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Gestern und heute im Blick: Wolfgang Trautz vergangene Woche auf dem Vicenzaplatz, also gewissermaßen zwischen dem Landesgartenschaugelände von 1992 und dem Gasometer.  Fotos: Meyer, Seibel, Ketterl, PZ-Archiv 
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Auf Du und Du mit der Prominenz: Wolfgang Trautz, PZ-Redakteur Gerhard Ketterl und Deutschrocker Udo Lindenberg (von links) bei einer Telefonaktion 1979. 
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Hat den German Cup gegründet und wiederbelebt: Trautz mit Matthias Schlegel. 
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Genau sein Ding: Flagge zeigen für die Goldstadt auf Messen und daheim. 
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Großereignisse wie Tour de France und Deutschlandtour holte Trautz (hier mit den Radsportlern Robert Förster und Jens Voigt, links und rechts, dem Ersten Bürgermeister Andreas Schütze und Sparkassendirektor Hans Heiner Boulay) in die Stadt. 

Macher des German Cups und des OechsleFests: Wolfgang Trautz wird 70

Pforzheim. Hoch hinaus wie beim German Cup der Ballone, bodenständig mit dem OechsleFest, gleichermaßen alten Autos und modernsten Fahrrädern zugetan, der Geburtsstadt Pforzheim verbunden und im Enzkreis-Dorf Eisingen zuhause: Als das Wort „vielseitig“ erfunden wurde, könnte Wolfgang Trautz, Pforzheims langjähriger Tourismusdirektor und Leiter des Geschäftsbereichs Stadtmarketing, Pate gestanden haben.

Nur entweder das eine oder das andere zu sehen, denken, machen – das wäre nicht sein Ding. So ist es gewissermaßen konsequent, dass er unter den vielen von ihm auf die Beine gestellten Großveranstaltungen nicht die eine Königin der Herzen für sich selbst benennen kann, nicht den einen Lieblingsevent.

Wohl aber den Lieblingsmoment einer Veranstaltung. „Frühmorgens, um sechs Uhr oder noch früher, wenn Sie auf den Platz gehen, auf den Marktplatz zum Beispiel, wenn die Fahnen geliefert werden, die Buden“, schildert Trautz, dieser Moment des Aufbauens, wenn auch das ganze Team da ist, wenn alles laufen und funktionieren muss, ob beim Citylauf oder beim Marktplatzfest, beim German Cup der Heißluftballone oder dem Rahmenprogramm von Tour de France und Deutschlandtour, beim OechsleFest, Stadt- und Schmuckjubiläen oder oder oder – diesen Moment, genauer, „dieses Gefühl habe ich bei allen Veranstaltungen genossen“, sagt Trautz, der am Sonntag 70 Jahre alt wird. Und umgekehrt: „Das Schlimmste ist das Abbauen.“ Vom persönlichen Abbauen ist Trautz, trotz zuletzt wochenlangem Ringen mit den Folgen einer schweren Bronchitis, weit entfernt. Auf seine Verrentung bei der Stadt Pforzheim 2013 folgte rasch der Einstieg als freier Mitarbeiter bei „Parkhotel“- und „Brauhaus“-Chef Wolfgang Scheidtweiler. Bei ihm ist der verheiratete Vater dreier Söhne zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des „Gasometer“, und in seinen Diensten stellt er auch seit 2016 wieder den German Cup der Heißluftballone auf die Beine, bis 2008 ein städtisches Wochenend-Großereignis Ende September, das dann der notorischen Ebbe in der Stadtkasse zum Opfer fiel. Bis Scheidtweiler und Trautz es wieder belebten – 2017 wählten es die PZ-Leser zum Lieblingsereignis des Jahres. 2018 reichte bei der PZ-Hitparade sogar die Ankündigung, es werde 2019 wieder stattfinden, zum Sprung aufs Treppchen. Nebenbei ist Trautz seit über 40 Jahren als Öffentlichkeitsarbeiter für den FSV Eisingen aktiv.

Beruflich hat er viele großartige Ereignisse mit bleibendem Erinnerungswert auf die Beine gestellt beziehungsweise gemanagt. Von der Landesgartenschau 1992 über die Weltmeisterschaft der Vorderladerschützen oder auch die WM der Bärte bis zu Themenfesten wie Motorissimo zum Auto-Jubiläum oder dem Carl-Friedrich-Fest zur Erinnerung an Badens ersten Großherzog: „Wir haben so viel gemacht, um Pforzheim im Gespräch zu halten. Eine Stadt, über die man nicht spricht, ist tot.“ Kaum ein OB sei dafür so offen gewesen wie Joachim Becker.

Über 40-mal auf der ITB

Veranstaltungen seien kein Selbstzweck, sondern Standortmarketing. Auch wenn die Verantwortlichen ansiedlungswilliger Firmen in eine Stadt kämen, schauten sie, was da geboten sei, weiß Trautz. Dazu hat er touristische Stadtvermarktungskonzept aufgestellt, die entsprechende Abteilung der Pforzheim Kongress und Marketing aufgebaut („Wir waren immer ein Superteam, das habe ja alles nicht ich alleine gemacht“) und Pforzheim auf Messen wie der Stuttgarter CMT und der ITB in Berlin vertreten – alleine dort war der studierte Grafik-Designer (Abschluss an der Hochschule Pforzheim 1973) über 40-mal, zu Beginn mit einem von Luxusuhrenherstreller Longines gebraucht gekauften, aber sehr großen Messestand. In drei Wochen ist er mit dem „Gasometer“ wieder dort. Den Begriff Goldstadt hat Trautz als Markenzeichen immer hochgehalten, auch wenn es damit zeitweise einsam wurde um ihn, hat Gold-Bobs im Wintersport, das „Goldene Rennrad“ als Preis bei der Deutschland-Tour und Goldstadtpreise für die ZDF-Hitparade als Marketingaktionen ins Leben gerufen.

„Das ist eine ganz tolle Stadt“

Dabei hat der frühere Nordstadtschüler und Hebel-Abiturient seine berufliche Laufbahn zunächst bei einer Leonberger Werbeagentur begonnen, bevor er als Werbeassistent für die Bundesgartenschau Mannheim im Jahr 1975 und dann fürs Kulturamt Gaggenau tätig war und schließlich 1978 in Pforzheim anheuerte. Natürlich hat Trautz auch seinen eigenen Blick auf die aktuellen Vorgänge bei der Wirtschaft Stadtmarketing Pforzheim. Zur WSP zählte sein Bereich seit 2007 („ein Einschnitt“). Die Trennung von Marketingchef Sascha Binoth und die Kritik an WSP-Direktor Oliver Reitz aber kommentiert er nicht – das Kapitel sei vorbei. Geblieben ist, dass er sich heute noch freue, wenn Pforzheim positiv im Fernsehen auftauche. Die Stadt habe einige unschöne Ecken und viele gute Seiten. Da ist sie wieder, die Eigenschaft, Gegensätze und Brüche einfach als gegeben zu nehmen und das beste Bild daraus zu machen. „Ich lasse auf Pforzheim nichts kommen“, sagt Trautz, „das ist eine ganz tolle Stadt.“