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Die „St.-Francis-Singers“ umrahmen die Hauptversammlung des Traditionsvereins mit einem Repertoire, das von kirchlichen Stücken bis zum Musical-Klassiker reicht. Foto: Ketterl
06.01.2017

Löbliche Singer ziehen positive Bilanz des vergangenen Jahres

Pforzheim. Ein uneinheitlicher Zusammenschluss von erwachsenen Männern, die als kleinster gemeinsamer Nenner eint, „pro Pforzheim“ zu sein: Das sind aus Sicht des Obermeisters Claus Kuge die Mitglieder der Löblichen Singergesellschaft von 1501. Wobei „pro Pforzheim“ für ihn bedeute, sich für die Stadt zu engagieren – ganz in der Tradition der Begründer des traditionsreichen Männerbunds. „Wir bieten Teilhabe an. Wir gestalten und machen Kultur“, so Kuge, der wie Amtskollege Christoph Mährlein bei der gestrigen Hauptversammlung im CongressCentrum (CCP) auf die Bedeutung des Traditionsvereins abhob. In ihren Reden, der eine Begrüßung durch Oberbürgermeister und Singer Gert Hager vorangegangen war, blickten sie auf 2016 zurück und gaben einen Eindruck davon, was das 517. Sängerjahr prägen wird.

Grund zur Freude: Die Resonanz auf die mehr als 30 Veranstaltungen sei überwältigend gewesen, sagte Mährlein. Die Löblichen Singer nähmen immer noch inhaltlich breit und vielfältig engagiert am Leben in der Stadt teil – auch wenn die Bereitschaft, sich zu engagieren, in der deutschen Gesellschaft insgesamt eher abnehme. Das stieß auf großen Zuspruch: „Wir hatten noch nie so viele Besucher“, so Kuge. Rund 3000 Menschen hätten im vergangenen Jahr die Angebote der Löblichen genutzt. „Sehr oft haben wir nachgestuhlt: im PZ-Forum, in der Stadtbibliothek, der Thalia-Buchhandlung und im Vortragssaal des Stadtarchivs.“

Bildergalerie: Dreikönigstreffen der Löblichen Singergesellschaft

Grund zur Sorge: Wie bei anderen Vereinen ist die Mitgliederentwicklung ein Punkt, der den Vorstand beschäftigt. „Die Mitgliederzahl sank dieses Jahr erstmals seit Längerem wieder unter 500“, sagte Mährlein. Mit der Arbeit der Gesellschaft habe dies nichts zu tun gehabt. „Ich darf das sagen, weil wir jeden Austritt im Vorstand einzeln besprechen und den Ursachen nachgegangen sind.“ Vielmehr sei auch dieser Rückgang der Altersstruktur geschuldet. Man versuche, langfristig gegenzusteuern, habe 2016 gezielt Kontakte zu Schulen geknüpft. „Wir werden im kommenden Jahr die ersten Veranstaltungen mit gezielter Einbeziehung von Schülern anbieten.“ Es gehe nicht darum, kurzfristig Mitglieder zu gewinnen, sondern darum, den Boden zu bereiten.

Grund für Diskussion: Die Löblichen Singer, so Mährlein, hätten sich „nicht gescheut, auch politisch brisante Sujets anzufassen“ – etwa die Verlegung von Stolpersteinen, das Thema Bücherverbrennung sowie das Werk von Käthe Kollwitz. „Gerade in einer Zeit, die politisch aufgeheizt ist wie die unsrige, ist es unsere Aufgabe, überparteilich und engagiert Stellung zu beziehen.“ Zugleich erteilte er parteipolitischer Positionierung eine Absage. „Wir waren im letzten Jahr aufgefordert, erstmals auch aktiv unsere Überparteilichkeit zu verteidigen“, so Mährlein. Es habe die Forderung gegeben, gegen ein Mitglied vorzugehen, „das sich zwar politisch exponiert, aber nicht von den Löblichen und ihren Zielen distanziert hatte“. Der Vorstand würde sich jedoch nicht „dafür hergeben“, gegen Mitglieder aufgrund politischer Überzeugungen vorzugehen.

Der Mittlere Saal des CCP antwortete mit Applaus. Wie berichtet, hatte der frühere Obermeister Frank Hirschfeld in einem offenen Brief AfD-Kreissprecher Bernd Grimmer im Zuge der Schießbefehl-Debatte aufgefordert, sich von Parteichefin Frauke Petry zu distanzieren.