nach oben
Sie sind der neue Vereinsvorstand von Lilith: Heide Ernst, Karin Bacher, Ana Kugli, Angela Blonski, Linda Bahlo und Simone Ruf (von links).
Sie sind der neue Vereinsvorstand von Lilith: Heide Ernst, Karin Bacher, Ana Kugli, Angela Blonski, Linda Bahlo und Simone Ruf (von links).
06.11.2017

Lilith bekommt Verstärkung

Sie sind täglich mit der Vergewaltigung und dem sexuellen Missbrauch von Kindern konfrontiert und deren Sprachlosigkeit können aber nur die nötigste Grundversorgung leisten.

In ihrer Arbeit erhalten die sechs Lilith-Mitarbeiter, die sich knapp drei Stellen teilen, jetzt Unterstützung durch die neue Vereinsvorsitzende. Die Betriebswirtin Karin Bacher, 52, möchte den Verein aus der Bittsteller-Position herausholen und eine bessere Regelfinanzierung durch Stadt und Enzkreis erreichen. Ein Gespräch mit Oberbürgermeister Peter Boch steht dazu noch aus. Um systematische Prävention an Schulen anzubieten, bräuchte Lilith insgesamt 60 000 Euro pro Jahr von Stadt und Enzkreis mehr, die momentan durch Spenden mal mehr mal weniger eingenommen würden, erklärt sie. Das seien 20 bis 25 Prozent des Gesamtetats, der zur Verfügung stehe.

Öffentlich Position beziehen

Wie dringend nötig es sei, Kinder in ihren Entscheidungen zu ermutigen, zeige die Bewegung „Me Too“. Der Skandal um den amerikanischen Filmproduzenten Harvey Weinstein verdeutliche, wie schwer es selbst erwachsenen Frauen falle, sich zu sexueller Belästigung und Gewalt zu äußern, ergänzt die Leiterin der Beratungsstelle, Angela Blonski. Es brauche Betroffene, die sich öffentlich positionierten, damit auch andere den Mut fänden, erlebte sexuelle Übergriffe als solche zu benennen. „Für Kinder ist das Anvertrauen erlebter sexueller Gewalt noch viel schwieriger. Von daher ist die präventive Arbeit in diesem Bereich von enormer Bedeutung“, sagt Blonski.

Ana Kugli, bisherige Vorstandsvorsitzende, bleibt dem Verein als Stellvertreterin erhalten. Sie hat aus privaten Gründen den langjährigen Vorsitz abgegeben. Simone Ruf (zweite Vorsitzende), Linda Bahlo (Schriftführerin) und Heide Ernst (Finanzreferentin) wurden außerdem für eine weitere Amtszeit in der Mitgliederversammlung bestätigt.

Der ehrenamtlich tätige Vorstand möchte künftig mit seinem Anliegen stärker an die Öffentlichkeit gehen, um sich für den Schutz von Mädchen und Jungen vor sexuellem Missbrauch einzusetzen. Dazu gehöre es, die Zahl der Mitglieder von 50 auf 75 Förderer zu erhöhen. Nicht so sehr wegen des Jahresbeitrags von 36 Euro, sondern weil die Mitglieder Multiplikatoren seien, um auf das Leid der Kinder aufmerksam zu machen. Um so mehr freut es Blonski, dass bereits 16 neue Mitglieder gefunden worden seien.