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Pforzheim muss sparen

Feier im Blockhüttendorf Lindelbrunn zu seinem 55. Geburtstag. Privat
Feier im Blockhüttendorf Lindelbrunn zu seinem 55. Geburtstag. Privat
10.06.2016

Lindelbrunn: Offener Brief der ehrenamtlichen Freizeitbetreuer des SJR

Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Müller,

mit Schrecken verfolgen wir Ehrenamtlichen gerade die Diskussionen um die Kürzungen im Kinder- und Jugendreisenbereich des SJR. Neben all den Diskussionen um Finanzen, Verantwortlichkeiten und Veränderungen möchten auch wir Ehrenamtlichen uns an dieser Stelle persönlich zu Wort melden, weil auch wir ein nicht unbeträchtliches Interesse daran haben, dass die Freizeiten des SJR erhalten bleiben.

Wir alle engagieren uns seit vielen Jahren mit vollem Einsatz für den SJR. Viele von uns gehen seit ihrer Kindheit mit nach Lindelbrunn, auf Hoheneck und den Alpsee, wir sind in die Strukturen über Jahre hineingewachsen und fühlen uns hier zutiefst verwurzelt. Viele von uns wurden von Teilnehmern zu Teamern. Dazu kommen diejenigen von uns, die im SJR erst später ihren Platz für Engagement gefunden haben. Egal ob wir schon von kleinauf den SJR kennen oder über Umwege dorthin gelangt sind verbindet uns alle eins:

Wir alle verbringen neben unseren Beruftstätigkeiten, Studien und Schulen unsere Freizeit mit und für den SJR. Wir opfern Wochenenden, Nächte und Ferien, nehmen unbezahlten Urlaub, stecken all unsere Ideen, unsere Kapazitäten und freien Minuten in verschiedenste Freizeiten und deren Vor- und Nachbereitung. Wir nehmen die Anreise aus der ganzen Bundesrepublik in Kauf um den SJR zu unterstützen, auch wenn wir schon längst nicht mehr in Pforzheim leben. Wir optimieren ständig, planen lange im Voraus, stellen Familie, Freunde und andere Verpflichtungen hintenan weil wir von der Wichtigkeit und vom Konzept überzeugt sind. Weil Kindern in Pforzheim die Gelegenheit gegeben werden muss sich in Gruppen pädagogisch gut betreut entfalten zu können. Weil wir Schüler, Azubis und Praktikanten in ihrem Prozess der Berufsfindung unterstützen wollen. Weil sie dort lernen wie man in einer Gruppe aktiv werden kann und sie sich als selbstwirksam erleben können. Weil dort so viele gelernt haben sich einzubringen, sich zu engagieren und sich selbst zu reflektieren. Weil viele das Gefühl Teil eines Teams zu sein oftmals nur auf den Freizeiten erleben können. Weil wir der Meinung sind, dass wir auch ohne ein riesiges Budget und ohne einen immensem Konsum von Medien etc. Kindern und Jugendlichen und jungen Erwachsenen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung beistehen können. Weil wir das alles in unsrer Prioritätenliste ganz nach oben stellen und nicht dabei zusehen wollen, wie für hunderte von Kindern das Leben in eine falsche Richtung verlaufen könnte. Weil wir auf den Freizeiten den direkten Kontakt und das Vertrauen der Kinder und Eltern erhalten und wir unsere Verantwortung dafür ernst nehmen. Weil auch wir Teamer uns ständig im Team weiterentwickeln und wir mit jedem Tag Einsatz neue Kompetenzen erwerben und festigen können. Weil nicht nur wir selbst, sondern auch unsere Familien, Freunde, Bekannte und Arbeitgeber involviert sind in dem sie uns unterstützen, in dem sie uns finanziell, materiell und emotional bei Seite stehen und tun was sie können um uns unseren Einsatz zu ermöglichen. Weil er wichtig ist. Für Pforzheim, für die Kinder, die Jugendlichen, die Familien, die Pflegefamilien, die Schulen, die Teamer, die Leiter und vor allen Dingen für die Zukunft.

Bei allem Verständnis für eine finanziell prekäre Lage, sind wir fassungslos. Fassungslos über sowenig Weitblick, so wenig Verständis und so wenig kreative Ideen dazu, wie man vielleicht auch auf unkonventionellen Wegen das Potential und das Herzblut und die Einsatzfreude so vieler Engagierter nicht vor den Kopf stoßen muss. Wir wünschen uns, dass Sie bei all Ihren Überlegungen, die für Sie mit Sicherheit nicht einfach sind, nur einen kleinen Funken von unserer Leidenschaft versuchen mit einzubringen.

Die ehrenamtlichen Freizeitbetreuer vom SJR

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