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Zwei, die große Sympathien füreinander hatten: Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl (rechts) und der damalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Stefan Mappus, unterhalten sich im November 2010 in Karlsruhe auf dem 23. Bundesparteitag der CDU. Foto: dpa
Zwei, die große Sympathien füreinander hatten: Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl (rechts) und der damalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Stefan Mappus, unterhalten sich im November 2010 in Karlsruhe auf dem 23. Bundesparteitag der CDU. Foto: dpa
Mehrmals zu Gast in der Pforzheimer Jahnhalle: Helmut Kohl im März 1984.
Mehrmals zu Gast in der Pforzheimer Jahnhalle: Helmut Kohl im März 1984.
Der Kanzler und sein Kanzleramtsminister: Helmut Kohl (links) am 16. Januar 1987 mit Lutz Stavenhagen im Pforzheimer Ratskeller. Foto: PZ-Archiv/Ketterl
Der Kanzler und sein Kanzleramtsminister: Helmut Kohl (links) am 16. Januar 1987 mit Lutz Stavenhagen im Pforzheimer Ratskeller. Foto: PZ-Archiv/Ketterl
17.06.2017

Lokale CDU-Weggefährten erinnern sich an Helmut Kohl

Pforzheim. „Ich bin wegen Helmut Kohl in die CDU eingetreten“, sagt Stefan Mappus. Seine Stimme klingt belegt am Telefon, wenige Minuten zuvor hat er die Nachricht vom Tod des CDU-Patriarchen erhalten, der für ihn selbst so eine prägende Bedeutung hat. Dennoch nimmt Mappus sich Zeit für das Gespräch, so lange es eben dauert.

„Der neben Konrad Adenauer größte Kanzler der Bundesrepublik“, so stuft der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Kohl ein – und natürlich derjenige, den er selbst erlebt hat, in den 1980er-, 1990er-Jahren als Bundeskanzler, in diesen großartigen Jahren der CDU, wie Mappus sagt, den vielleicht erfolgreichsten der Union. Zumindest der CDU, die Helmut Kohl erst geschaffen habe als Modernisierer der Partei in den frühen 1970er-Jahren. 1976, mit knapp 49 Prozent, habe die CDU mit dem Kanzlerkandidaten Kohl das zweibeste Ergebnis ihrer Geschichte geholt – nach dem Triumph der SPD bei der Wahl 1972 war sie zurück als größte politische Kraft. Gereicht hat es dennoch nicht ganz, erst 1982 wurde Kohl Bundeskanzler.

Vom Krieg geprägt

Er sei es gewesen, der 1989/1990 die deutsche Einheit bewerkstelligt und in einem ganz knappen Zeitfenster das Richtige getan habe, und es auch deshalb geschafft habe, weil ihm die anderen Länder – Frankreich und Russland – eben darin vertraut hätten, dass da kein nächstes Drittes Reich entstehe, sondern ein friedliches, ziviles, politisch, wirtschaftlich und in der Währungsunion in Europa eingebundenes, sagt Mappus. Den Krieg selbst erlebt, einen Bruder darin verloren, in den letzten Kriegstagen als 15-Jähriger noch an die Front gemusst zu haben und von dort, von Berchtesgaden, sich zu Fuß nach Hause durchgeschlagen zu haben, das habe Kohl – neben seinem Bewusstsein als Historiker – so geprägt, dass es einen solchen Politiker wohl kaum je wieder geben werde, ist Mappus überzeugt.

Was er ebenfalls heraushebt: Kohls Bedeutung als Parteichef für die CDU, sein unvorstellbares Wissen, gepaart mit einem nicht minder unglaublichen Gedächtnis. Noch nach 25 Jahren habe er sich erkundigt, ob dieser oder jener noch Kreisvorsitzender sei, erinnert sich Mappus. Kohl habe sich für viele und vieles in der Partei interessiert, auch wenn ihm Kritiker oft genau dies angekreidet hätten. Er habe der Partei als Parteichef gutgetan, und er selbst, so Mappus, sei stolz und dankbar, bei Kohl eingeladen gewesen zu sein, beispielsweise zum 80. Geburtstag, und diesen schon von seiner ganzen physischen Erscheinung her so imposantem, raumfüllenden Politiker erleben haben zu dürfen.

Früh schon hat Kohl auch in Mappus’ Karriere eine Rolle gespielt, bei dessen erster Kandidatur für den baden-württembergischen Landtag. 1996 war das, und anderthalb Wochen vor der Landtagswahl sei Kohl vor 3500 Leuten in der Stadthalle Pforzheim aufgetreten. Einige hätten noch davor gewartet, die Feuerwehr habe keine weiteren Gäste in den übervollen Saal gelassen. Doch innen hätte man eine Stecknadel fallen hören können, als Kohl sprach. Er sei gar nicht dieser begnadete Rhetoriker wie etwa Weizsäcker gewesen, aber einer, der fesselnd zu erzählen, zu reden verstanden hätte. Und sich dann auch wieder, umgekehrt, für sein Gegenüber interessierte, „ganz normal“, sagt Mappus, ansonsten aber, alleine schon von Größe und Statur her „ein Naturereignis.“

Auch Gunther Krichbaum, CDU-Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender des Kreisverbandes Pforzheim/Enzkreis, zeigt sich zutiefst betroffen. „Er war von 1982 bis 1998 in einer ganz entscheidenden Zeit für Deutschland und Europa Bundeskanzler, und sein Name wird immer mit der Wiedervereinigung verbunden bleiben.“ Für den Vorsitzenden des Europaausschusses im Bundestag zählt Kohls „herausragendes Engagement für Europa“ zu den ganz großen Verdiensten des verstorbenen Altkanzlers.

Als hoch verehrt in der Parteibasis beschreibt Günter Bächle den verstorbenen Altkanzler Helmut Kohl. „Zu Recht“, wie der Fraktionsvorsitzende der CDU im Kreistag des Enzkreises betont. Denn unterm Strich seien die Erfolge des „echten Machtpolitikers“ Kohl für Europa genauso wie um die deutsche Einheit höher zu bewerten als die negativen Seiten wie etwa die Parteispendenaffäre. Bächle hat Kohl in den 1970er- und 1980er-Jahren als Delegierter bei Bundesparteitagen erlebt. „Helmut, Helmut-Rufe“ seien damals erschallt.

„Sein Erbe bewahren“

Auch der politische Gegner würdigt Helmut Kohls Verdienste. Mit ihm verliere Deutschland nicht nur einen großen Staatsmann, sondern auch einen großen Europäer, so Hans-Ulrich Rülke. Und der FDP-Fraktionsvorsitzende im baden-württembergischen Landtag ergänzt: „Die Nachfolgegenerationen sind gut beraten, sein Erbe zu bewahren und den reaktionären, nationalistischen Kräften in Europa mit Entschiedenheit entgegenzutreten.“