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Die "Loverboys" sorgen dafür, dass sich Frauen in sie verlieben, und bringen sie dann dazu, sich zu prostituieren.
Die "Loverboys" sorgen dafür, dass sich Frauen in sie verlieben, und bringen sie dann dazu, sich zu prostituieren. © dpa
26.01.2011

Loverboy: Wenn der Freund zum Zuhälter wird

PFORZHEIM. Eine Mutter sorgt sich um ihre Tochter: Diese scheint mit Anfang 20 an einen sogenannten Loverboy geraten zu sein. Also an jemanden, der eine Frau verliebt macht, um sie zur Prostitution zu zwingen. Ein Phänomen, das es schon lange gibt, in Deutschland aber offiziell kaum erfasst ist.

Erst vor wenigen Wochen trat der junge Mann ins Leben von Lydia (Name geändert), die bis dahin ein ganz normales Leben mit Schulabschluss und Lehre geführt hatte. Dann begegnete ihr ein Mann im Internet, der Lydia bei den ersten Treffen mit Geschenken überschüttete. Charmant und selbstbewusst sei der junge Mann aufgetreten. Als sich dieser aber im Gespräch mit der Mutter als einschlägig im Millieu unterwegs geoutet habe, habe sie ihre Tochter vor dem Mann warnen wollen. Da habe Lydia dicht gemacht, sagt die Mutter.

Seitdem will die Pforzheimerin Veränderungen an ihrer Tochter bemerkt haben, die die Berliner Expertin und ehemalige Kriminalbeamtin Bärbel Kannemann, als typisch erkennt: Die Zuhälter würden die verliebten Mädchen zunehmend isolieren und kontrollieren. Bei jungen Erwachsenen nutzten die Zuhälter die Kreditfähigkeit der Freundinnen aus.

Oftmals führe das in die totale Verschuldung. Und dann sei klar: Um eine gemeinsame Perspektive aufzubauen, etwa eine Heirat zu finanzieren, bleibe der Freundin nur die Prostitution. Kannemann ist die deutsche Ansprechpartnerin für die holländische Internetplattform stoploverboys.nu. Vor allem seien Zwölf- bis 17-Jährige besonders anfällig dafür, in die Fänge eines Loverboys zu geraten, sagt sie. Die Zuhälter stammten in der Regel aus Einwandererfamilien. Während das Phänomen der Loverboys in Holland auf mehrere Hundert Fälle geschätzt werde, habe das Bundeskriminalamt für die Jahre 2009 und 2010 lediglich drei offizielle Fälle registriert, sagt Kannemann. mof