei der Sprachförderung Abstriche machen. Bleibt noch die Auswertung der Abfrage des Kultusministeriums: Sie werde aber wohl kaum Aufschluss darüber geben, wie stark die Qualität von Unterricht leidet, wenn Klassen zusammengelegt oder von Vertretungen übernommen werden, vermutet Joachim Eichhorn, Mitglied Teamvorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft EW Pforzheim/Enzkreis. Die Schulen bräuchten verlässliche Vertreter für kranke Lehrer. Und gleiche Rahmenbedingungen wie andere Bundesländer, damit Lehrkräfte nicht einfach abwanderten. In seiner Einrichtung, der Kirnbachschule Niefern, habe er zwischenzeitlich die AGs im Ganztagsbereich streichen müssen.