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Der Historiker Gerhard Brändle (Mitte) bei einer Stadtführung der Löblichen Singergesellschaft.  Eickhoff
Der Historiker Gerhard Brändle (Mitte) bei einer Stadtführung der Löblichen Singergesellschaft. Eickhoff
31.01.2016

Löbliche Singer veranstalten Stadtführung auf den Spuren enteigneter Juden

„Wo steht das Klavier von Johanna Roth heute?“, fragt Stadthistoriker Gerhard Brändle in die Runde und hält eine Fotografie der Jüdin in die Höhe. Die Pforzheimerin Johanna Roth wohnte an der Zähringerallee 41 und war Klavierlehrerin. Am 22. Oktober 1940 verschleppten die Nationalsozialisten sie in das Internierungslager Gurs in Süd-Frankreich, zwei Jahre später erhielt ein Verwandter Johannas einen zurückgeschickten Briefumschlag mit dem Vermerk „abgereist ohne Adresse“.

Dahinter verbarg sich ihre Deportation am 10. August 1942 in das Vernichtungslager Auschwitz. Ihre Akte bekam noch am selben Tag das Kürzel f.t.e. – „für tot erklärt“.

„Was mit ihrem Klavier geschehen ist, kann ich nicht beantworten. Das Eigentum der Deportierten wurde versteigert, ein Protokoll ist nicht existent. Ihr Klavier muss demnach heute in irgendeinem Pforzheimer Haushalt stehen wenn es nicht im Krieg zerstört wurde“, berichtet Brändle den rund vierzig Interessierten am Startpunkt des Rundgangs unter dem Titel „Arisierung“ durch die Fußgängerzone auf dem Rathausplatz, veranstaltet von der Löblichen Singergesellschaft. Unter der Arisierung sahen die Nationalsozialisten die Enteignung der deutschen Juden. Der Stadthistoriker, ausgezeichnet mit der Bürgermedaille, führt die Zuhörer zu zahlreichen Orten der Erinnerung und zeigt anhand von Fotografien aus der Vorkriegszeit die Machenschaften der NS-Zeit auf. Am Morgen des 1. April 1933 stellten Nationalsozialisten Schilder mit der Aufschrift „Ein Lump und Landesverräter ist, wer in jüdischen Geschäften kauft“ vor jüdischen Geschäften auf, wie vor das Kaufhaus Schocken, heute Galeria Kaufhof. Am Tag davor wurden die ersten Läden, Arztpraxen und Rechtsanwaltsbüros von jüdischen Bürgern von der NSDAP boykottiert, Kunden wurde der Zutritt verwehrt. „Was hier passiert, passierte Mehr lesen Sie am Montag in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.